Hotel Herzschlag
Anne Cuneo

Hotel Herzschlag

Ein Doping-Fall für Marie Machiavelli

Übersetzt von Erich Liebi

368 Seiten, gebunden mit Schutzumschlag
1. Aufl., Juni 2007
SFr. 36.–, 36.– €
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978-3-85791-537-6

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Schlagworte

Literatur
     

In einem Trainingslager des Stylo-Teams stirbt dessen Kapitän an einem Herzinfarkt. Die Untersuchungsbehörden gehen von einem «natürlichen» Tod aus, eine Abfalltüte mit vielerlei Medikamentenschachteln wird nicht beachtet.
Die Eltern des toten Radfahrers möchten es genau wissen und beauftragen Marie Machiavelli, die Hintergründe zu ermitteln. Sie stösst auf ein Netz von Schweigen, wenn es um Medikamentenmissbrauch geht, der über Leistungssteigerung bis zur Manipulation von Fahrern zur gefügigen ‹Teamintegration› reicht. Ein «Friss-oder-stirb»-Teufelskreis, aus dem keiner ausbrechen kann.
Fünf Jahre lang hat Anne Cuneo im Radsport-Milieu recherchiert und mehrere Rundfahrten aus einem Begleitfahrzeug verfolgt. Fakten und Aussagen der fiktiven Sportler sind authentisch, von realen Fahrern unter dem Siegel der Verschwiegenheit mitgeteilt. Der Roman zeigt, wie Kommerzialisierung und neue Medikamente in eine Sackgasse geführt haben, deren Opfer vor allem die Sportler sind.

Anne Cuneo
© Olivia Heussler

Anne Cuneo

Anne Cuneo (1936–2015), geboren in Paris kurz vor Ausbruch des Zweiten Weltkriegs als Kind italienischer Eltern. Ihre Familie verlässt Frankreich 1940. Kindheit in Norditalien. Nach dem Tod ihres Vaters in den letzten Kriegstagen, lebt sie mehrere Jahre in katholischen Waisenheimen und Internaten in Italien und später in Lausanne in der Schweiz, wo sie die französische Sprache lernen und sich in die neue Umgebung einleben muss. Nach dieser schwierigen Zeit verbringt sie ein Jahr in England, in Plymouth und London, und entdeckt die angelsächsische Kultur. Sehr viel später schöpft sie aus der Erinnerung an diesen wichtigen Lebensabschnitt für ihren Roman «Station Victoria» (1989). Zurück in Lausanne arbeitet sie zunächst als Telefonistin und Sekretärin, studiert anschliessend an der Universität Lausanne Geschichte, Englisch und Italienisch, arbeitet in der Werbung, unterrichtet Sprachen und reist quer durch Europa.

Sie beschäftigte sich mit nahezu allen Möglichkeiten der Literatur, mit Journalismus und Übersetzungen. Ihr Werk, sehr oft autobiographisch, ist geprägt von der Auseinandersetzung mit aktuellen Strömungen. Sie bewunderte Breton, den Surrealismus, die Tradition der grossen amerikanischen Romane, und hat versucht all ihre Vorlieben in ihr Werk einzubringen. Beispiele für ihre ästhetischen Neigungen werden sichtbar in «Gravé au Diamant», «Mortelle  Maladie», «Passage des Panoramas», «Hotel Venus». In «La Vermine» ist sie Fürsprecherin für Menschen, die am Rande leben, und mit ihrer Autobiographie «Portrait der Autorin als gewöhnlicher Frau» führt sie die Welt der Emigranten in die schweizer Literatur ein. Sie schildert den Einbruch einer Krankheit in «Eine Messerspitze Blau», nachdem sie eine schwere Krebserkrankung überwunden hatte. Als Essayistin zeichnete sie die Welt des Theaters und des Films, der sie sich verbunden fühlte: «Le Piano du Pauvre», «La Machine fantaisie», «Le Monde des Forains», «Benno Besson et Hamlet».

Nachdem sie während mehrerer Jahre vor allem für Theaterproduktionen gearbeitet und eigene und fremde Theaterstücke inszeniert und produziert hatte, beschäftigte sie sich später wiederum mit Literatur. Dabei stand ihre Biographie nicht mehr im Mittelpunkt des Schreibens. Sie fügte allerdings hinzu: «Ich empfinde, das, was ich erzähle immer noch als autobiographisch, allerdings vertieft und stärker verarbeitet, möglicherweise auch weniger anekdotisch geschildert.»

