Gynt
Peter Höner

Gynt

Roman

288 Seiten, gebunden mit Schutzumschlag
Februar 2011
SFr. 38.–, 38.– €
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978-3-85791-623-6

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Schlagworte

Theater Literatur
     

Die Schauspielerin Johanna Hatt in Wien sinniert über ihre Rolle als Geliebte Solveig im «Peer Gynt» am Burgtheater, während sie auf ihren Freund Daniel Tauber wartet. Dieser ist auf der Anfahrt aus der Schweiz, wo er seinerseits mit Jugendlichen den «Peer Gynt» inszeniert. Dort geraten Schüler, eine Lehrerin, deren Vater und weitere Beteiligte in den Sog des Theaters und des Stücks.

Wie in Peer Gynts berühmtem Bild von der Zwiebel nähert sich Peter Höners Roman Schale um Schale dem Zentrum. Und je tiefer er eindringt, umso drängender werden die Fragen, wird das Theater zur Welt und die Welt zum Theater, wo sich jugendliche Hoffnungen und gescheiterte Utopien, Flucht in Gewissheiten und Altersrebellion treffen. Und ewig jung bleibt die Frage Peer Gynts: «Wer bin ich?» – Oder zählt am Ende doch nur die Liebe?

«Gynt» ist ein wunderbar kenntnisreicher und subtiler Roman über das Theaterspielen und zugleich ein Zustandsbericht über drei Generationen der heutigen Gesellschaft.

«Schön und stark ist dein Buch. Chapeau!» Klaus Merz

Peter Höner
© Anne Buergisser

Peter Höner

Peter Höner, geboren 1947 in Eupen, ­aufgewachsen in Belgien und der Schweiz, Schauspielstudium in Hamburg und Schauspieler u. a. in Basel, Bremen und ­Berlin. Seit 1981 freischaffender Schriftsteller, Schauspieler und Regisseur, 1986–1990 ­Afrikaaufenthalt. Autor von Theaterstücken, Hörspielen und Büchern.

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«Das Leben hast du ...

«Du hast mir das Leben zu einem schönen Lied gemacht.»

Johanna schüttelte den Kopf und schloss de Augen. Sie murmelte einzelne Worte, vertauschte sie, drehte sie im Mund herum, setzte sie wieder zu einem ganzen z zusammen und stockte erneut. Der genaue Wortlaut war anders, der Rhythmus sperriger. So kam ihr der Satz viel zu flüssig über die Lippen. Solveig kaute werer dran. Johanna schob Taubers «Grüsse aus Venedig», mit denen sie den Text verdeckte, etwas tiefer und las die Zeile noch einmal.

«Das Leben hast du mir zu einem schönen Lied gemacht.»

Sie nickte. Das Leben zu einem Lied gemacht. Die Verschiebung der Betonung leuchtete ein und half doch nicht weiter.

Da wurde eine um ihr Leben betrogen und bedankte sich bei dem Mann, der sie verraten hatte. Es war ernst gemeint. Kein Zynismus, keine Bosheit. In einer etwas älteren Übersetzung war sogar von einem seligen Lied die Rede.

«Durch dich ward mein Leben ein selig Lied.»

Wäreder Satz von einem heutigen Autor, würde sie sich den Spass leisten, diesen um den Vortrag der ersten drei Strophen zu bitten. Behauptungen verärgerten sie, besonders wenn sie so wohlklingend daher kamen. Das «schöne Lied» als Quintessenz von wahrer Liebe, Reinheit und Tugend.

Johanna schaute auf die Uhr. Kurz vor Mitternacht. Sie stand auf und ging ans Fenster.

Wenn Tauber um 17 Uhr losgefahren wäre, dann könnte er kurz nach ein Uhr in Wien sein. Acht Stunden brauchte er auf jeden Fall, auch bei optimalen Bedingungen: trockene Strassen, wenig Verkehr, kein Stau, keine Baustellen. Zürich, München,Salzburg, Wien. Irgendwo war immer etwas los. Wenn er überhaupt

um fünf Uhr losgefahren war, und nicht erst um acht. Dann würde es drei Uhr in der Früh. Solange konnte sie nicht warten, das hatte sie ihm gesagt. Sie musste früh raus.

