50 Jahre Frauenstimmrecht
Isabel Rohner (Hg.), Irène Schäppi (Hg.)

50 Jahre Frauenstimmrecht

25 Frauen über Demokratie, Macht und Gleichberechtigung

gebunden, 256 Seiten, 25 Fotos und 11 Abbildungen
November 2020
SFr. 34.–, 34.– €
sofort lieferbar
978-3-85791-891-9

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«Natürlich nenne ich mich Feministin. Ich bin eine.»

Am 7. Februar 1971 stimmten die Schweizer Männer nach mehreren gescheiterten Plebisziten endlich mehrheitlich für das allgemeine Stimm- und Wahlrecht für Frauen. 50 Jahre danach ziehen 25 Frauen Bilanz und schauen zurück und nach vorne. Der Durchbruch kam spät – viel später als in den Nachbarländern –, doch der Kampf hatte auch in der Schweiz eine lange Geschichte. Warum dauerte es fast 100 Jahre bis zur politischen Gleichberechtigung? Welche Rolle spielt das Stimmrecht heute für Frauen? Wählen Frauen anders? Wie steht es um die Gleichberechtigung von Männern und Frauen in Politik, Wirtschaft, Kultur und Öffentlichkeit heute? Was wurde erreicht, wo gibt es Handlungsbedarf? «50 Jahre Frauenstimmrecht» versammelt Texte und Interviews von und mit bekannten Schweizer Frauen aller politischer Couleur und jeden Alters, die sich aus ihren ganz unterschiedlichen Perspektiven mit den Themen Wahlrecht, Demokratie und Gleichberechtigung befassen. Es geht um die Geschichte und Gegenwart, aber vor allem um die Zukunft der Gleichberechtigung – denn es gibt noch immer zu tun!

Mit Porträts, Gesprächen und Beiträgen von Viola Amherd, Kathrin Bertschy, Margrith Bigler-Eggenberger, Adrienne Corboud Fumagalli, Fanni Fetzer, Fina Girard, Serpentina Hagner, Gardi Hutter, Cloé Jans, Anne-Sophie Keller, Bea Knecht, Elisabeth Kopp, Zita Küng, Lea Lu, Andrea Maihofer, Samira Marti, Christa Rigozzi, Ellen Ringier, Isabel Rohner, Irène Schäppi, Christine Schraner Burgener, Regula Stämpfli, Katja Stauber, Petra Volpe und Nathalie Wappler.

Isabel Rohner
© Christian Kruppa

Isabel Rohner

Die Publizistin Dr. Isabel Rohner, geb. 1979 in St. Gallen, ist die Biografin der feministischen Pionierin Hedwig Dohm (1831–1919) und Mitherausgeberin der Edition Hedwig Dohm. In Deutschland hat Isabel Rohner 2017 das Buch zum dortigen Wahlrechtsjubiläum «100 Jahre Frauenwahlrecht. Ziel erreicht! … und weiter?» konzipiert und herausgegeben. Dass das Jubiläum in Deutschland eine so grosse Sichtbarkeit hatte, geht massgeblich auch auf Rohners Engagement zurück. Als Expertin und Vortragende ist die Schweizerin im ganzen deutschsprachigen Raum unterwegs.

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Irène Schäppi
© Xandra M. Linsin

Irène Schäppi

Irène Schäppi, geboren 1978 in St. Gallen, hat an der Universität Zürich Germanistik und Publizistik studiert. Seit 2009 leitet sie das Beautyressort von «20 Minuten Friday» und gehört damit zu den wichtigsten Vertreterinnen des Schweizer Lifestylejournalismus. Ihr Anliegen ist, junge Frauen für feministische Themen zu begeistern und die Debatten aus rein akademischen Kreisen herauszuholen.

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50 Jahre Frauenstimmrecht = 50 Jahre Demokratie!
Vorwort von Dr. Isabel Rohner und Irène Schäppi

Lea Lu
We Have A Voice

Andrea Maihofer
Die Geschichte des Frauenstimmrechts – Verdrängtes Unrecht?

Elisabeth Kopp
Ganz oder gar nicht – ein bisschen gleich berechtigt sein geht nicht

Fina Girard
Warum es Sinn macht, schon mit 16 zu wählen

Petra Volpe
Die Geschichte der Frauen muss erzählt werden!

Anne-Sophie Keller
Iris von Roten – Wegbereiterin und Hassobjekt

Margrith Bigler-Eggenberger
Justitia ist kein Mann mehr

Gardi Hutter
Weinen ist Natur – Lachen ist Kultur

Viola Amherd
Gleichberechtigung und Frauenstimmrecht sind Grundlagen unserer Demokratie!