Ihre Hauptfiguren, mit denen sie sich zutiefst verbunden fühlte, drücken sich immer in der Ich-Form aus, zum Beispiel Francis Tregian in ihrem letzten Roman «Der Lauf des Flusses». Durch Francis Tregian erleben wir das Europa zu Beginn des 17. Jahrhunderts, die gekrönten Häupter, die Wirren und Kriege, die Künstler und die einfachen Menschen, aber auch die Ursprünge unserer Kultur.

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Erich Liebi

Erich Liebi

1944 im Aargau als Kleinbauernsohn geboren. Berufslehre Gemeindeverwaltung, Gemeindeschreiber. Wechsel in den Journalismus: «Badener Tagblatt», Tagesschau des Schweizer Fernsehens. Freiberufliche Tätigkeiten für Film, Theater, Übersetzungen. Reiseleitung in China. Chefredaktor einer Fachzeitschrift für Kommunikation. Seit 1996 freiberuflicher Autor, Publizist und Übersetzer. Lebt seit dreissig Jahren in Zürich.

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Sehen Sie, das hier ist ein Katheter.

«Sehen Sie, das hier ist ein Katheter. Damit macht man die Infusionen. Dieses Ende hier kommt in die Blutbeutel und dieses hier an eine Nadel in der Vene.» Er nahm meinen Arm und demonstrierte die Operation mit den dafür vorgesehenen Instrumenten. Er hatte auch einen Blutbeutel dabei, allerdings einen leeren. «Damit führen Sie sich in einer halben Stunde eine ganze Blutration zu, das schwör ich Ihnen.»

«Und dabei schaut Ihnen jemand zu und hält den Beutel in die Höhe?»

«Möglich, aber im Allgemeinen gibt es in jedem Hotelzimmer einen Haken oder einen Nagel für ein Bild, an dem man den Beutel aufhängen kann, das heißt, der Arzt tut es natürlich. Er sticht dich und die Sache ist erledigt.»

«Ach, der Arzt macht das?»

«Wissen Sie, es gibt Ärzte und Ärzte. Unser Doktor hier», er wies wieder auf Van Holt, «der unangemeldete Kontrollen durchführte, vor denen sich offenbar alle so sehr fürchteten, dass heute noch darüber geredet wird, und die Burschen, die uns während der Rennen, die ich gefahren bin, betreuten, gehören zwei verschiedenen Gattungen an. Aber wirklich vollkommen verschieden.»

Ich drehte mich zu Van Holt um.

«Und was ist mit dem hippokratischen Eid? Statt die Leute zu heilen, sie zu ... sie zu ... Ich wusste nicht, welches Wort ich verwenden sollte.

«In den Stunden nach dem Rennen besteht für den Fahrer, der Erythropoietin genommen hat, die Gefahr einer Thrombose mit tödlichem Ausgang. Als Arzt weiß man das», sagte Van Holt in einer Art, als wollte er uns die Worte einhämmern.

War das die Erklärung für Savarys Tod?

«Das heißt, dass sich der Arzt, der das sieht, unterlassener Hilfeleistung für Personen in Not schuldig macht.»

Franzen ließ ihm keine Zeit für eine Antwort.

«Sie müssen an die Summen denken, die für die Organisatoren auf dem Spiel stehen. Und außerdem ... wie soll ich Ihnen das erklären? Wir wollen gewinnen. Bis zu einem gewissen Punkt sind die Ärzte verantwortlich. Aber wir ... Wir wissen, dass die anderen solche Dinge tun, und wir tun es auch. Kennen Sie die Anekdote von Coppi und Bartali?»

«Nein.»

«Sie waren die zwei größten Radsport-Champions ihrer Zeit, sie gewannen andauernd, einmal der eine, dann der andere. Am Giro d'Italia 1946 gehörten sie zu einer Fluchtgruppe, als Coppi einen leeren Bidon in den Straßengraben warf. Bartali merkte sich den Ort und ging nach dem Giro den Bidon holen. Er brachte ihn nach Florenz und ließ ihn untersuchen: Spuren von Amphetaminen. Er erzählte es weiter, aber erst, als Coppi schon seit einiger Zeit tot war. Sie sehen also, dass der Zwang, herauszufinden, was die anderen machen, gar nicht so neu ist. Und wenn man es weiß, kann man nicht mehr anders als es auch zu tun.»