Wenn er doch nur ein paar Tage eher gekommen wäre. Bis Ende Februar hätte sie Zeit gehabt. Aber nun begannen die Proben zu «Peer Gynt», und nach den Proben war sie müde und brauchte Ruhe. Taubers Besuch kam ihr ungelegen. Trotzdem freute sie sich.

Sie öffnete das Fenster und schaute auf die Strasse hinunter. Immerhin entdeckte sie einen freien Parkplatz. Es war kälter geworden. In den Nachrichten hatten sie von einem Wetterumschlag gesprochen, von einem späten Wintersturm. Konnte der nicht noch ein paar Stunden warten?

Die Strassenbeleuchtung schaukelte leicht, manchmal trieb ein Windstoss ein paar Regentropfen durch die Lichtkegel, und auf der gegenüberliegenden Strassenseite, vor den Schaufenstern der Apotheke, bekam das Pflaster einen schmutzigen Glanz. In den Baumkronen rauschte der Wind, an der Dachtraufe schabte ein Zweig. Besonders bedrohlich schien ihr das alles nicht zu sein.

Sie schloss das Fenster und zog die Vorhänge zu.
Glarean Magazin, 16. April 2011
Neue Zürcher Zeitung, 30. April 2011
EKZ:Bibliotheksservice, April 2011
Südkurier, 28. Juni 2011
St. Galler Tagblatt, 6. Juli 2011
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 12. Juli 2011
Redaktion Blattwerk, 19. Januar 2013
orte, 30. Oktober 2013

«Schön und stark ist dein Buch. Chapeau!» Klaus Merz

«Peter Höner greift in seinem Roman auf einen Fundus an Erfahrungen im Theaterbereich zurück. In vielen scharf beobachteten Einzelheiten spärt man jedes selbstverständliche Wissen, das sich über Jahre hinweg angesammelt hat und Aussenstehenden Einblicke vermittelt. Knochenharte -arbeit am Text an der Rolle führt Peter Höners Roman vor, auch wenn hier jugendliche Laiendarsteller agieren. Besonders fesselt an diesem kenntnisreichen Text die kompositorische Anlage. Obwohl sich zehn Personen dem Geschehen zuwenden, obwohl der Autor mit diesem Verfahren gleichsam Schicht um Schicht der Handlung blosslegt, erschöpft sich diese dennoch nicht in ihrem Potenzial. Denn anders als in Ibsens berühmten Gleichnis, in dem Peer Gynt eine Zwiebel häutet und am Ende nichts vorfindet, entdeckt sich hier ein Kern, ein geheimnisvoller Innenraum, der sich trotz aller Reflexion nie völlig erhellen wird. In Höhners Roman gerät das Spiel der Jugendlichen nicht bloss zur kühlen Reproduktion von Szenen und Figuren eines Werks aus dem 19.Jahrhundert, sondern zur Auseinandersetzung mit eigenen Bildern, Problemen, Emotionen.» Neue Zürcher Zeitung

«Was hat Peter Höner mit ‹Gynt› geschrieben? Einen Theaterroman. Einen Liebesroman und eine faszinierende psychologische Studie. Einen Generationenroman – und ein sehr lesenswertes Buch.» Glarean Magazin

«Authentisch umgesetzt sind die vielen Erzählstimmen. Gut lesbar, anregend, unterfüttert mit viel Theaterwissen.» EKZ

«Theatermann Höner schöpft aus dem vollen. In die Rollen von Alten und Jungen fühlt er sich quasi als Schauspieler geschmeidig ein. Vor allem die Hochs und Tiefs im Seelenklima junger Menschen gestaltet der 64-Jährige atemberaubend intensiv – Komik und Tragik lebens- und theatergemäss dicht ineinander verschränkend.» St. Galler Tagblatt

«Differenzierte Vielfalt, endloses Gedankenfutter, grossartige Unterhaltung – ein wunderbarer Roman!» orte
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