Hoffen auf Aufklärung
Walter Hauser

Hoffen auf Aufklärung

Ungelöste Morde in der Schweiz zwischen Verfolgung und Verjährung

144 Seiten, gebunden, 28 Fotos s/w
September 2018
SFr. 29.50, 32.– € / eBook sFr. 26.–
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978-3-85791-862-9

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Schlagworte

Politik Sachbuch Justiz
     
Ein Plädoyer gegen die Verjährung von Mord

Der Kristallhöhlenmord von Oberriet SG, bei dem zwei Mädchen auf einer Velotour verschwanden, die Entführung von Rebecca Bieri in Gettnau LU und der Fünffachmord von Seewen SO sind nicht nur ungelöst, sondern auch verjährt und können nicht mehr verfolgt werden. Walter Hauser recherchierte diese und weitere Morde vor Ort, sprach mit Zeugen, Angehörigen und Tatverdächtigen. Seine Schlussfolgerung lautet: Die in der Schweiz geltende Verjährungsfrist bei Mord von dreissig Jahren ist ungerecht und stossend. Während die Täter sich sicher fühlen können und nicht mehr fürchten müssen, zur Rechenschaft gezogen zu werden, leiden die Betroffenen weiter – bis an ihr Lebensende. Ziel der Ermittlungen viele Jahre nach dem Verbrechen kann nicht Bestrafung und Vergeltung sein, sondern Aufklärung und Wahrheitsfindung.

Walter Hauser
© Sabine Wunderlin

Walter Hauser

Walter Hauser, geboren 1957, aufgewachsen im Kanton Glarus. Dr. iur., Ex-Kantonsrichter, langjähriger Redaktor u. a. bei der «Sonntagszeitung» und beim «Sonntagsblick». Hauser ist Gründer und Präsident der Anna-Göldi-Stiftung, die sich gegen Justiz- und Behördenwillkür engagiert.

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Inhalt

7 Damit die Opfer nicht vergessen gehen – Die Verjährung bei Mord abschaffen?

17 Der Kristallhöhlenmord von Oberriet: Ein Ort kommt nicht zur Ruhe

39 Fünffachmord in Seewen

48 Mordfall Lenzlinger: Der Tod des Fluchthelfers und Milieukönigs

52 Mordfall Rünzi: Die Tote vom Rumensee

61 Der Fall Belshaw: Die Tote im Kehrichtsack

77 Erdrosselt in Winterthur: Mord über Mittag

86 Der Kehrsatzer Mordprozess nach dem Vorbild des Riedel-Guala-Prozesses

101 Braunwald: Steinschlag oder Schlag mit einem Stein?

108 Polizeiüberfall am Opfikerkreisel?

117 Bucheggplatzmord: Der unsichtbare Todesschütze

121 Ylenia im Jahr 2007 und die Gewalt an Kindern in den «dunklen» achtziger Jahren

133 Mord im Heidiland

Damit die Opfer nicht vergessen gehen – Die Verjährung bei Mord abschaffen?

 

Gebannt sass ich vor dem Fernseher und verfolgte den Beitrag der Sendung «Aktenzeichen XY ungelöst» von Eduard Zimmermann zum Kristallhöhlenmord in Oberriet SG. Das Verbrechen geschah 1982, als ich Rechtswissenschaft studierte und als Freizeitjournalist über Kriminalfälle berichtete. Das Schicksal der bei den Mädchen, die damals während einer Velotour verschwanden und in Felslöchern tot aufgefunden wurden, wühlte mich auf. Ebenso der Fall der achtjährigen Rebecca Bieri, die in der luzernischen Tausend-Seelen-Gemeinde Gettnau entführt und ein halbes Jahr später in Niederbipp BE tot aufgefunden wurde.

Heute, 36 Jahre später, beschäftigen mich die Fälle aus meiner Studentenzeit in den siebziger und achtziger Jahren nach wie vor und lösen Betroffenheit aus. Denn sie sind mit schweren Schicksalen verbunden und bis heute ungeklärt. Umso mehr interessiert mich die Frage, wie die betroffenen Personen vor Ort mit der Last der ungeklärten Taten umgehen. Ich erkundete die Tatorte, bei der Kristallhöhle am Fuss des Alpsteingebietes, auf der Jurahochebene oberhalb Seewen SO, wo fünf Menschen in einem Wochenendhäuschen durch acht Schüsse aus nächster Nähe starben, und am Entführungsort von Rebecca Bieri auf dem Kühberg in Gettnau LU, sprach mit Angehörigen der Opfer, mit Zeitzeugen und mit Tatverdächtigen. Was bedeutet es für sie, wenn ein Mordfall nach so vielen Jahren ungelöst und verjährt ist? Einzelne im Buch dargestellte Kapitalverbrechen sind auch jüngeren Datums, so etwa der Rätseltod von Ylenia im Jahr 2007 oder der Zoomord von Bad Ragaz im Jahr 2012 (im Buch mit «Mord im Heidiland» betitelt), ein Fall voller Irrungen und Wirrungen. Doch die meisten der im Buch dargestellten Morde sind nicht nur ungelöst, sondern auch verjährt und können strafrechtlich nicht mehr verfolgt werden, bleiben somit für immer ungeklärt.

