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Laure Wyss Rascal Mit Kohlezeichnungen von Klaus Born1999, 100 Seiten, gebunden ISBN 3-85791-328-2 |
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| Kurze Inhaltsangabe | |||
| Auch in ihrem zweiten
Gedichtband vertraut Laure Wyss dem Rhythmus der Sprache
und des eigenen Gedankengangs. So entstehen Texte des scheinbar Absichtslosen, Momentanen, Fragmentarischen. Es überlagern sich Nähe und Ferne, Gewesenes und Gegenwärtiges in immer neuen Variationen. Der Erfahrung der Vergänglichkeit, die den dunklen Hintergrund bildet, wird entschlossen eine starke Lebenskraft entgegengestellt. «Literatur, die keine Zweifel aufkommen lässt, dass Degagement nicht das Gegenteil von Engagement ist, sondern eine verschwiegenere oder auch verschmitztere Form davon.» Basler Zeitung |
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| Textprobe | |||
| What a surprise Der
Schlehdorn blüht, Damals die ersten Schritte Licht, Licht, Strassen hinauf, Jetzt heissen die Serren Auf dem Chasseral noch Schnee.
Eine Woche lang Montag Gib mir die Hand. Dienstag Ein Morgenlied für Mittwoch Heute will ich ein |
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| Pressestimmen / Rezensionen | |||
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| Stimmen | |||
| Rezensionen Berner Zeitung vom 26. Februar 1999 Neue Gedichte einer ErzählerinMit ihren Gedichten erzählt Laure Wyss Geschichten: im Kleid des Bären «Rascal», wie der neue Band heisst. Die erfahrene Journalistin, Reporterin und Romanautorin Laure Wyss hat schon immer auch Gedichte geschrieben. Doch erst lange Zeit nach ihrer Pensionierung hat sie den ersten Gedichtband «Lascar» veröffentlicht. Das Titelgedicht dieses Bandes erzählte vom aufmüpfigen Bären Lascar, der sich gerne treiben lässt und in der Kirche den Messwein stiehlt. Jetzt hat Lascar einen Bruder bekommen: «Rascal». (…) Etwas offenlassen Susanne Schanda |
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Neue Zürcher Zeitung
vom 6. Mai 1999Frugales FestGedichte von Laure Wyss «Lascar» heisst Laure Wyss' letzter Gedichtband vor vier Jahren, benannt nach dem Bären eines Freundes am französischen Wohnort der Autorin. Lascar, eine Existenz zwischen Tier, Plüsch und Mensch, eine witzige Lügengeschichte um viele Ecken. Er sei der Auftraggeber der Gedichte, schrieb die in Zürich lebende Schriftstellerin im Nachwort, sich augenzwinkernd gegen das ihr zur Fessel gewordene «aufklärerische Schreiben» zur Wehr setzend. Im Alter dürfe sie auf Erklärungen und Antworten doch wohl verzichten - zugunsten der Sprache und ihres Herzschlages, zugunsten des Gedichts. Der neue Band heisst «Rascal», fast ein Palindrom, aber zurückbuchstabiert wird nichts vom Lascar-Anspruch, im Gegenteil. Noch entschiedener sind die neuen Gedichte dem Fragen verpflichtet, das Gewissheit sucht, aber auch bereit ist, sie allenfalls nur im Zweifel zu finden. Ohne die Verluste, die privaten und die gesellschaftlichen, in Gewinne umzubuchen, entsteht hier eine Art Reichtum des Nichthabens. Armut wäre dafür das allerfalscheste Wort. (…) Dem aufklärerischen Schreiben hat sie überhaupt nicht abgeschworen. Nur geht es jetzt um die Aufklärung ihrer selbst, ihrer Koordinaten: die Lebensschatten, die länger werden; die Kinder, deren Fragen beantwortet werden sollten; das Fremde, das sich ins Vertraute hineingelebt hat; das Vertraute, das im Fremden erst aufscheint. Das alles sind Grenzen - und bei Laure Wyss auch Orientierungshilfen. Ihre Gedichte formulieren, ganz altmodisch meinetwegen, Archetypen der Ambivalenz: Ankommen, Bleiben, Weggehen, Wegbleiben. Hie und da ist das alles noch Grund zu Pathos, hie und da verlangt Laure Wyss der Sprache noch Bilder für das Unaussprechliche ab, hie und da lässt sie sich verführen zu Arrangements oder epischer