Fanni Fetzer
Feminismus geht alle an

Serpentina Hagner
Eine Strassenumfrage 1970

Zita Küng
«Den Männern zuliebe ein frauliches JA»

Adrienne Corboud Fumagalli
50 ans de suffrage féminin – Regard croisé mère-fille sur les femmes et la carrière en Suisse

Bea Knecht
Manifest für erfolgreiche Frauen in Unternehmen

Christa Rigozzi
Der Kampf gegen Klischees

Kathrin Bertschy
Helvetias überparteilicher Ruf und sein Echo

Cloé Jans
Wie nehmen Frauen ihr aktives und passives Wahlrecht wahr?

Regula Stämpfli
«Worldly» statt «Selfie»: Entwurf für eine digitale (Frauen-)Demokratie

Nathalie Wappler
Bei Führung geht es mehr um Menschen als um Macht

Katja Stauber
30 Jahre Medienalltag – und sie bewegt sich doch!

Samira Marti
Mit Gegenständen werfen hilft

Christine Schraner Burgener
Frauenrechte international und die Rolle der Diplomatie

Ellen Ringier
Frauen müssen sichtbarer werden!

Isabel Rohner
Von Demokratie und Ravioli oder Warum die Appenzellerinnen dann doch irgendwann wählen durften

Irène Schäppi
Shame on you!

Namensregister

50 Jahre Frauenstimmrecht = 50 Jahre Demokratie!

Vorwort von Dr. Isabel Rohner und Irène Schäppi

2021 feiert die Schweiz 50 Jahre Frauenstimmrecht. Das bedeutet 50 Jahre Demokratie! Man kann schliesslich nicht von einer wirklichen Demokratie sprechen, wenn die Hälfte der Bevölkerung nicht wählen darf. Und genau das war in der Schweiz der Fall – obwohl das Land so stolz ist auf seine direkte Demokratie, die in keinem anderen Land der Welt auf nationaler Ebene so weit geht wie hier und die in Form der Landsgemeinden bereits im Mittelalter ihren Anfang nahm. Aber sie galt nur für die Männer, und diese verwehrten bis 1971 ihren Müttern, Schwestern, Ehefrauen und Töchtern die politische Mitsprache.

Die Demokratie in der Schweiz, in der Männer und Frauen über das aktive und passive Wahlrecht verfügen, ist also noch sehr jung. Auch im internationalen Vergleich: Im US-Bundesstaat Wyoming wa-ren die Frauen bereits 1870 wahlberechtigt, Neuseeland führte das Frauenwahlrecht 1893 ein und Finnland als erstes europäisches Land 1906. Deutschland und Österreich konnten 2018 das 100. Jubiläum des Frauenwahlrechts feiern. Auch Länder wie Sri Lanka (1931), Brasilien (1932), die Türkei (1934), Kuba (1934) und die Philippinen (1937), Usbekistan (1938) oder Syrien (1953) waren der Schweiz Jahrzehnte voraus.

Diese Sonderrolle der Schweiz wird rund um das 50. Jubiläum des Frauenstimmrechts besonders deutlich, denn im Gegensatz zu den meisten anderen Ländern hat ein grosser Teil der heute lebenden Schweizerinnen die Einführung des Frauenstimmrechts noch selber erlebt, hat vielleicht auch selber dafür gekämpft. Die jüngeren Schweizerinnen wiederum können ihre Mütter oder Tanten nach ihren Erfahrungen und Erinnerungen fragen, die jüngsten ihre Grossmütter. Und die Frauen in der Schweiz können ihre Väter oder Grossväter, ihre Onkel, vielleicht auch noch ihre Brüder darauf ansprechen, wie sie 1971 abgestimmt haben. Denn das Frauenstimmrecht wurde damals nur mit einer Zweidrittelmehrheit angenommen: Ein Drittel der Männer, die damals zur Wahl gegangen sind, haben auch noch 1971 mit Nein gestimmt. Auch in unserer Verwandtschaft gehören einige dazu.10Warum ist das 50. Jubiläum des Frauenstimmrechts in der Schweiz so wichtig?

  • 50 Jahre Frauenstimmrecht sind ein Anlass, uns vor Augen zu führen, dass demokratische Rechte nichts Selbstverständliches sind.

