Emil Zbinden

Selbstzeugnisse und Bilddokumente

Herausgegeben von Werner Wüthrich und Karl Zbinden-Bärtschi

Mit einem Essay von Werner Wüthrich

und mit Beiträgen Und Briefen Von Erwin Allemann, Klaus Bäumlin, Emil Burki, Adolf Flückiger, Alfred A. Häsler, Eugen Jordi, Tobias Kästli, Peter Killer, Karl Landolt, Carl Albert Loosli, Guido Magnaguagno, Erwin Marti, Frans Masereel, Clément Moreau, Ernst Nobs, Mark Rissi, Werner Roos, Hans Ulrich Schwaar, Traugott Vogel und Fred Zaugg

280 Seiten, 239 Zeichnungen, Skizzen, Fotos und Holzstiche, davon 43 4-farbig, fadengehefteter Pappband
ISBN 978-3-85791-568-0

Emil Zbinden Zum Buch Aus dem Buch Stimmen

Kurze Inhaltsangabe

Diese Künstler-Monografie zeigt Emil Zbinden zum ersten Mal in seiner ganzen Breite. Sie speist sich aus dem weitgehend unbekannten künstlerischen Nachlass mit mehreren tausend Skizzen, Zeichnungen und Bildern und dürfte auch für Zbinden-Kenner eine Überraschung und unerwartete Entdeckung sein.

Im Zentrum steht der Künstler, der kritische Geist, der Zeitzeuge, der Chronist seiner Zeit und der visionäre Realist. In Texten und Bildern stellt der Band den Künstler vor als Partner im Gespräch und im Austausch mit Freunden und Künstlerkollegen wie Frans Masereel, Clément Moreau, Emil Burki, Eugen Jordi und mit Schriftstellern wie Carl Albert Loosli, Traugott Vogel, Alfred A. Häsler, Hans Ulrich Schwaar. Das Buch zeigt Emil Zbinden bei seiner Arbeit und gibt vielfältige Einblicke in die Werkstatt des Künstlers während allen Perioden seines Schaffens von 1928 bis 1991.

Werner Wüthrich, geboren 1947 in Ittigen bei Bern, Studium der Theaterwissenschaften, Germanistik und Philosophie in Wien. Seit 1972 freiberuflicher Theaterautor, Schriftsteller und Brecht-Forscher. Bekanntschaft mit Emil Zbinden ab 1979.

Karl Zbinden, geboren 1952 in Bern. Studium der Biologie an der Universität Bern. 1970–2003 Forschungs- und Entwicklungstätigkeit in Sinnesphysiologie, seit 2001 beim Organ für Akkreditierung und Qualitätssicherung der Schweizerischen Hochschulen. Betreuer des künstlerischen Nachlasses seines Vaters.

Inhalt

Vorwort

Gegenwart darstellen
Mit wachen Sinnen und Zeichenblock

Ein guter Zuschuss Leichtigkeit
Und reif für die Farbe

Mit Gotthelf gegen Hitler
«Die Geschichten Gotthelfs sind keine Idyllen»

Aufbruch, endlich!
«Ich wollte weg von der ländlichen Welt, hin zur technischen Gegenwart»

Bern, Brunngasse 60
«Dass ig dr Gring ha vo mene Bärner»

Werner Wüthrich
Das Neue in Sichtweite
Ein Essay über Emil Zbinden und seine Zeit

Vorwort

Zu Fuss, mit dem Fahrrad und der Bahn unterwegs, hat Emil Zbinden stets gezeichnet. Mit Bleistift, Kreide und Kugelschreiber oder Feder hielt er flüchtige Momente fest, ein Gesicht, eine Haltung, aber auch eine schöne Landschaft oder Stimmung. So sind seit seinen Lehrlingsjahren, 1925–1928, bis zu seinem Tod 1991 Tausende von Skizzen und Zeichnungen entstanden, die meisten in Skizzenbüchern. Er lernte, genau zu beobachten und das Wesentliche mit beispielloser Präzision festzuhalten. Oft genügten hierzu nur wenige Striche. Viele seiner Skizzen und Zeichnungen dienten später als Basis für Holzstiche oder grössere Zeichnungen und Tempera. Das vorliegende Buch enthält eine alle Schaffensphasen überspannende Auswahl aus diesem reichen Fundus, der bis heute noch kaum erschlossen worden ist.