Breite. Zumeist aber überzeugen die Rascal-Gedichte durch Kargheit, durch Aussparungen. Im Geviert der Lebenskoordinaten beanspruchen sie einen Raum, ohne ihn zu füllen. Kein Ort, kein Haus. Raum zu frugalen Festen, die in horaz'scher Tradition nichts von Demut wissen wollen; die das hic et nunc feiern, ohne das Morgen und sein Ende auszublenden. Laure Wyss' Gedichte sind leise, aber nicht ohne Intensität und Intention. Was du suchst, ist bei dir - das ist ihr Trost. Trost, der keiner ist. Es bedeutet nicht in erster Linie, dass du hast, was du brauchst. Denn was du hast, hast du zuviel: «Weg mit dem Verwirklichten!» lautet einer der Imperative. Gedichte, die zum Imperativ neigen - man wird es ihnen verzeihen, denn er ist privat und ein Ausdruck der konkreten Gegenwärtigkeit, die diese Poesie ausmacht. (…) Samuel
Moser |
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WochenZeitung WoZ vom
5. August 1999Kann man sich in dieser Weit zu Hause fühlen?«Drr Rascal» so nennt Laure Wyss ihren neuen Gedichtband mit dunkler Stimme will langsam gelesen sein; und wiederholt. Ich weiss nicht, warum er «Rascal» heisst, vielleicht weil es ein Anagramm ist von «Lascar», dem Titel des ersten, 1994 erschienenen Gedichtbandes. Aber so, wie Laure Wyss «Drr Rascal» sagt, ist es ein Wort wie ein Name und nicht wie ein Titel. Der «Rascal» will aber auch lange angeschaut sein, mit den Kohlezeichnungen von Klaus Born. Diese sind nicht nur zur Illustration da, sondern bilden buchstäblich das Bett der Gedichte, so wie etwa auch das, was ein Bett braucht, um einen Fluss zu bilden, Im Gedicht «Der See» lässt Laure Wyss die Farbe des Bielersees im Sommer vor uns auftauchen. Es ist «grüngraublau und schimmernd». Das Schiff gleitet über Samt und weiche Wellen. Die Rebhänge sind noch grün. Vielleicht ähnelt dieses Grün dem Grün des Umschlages, auf dem Born seine Kohlezeichen gemalt hat. Diese Kohlezeichen sind dunkel, aber nicht düster. Sie öffnen einen Raum zwischen Farbe und Form, zwischen Sprache und Bedeutung, und in diesem Raum sind die Gedichte von Laure Wyss angesiedelt. Wenn man sie in ihrer Reihenfolge mit Zeit und wiederholt liest und die Sprachbäder genau betrachtet, beginnt eine Frage Kontur anzunehmen, die allen Gedichten zugrunde liegt. Die Frage lautet: Wie kann man sich in unserer Welt heimisch fühlen? Die Welt, von der in diesen Gedichten die Rede ist, ist nicht irgendeine, sondern die Welt dieses zwanzigsten Jahrhunderts, die Laue Wyss erlebt hat und auf die sie zurückblickt. Es ist der Duft von Heu aus der Kindheit im Berner Oberland lange vor dem Zweiten Weltkrieg, es sind die Erinnerungen an die Zeit des Krieges, die Laure Wyss in Schweden verbracht hat die Erinnerungen an die Flüchtlinge, an das Elend, den Schrecken. Es ist die Zeit in der Schweiz als allein erziehende und berufstätige, schreibende Mutter, es ist die Zeit des Alters und auch des Krankseins, und es sind immer wieder die Reisen. In einer Liebe, hat Walter Benjamin einmal geschrieben, suchen die meisten ewige Heimat, andere, und nur sehr wenige, das ewige Reisen. Dies sind, so Benjamin, die Melancholiker, sie suchen jene, die ihnen die Schwermut der Heimat fern halten. Fast scheint es, als ob sich Laure Wyss in ihren Gedichten zu diesen geselle. (…) Astrid
Deuber-Mankowski |