  • 50 Jahre Frauenstimmrecht sind ein Anlass, uns mit unserer Geschichte zu befassen: Obwohl das Frauenstimmrecht in der Schweiz erst 50 Jahre alt ist, ist seine Geschichte erschreckend unbekannt. Oder wussten Sie, dass die Genferin Marie Goegg-Pouchoulin das Frauenstimmrecht bereits 1868 öffentlich gefordert hat? Dass zahlreiche Frauen über Jahrzehnte dafür gekämpft haben, die Einführung selber jedoch nicht mehr erlebt haben? Dass 1971 unter den ersten elf Nationalrätinnen mit Tilo Frey auch die erste schwarze Frau in den Nationalrat gewählt wurde? Dass die letzte Einführung eines kantonalen Frauenstimmrechts gerade mal 30 Jahre zurückliegt und via Bundesgericht erstritten werden musste?

  • 50 Jahre Frauenstimmrecht sind ein Anlass, genauer hinzusehen und zu fragen, wie es um die Gleichberechtigung von Männern und Frauen in allen Bereichen unseres Lebens steht – und was Frauenrechte für uns persönlich bedeuten.

  • 50 Jahre Frauenstimmrecht sind ein Anlass, darüber zu sprechen, wie unsere Gesellschaft zukünftig aussehen soll und Handlungsbedarf zu benennen.

  • 50 Jahre Frauenstimmrecht sind der Anlass für dieses Buch.


Wir – die Literatur- und Kulturwissenschaftlerin Isabel Rohner und die Journalistin Irène Schäppi – haben bekannte und einflussreiche Frauen aus Politik, Wirtschaft, Wissenschaft, Kunst, Kultur und Öffentlichkeit gefragt, ob sie einen Beitrag für diesen Sammelband schreiben und sich – aus ihrer jeweiligen, ganz unterschiedlichen Perspektive – mit dem Frauenstimmrecht, mit der Geschichte unserer Demokratie, mit Gleichberechtigung und Machtverteilung auseinandersetzen möchten. Mit einigen Frauen haben wir uns auch zu Interviews getroffen.

So unterschiedlich die Persönlichkeiten, Interessen und Hintergründe der 25 Autorinnen und Gesprächspartnerinnen sind, so unter-schiedlich sind auch die Schwerpunktsetzungen der Beiträge: Einige Texte nehmen Meilensteine unserer Geschichte in den Blick, andere legen ihren Fokus auf die gegenwärtige und zukünftige Situation von Frauen in Unternehmen, in der Politik oder in der Öffentlichkeit, zeigen konkreten Handlungsbedarf und geben alltagspraktische Tipps im Umgang mit Vorurteilen und Geschlechterklischees. Sie zeigen, wie wichtig und machtvoll Kooperationen über Parteigrenzen und Branchen hinweg sind, aktuell erneut bewiesen durch «Helvetia ruft!» und «CH2021». Einige Beiträge führen vor Augen, was sich in den letzten Jahren und Jahrzehnten alles getan hat – und wie viel es immer noch zu tun gibt. Darüber hinaus – auch auf diese Vielfalt sind wir stolz! – enthält das Buch einen Comic und ein eigens für das 50. Frauenstimmrechts-Jubiläum geschriebenes und komponiertes Lied.

Die jüngste der 25 Beiträgerinnen ist zum Zeitpunkt der Drucklegung 18 Jahre alt, die älteste 87. Doch eigentlich sind es noch zwei Frauen mehr: Der Text von Adrienne Corboud Fumagalli ist nämlich ein Dialog mit ihrer Tochter Clelia Fumagalli – und für das Cover unseres Buches hat sich die erst 16-jährige Illustratorin Jelscha Ganter mit der Figur der Helvetia auseinandergesetzt. Allen Beiträgerinnen unseren herzlichsten Dank für ihr Engagement, ihre Zeit, ihre Kreativität, ihre Ideen und Gedanken!

Gemeinsam machen wir deutlich, dass Frauenrechte alle angehen – unabhängig vom Alter, von der Ausbildung, von der Lebenssituation oder der politischen Ausrichtung.
Gemeinsam wollen wir die Leserinnen und Leser inspirieren, sich weiter für Gleichberechtigung und Frauenrechte einzusetzen. Und wir wollen gemeinsam für unsere junge Demokratie begeistern, denn diese ist nur so stark wie die Bürgerinnen und Bürger, die sich für sie engagieren.

annabelle, 20. November 2020 (Vorabdruck)


 

 

 

Wann Was Wo
03. Dez. 20
19:30 Uhr
50 Jahre Frauenstimmrecht
Buchpräsentation
Zentral- und Hochschulbibliothek Luzern
6002 Luzern
05. Febr. 21
18:30 Uhr
50 Jahre Frauenstimmrecht
Vortrag und Diskussion mit Isabel Rohner
Herrenkeller
6003 Luzern
 
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