Entstanden ist ein Werkstattbuch, welches mit Text und Bild vor allem den Weg des Künstlers zu seinen Werken dokumentiert. Endstadien in der Form von Holzstichen, grösseren Zeichnungen, Tempera oder Aquarellen stehen nicht im Mittelpunkt. Einen Querschnitt durch diese Werke und eine kunsthistorische Einordnung bietet der Ausstellungskatalog zur Retrospektive 2008 im Kunstmuseum in Bern. Allerdings mag auch manche hier gezeigte, kleine Zeichnung oder Skizze bereits als fertiges Bild gelten.

Autobiografische Notizen und Interviews zeigen die Vielfalt von Themen, mit welchen sich Emil Zbinden beschäftigte, und vermitteln den Kontext, in dem die Werke entstanden sind. So äusserte sich Zbinden zu seiner Entwicklung und Herkunft ebenso dezidiert wie zu seiner Zeit, seinen Themen und zur Entstehung seiner Werke. Als kritischer, nachdenklicher und unabhängiger Zeitgenosse nahm er teils schriftlich, teils in Gesprächen Stellung zu seinen künstlerischen Schwierigkeiten und zu den grossen gesellschaftlichen Fragen, die ihn bewegten.

Der erste Teil des Werkstattbuches ist, im Wissen um die fliessenden Übergänge der Bildthemen und Schwerpunkte des Werkes, in fünf Kapitel eingeteilt, welche unterschiedliche Lebensund Schaffensphasen von Emil Zbinden repräsentieren. Die den Kapiteln zugeordneten Bildteile enthalten Gruppen von Bildern, die jeweils in sich eine Einheit bilden. Die Abfolge dieser Bildgruppen über den ganzen ersten Teil des Buches gibt einen Einblick in die zeichnerische Entwicklung des Künstlers bis hin zu den in der Strichführung extrem reduzierten Zeichnungen des Spätwerks. Im dritten Kapitel, welches sich auf die Zeit der Auseinandersetzung mit Gotthelf konzentriert, sind in der Marginalienspalte Skizzen platziert. Die meisten stammen aus den frühen Fünfzigerjahren und sind beim Lesen der Texte von Jeremias Gotthelf aus Zbindes Vorstellung entstanden.

Im zweiten Teil des Buches stellt der Essay von Werner Wüthrich die Texte des ersten Teiles in einen grösseren, kulturpolitischen Zusammenhang.

Heute, fast zwanzig Jahre nach seinem Tod, erkennen wir deutlich die Haltung eines Künstlers, dem die Eigenständigkeit und kritische Distanz stets mehr bedeuteten als die vorübergehende Anwesenheit auf dem Marktplatz der Kunst. Emil Zbinden ist es gelungen, zwischen den Fronten der Ideologien und den grossen Auseinandersetzungen des 20. Jahrhunderts ein eigenständiges, unabhängiges und über seine Zeit hinausweisendes Werk zu schaffen. Ein noch immer anregendes Werk, das diese Zeiten überdauern wird.

Karl Zbinden-Bärtschi und Werner Wüthrich

Pressestimmen / Rezensionen

Der Bund, 17. Dezember 2008
Der kleine Bund, 13. Dezember 2008
Schweizer Monatshefte, Nr. 970, Juli 2009

«Der Band vermittelt Zugang zum ganzen, staunenswerten Oeuvre des Berner Künstlers. Ein wunderbar gestaltetes Buch über einen grossen Künstler, der sich ohne qualitative Kompromisse in den Dienst der Aufklärung stellte.» Der Bund

Der Band des Limmat Verlags gibt in gewohnt sorgfältiger Manier einen Einblick in Zbindens Werkstatt, dokumentiert seine Lebensumstände und Arbeitsbedingungen – eine Künstlermonographie vom Feinsten: reich an unbekanntem Material aus dem Nachlass, Facetten seiner Persönlichkeit und seiner künstlerischen Arbeit ausleuchtend.» Schweizer Monatshefte

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