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Ein bewegendes lyrisches TagebuchLimmat bringt Laure Wyss' Gedichtband «Rascal» Das Persönlichste, Bewegendste, was Laure Wyss in den letzten Jahren geschrieben hat, findet sich im Gedichtband mit dem irritierend-vieldeutigen Titel «Lascar» von 1994. Nun, in ihrem neuesten Buch, hat sie den Titel zu «Rascal» umgedreht, berichtet aber, zu einer neuen Serie dunkel-stimmigen Illustrationen von Klaus Born, wiederum von sich selbst und ihren eigenen, schönen und schmerzlichen Erfahrungen. In Versen, denen man das «Dichten» nicht anmerkt, die so selbstverständlich und unprätentiös daherfliessen, als wolle die Sprache bloss den ihr innewohnenden Rhythmus äusserlich sichtbar machen. Obwohl die Versform doch, bei Lichte besehen, auch eingrenzen, abschotten, absichern muss gegen das viele, Bedrängende, das rund um das wenige, das ausgedrückt wird, droht. «Art pour l'art» ist es jedenfalls nicht, was da gesagt wird. Leichtfüssig-elegant gesagt wird von einer skeptisch gewordenen Aufklärerin, von einer resignierten Mahnerin auf den letzten Abschnitten eines langen, wechselvollen Weges. (…) Am schönsten, am gültigsten, am bleibendsten aber sind, als sollte die Erkenntnis von «Pier 21» - dass sich erlittenes Leid nicht an die kommenden Generationen vermitteln lasse - poetologisch bestätigt werden, jene Gedichte in diesem Band, die ganz Stimmung, Empfinden, Bild und Atmosphäre - und gerade darum sehr viel mehr! - sind. «Dezember zuhause» z. B., oder «Das Käuzchen ruft», ein auf den ersten Blick harmloses Naturgedicht, das aber, genauer betrachtet, auf rätselhaft-verschlüsselte, grossartige Weise bis in die Tiefen der europäischen Todesmystik hinabreicht. (…) Charles Linsmayer |
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Neue Zürcher Zeitung vom 5. September 2000 Lyrische «Störschreiberin»Die Schriftstellerin Laure Wyss und ihr lyrisches WerkAls Übersetzerin von Flugblättern begann Laure Wyss zu schreiben. Jahrzehntelang arbeitete sie als Journalistin, erst nach ihrer Pensionierung fand sie die Musse, sich an literarische Formen zu wagen. Einen besonderen Stellenwert nimmt in ihrem Werk die Lyrik ein. Am Freitag werden ihre Gedichte im Rahmen von «Lyrik am Fluss» gelesen. (…) Zur Lyrik hat sie erst spät gefunden: «Das war zuerst eine Frage der Zeit, nach der Pensionierung vor allem eine des Mutes», gesteht Laure Wyss, sie habe sich lange schlicht nicht getraut, Gedichte zu veröffentlichen; der Anspruch, Lyrik zu schreiben, sei ihr zu hoch vorgekommen. Sie verstehe das Schreiben als ein Handwerk. Mit dem Alter hat dann jedoch ihr Reichtum an Erlebnissen und Bildern so zugenommen, dass ihr die lyrische Ausdrucksform dafür schliesslich die geeignetste schien: «Gedichte sind Kristallisationen, in Sprache gegossene Bilder.» Dazu zitiert die Autorin eine Strophe aus Felix Pollaks «Ad Poetam», die genau den Kern ihrer eigenen Poetik treffe: «Jedes Gedicht / ist ein Versuch / ein Jetzt / in ein Dann / zu retten». (…) Die Themen, von denen Laure Wyss schreibt, sind mannigfaltig - wie ihr Leben. Da ist die Rede von Mutterschaften, die nicht immer einfach sind, von Freundschaften, von unzähligen Reisen, aber auch von Alter und Tod. «Selbstverständlich sind Alter und Tod Themen, die mich zurzeit sehr beschäftigen», sagt die 87-Jährige. Darüber geradeheraus zu sprechen, ist ihr allerdings zu prosaisch. Statt dessen verweist sie auf ihre Gedichte und Kurztexte, worin sich zahlreiche Reflexionen dazu finden: «Vollendet ist es nie, unser Leben», oder: «Ich bin jetzt alt. / Du doch nicht. / Darf ich nicht? / Du wirkst nicht alt. / Ist alt ein Schimpfwort? / Niemand will doch alt sein. / Jetzt haben wir's. Ich bin so alt, wie ich alt sein will, und jetzt will ich eben alt sein.» Doch eben, was heisst denn das, alt sein. Vor ihrer Schreibmaschine sitzend sprüht Laure Wyss vor Lebenslust. «Ich bin gerade an einer Liebesgeschichte, die in London spielt», verrät sie. Und so reist sie denn munter weiter in der Phantasie und in der Erinnerung, auch wenn ihr Körper sie mittlerweile zwingt, vermehrt zu Hause zu bleiben. Das Rauschen der Flüsse, die sie geschaut hat, wird sie nie verlassen, denn alle «gehen weg, kommen zurück / die Wasser / in genauer Bewegung /gewaltige Ordnung.»
Christina Thurner |
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© Limmat Verlag |