In der Schweiz tritt die Verjährung bei Mord nach dreissig Jahren, bei vorsätzlicher Tötung schon nach fünfzehn Jahren ein. Selbst wenn sich noch interessante neue Erkenntnisse ergeben, sind strafprozessuale Zwangsmassnahmen wie Verhaftung oder Hausdurchsuchung nicht mehr möglich, können Personen gegen ihren Willen nicht mehr befragt werden. Mögliche Beweismittel wie die Kleidungsstücke der Opfer werden für immer beseitigt.

Die Frage kommt immer wieder aufs politische Tapet: Soll die Verfolgbarkeit eines Tötungsdeliktes befristet werden? Des schwersten aller Verbrechen? Ist die heutige Verjährungsregelung bei Mord sinnvoll? Braucht es sie überhaupt? Nachdem schon frühere Anläufe für Gesetzesänderungen gescheitert waren, sprach sich der Nationalrat klar für die Beibehaltung der heutigen Verjährungsregelung aus. In einer Motion vom März 2016 hatte der Zürcher SVP-Nationalrat Alfred Heer (57) ihre Aufhebung gefordert. Der Vorstoss wurde auf Antrag des Bundesrates abgelehnt.

Zwei Gründe führen die Verfechter der Verjährung ins Feld. Erstens lässt sich eine Tat mit der Zeit immer schwieriger nachweisen, und die Gefahr von Fehlurteilen wächst. Zweitens: Ausgehend vom christlichen Ideal des Verzeihens und Versöhnens nimmt der Gesetzgeber an, dass das  Vergeltungsbedürfnis der Direktbetroffenen mit der Zeit in den Hintergrund rückt und dem Strafanspruch des Staates zeitliche Grenzen setzt. Konkret heisst dies: Die Zeit heilt Wunden, und selbst über schlimme Ereignisse wächst Gras. Trotzdem nimmt die Kritik an der Verjährung zu. Auch gemässigte Politiker und Experten stellen die Regelung in Frage, einzelne von ihnen gehen mit der Verjährung scharf ins Gericht, so auch der Basler Bundesverwaltungsrichter Philippe Weissenberger (53). Wie der Jurist aus den Reihen der Sozialdemokratischen Partei (SP) in der «Weltwoche» vom 15. März 2018 schreibt, nimmt der Gesetzgeber zu Unrecht an, dass die Gesellschaft die Tat nach so vielen Jahren verarbeitet habe. Gewaltdelikte könnten die Gesellschaft weit länger er schüttern. Weissenberger prophezeit zudem, dass es wegen der neuen kriminaltechnischen Fertigkeiten und Möglichkeiten immer wahrscheinlicher wird, dass Mordfälle noch Jahrzehnte nach der Tat aufgeklärt werden könnten.

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Wann Was Wo
21. Sept. 18
19:30 Uhr
Hoffen auf Aufklärung
Buchvernissage mit Walter Hauser
Anna Göldi Museum
8755 Ennenda
25. Sept. 18
19:30 Uhr
Hoffen auf Aufklärung
Vortrags- und Diskussionsabend mit Walter Hauser
Schloss Rapperswil, kleiner Rittersaal
8640 Rapperswil
27. Sept. 18
20:00 Uhr
Hoffen auf Aufklärung
Buchpräsentation mit Walter Hauser
Kulturhalle St. Margrethen
9430 St. Margrethen
01. Okt. 18
19:30 Uhr
Hoffen auf Aufklärung
Buchvernissage mit Walter Hauser
Buchhandlung im Volkshaus, Blauer Saal
8004 Zürich
25. Okt. 18
20:00 Uhr
Hoffen auf Aufklärung
Vortrag und Diskussion ungelöster Glarnermorde mit Walter Hauser
Hotel Glarnerhof
8750 Glarus
05. Nov. 18
20:00 Uhr
Burgdorfer Krimitage 2018: Hoffen auf Aufklärung
Lesung mit Walter Hauser
Alpina
3400 Burgdorf
16. Nov. 18
20:00 Uhr
Hoffen auf Aufklärung
Lesung mit Walter Hauser
Hotel Sonne
9450 Altstätten
 
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