«Hat denn Bartali anschließend auch Amphetamine genommen, um es Coppi gleichzutun?»

«Das sagt die Geschichte nicht.»

«Und was machen Sie heute?»
NZZ am Sonntag, 1. Mai 2005
Neue Zürcher Zeitung, 23. Juni 2007
St. Galler Tagblatt, 23. Juni 2007
20 minuten, 3. Juli 2007
Blick, 10. Juli 2007
Velojournal, Nr. 4/2007
Der Bund, 24. Juli 2007
Zürich West, 9. August 2007
Schweizer Illustrierte, 20. August 2007
Work, 24. August 2007
P.S., 13. September 2007
RoadBike, Oktober 2007
Trekkingbike, 31. Oktober 2007

«Spannend liest sich diese Geschichte, die um den Tod eines Radprofis kreist. Aber Anne Cuneo vermittelt mehr: Einblicke in das (Un-)Wesen des Hochleistungssports. (…)
Die Autorin, Filmemacherin und Fernsehjournalistin Anne Cuneo hat für ihren Roman während fünf Jahren im Radsport-Milieu recherchiert und mehrere Touren aus einem Begleitfahrzeug beobachtet. Was daher die Sportgrössen in Marie Machiavellis Ermittlungen unter dem Siegel der Verschwiegenheit aussagen, entspricht realen Statements anonym gebliebener Rennfahrer.
So ist – anstelle einer Dokumentation, die für die angesprochene Problematik auch denkbar gewesen wäre – ein dichter, authentischer Kriminalroman mit überaus lebendigen Dialogen entstanden, der die zerstörerische Allianz zwischen Leistungs- und Medikamentensucht aufzeigt, zwischen Kommerz und persönlichem Ehrgeiz. Man wird mit Fakten konfrontiert, die sonst beschönigt, verschwiegen oder geleugnet werden; man erfährt Einzelheiten zur Wirkung jener Medikamentencocktails, die angeblich der Stärkung und Steigerung dienen, in Wirklichkeit aber ein die Gesundheit und Persönlichkeit zerstörendes Potenzial besitzen; man beginnt zu ahnen, wie rasch ein ambitiöser junger Sportler in Abhängigkeit gerät und zum Objekt der Manipulation wird.» Der Bund

«Wenn Anne Cuneo irgendwo reinstolpert, dann tut sie es gründlich. Zum Beispiel bis sie spürt, was die Fans dazu bringt, am Strassenrand stundenlang auf ein paar Pedaleeure zu warten. Bis sie begreift, was Velorennfahrer dazu  treibt, mit Doping ihr Leben zu gefährden. Bis sie ein Buchschreiben kann, in dem ein junger Radfahrer tot aufgefunden wird – worauf eine Prvatdetektivin in Aktion tritt, die mit einer fast machiavelllistischen Hellschicht ihrem Namensvetter alle Ehre macht.» NZZ am Sonntag

«Für die pulsierende, mit Anekdoten gespickte Schilderung der Tour de Suisse schöpft die Autorin aus dem Vollen: Während der fünfjährigen Recherche-Arbeit im Radsport-Milieu fuhr sie mehrere Rundfahrten im Begleitfahrzeug mit. Genauso lebendig und mit kritisch-humorvollem Blick schildert Cuneo Lausanne und seine Bewohner. Dort ist ihre Detektivin beheimatet, die mit ihren drei letzten Fällen die welsche Leserschaft erobert hat. Aus diesem Grund bekamen die Romands «Hôtel des coeurs brisés» bereits 2004 zu lesen, während es eben erst auf Deutsch erschienen ist. Eine fesselnde, auch informative Lektüre für Radsportfans wie Krimileser.» Neue Zürcher Zeitung

«Anne Cuneo hat fünf Jahre im Radsportmilieu recherchiert und nicht nur einen spannenden Krimi geschrieben, sondern auch ein Aufklärungsbuch.» 20 Minuten

«Sehr gründlich recherchiert, teuflisch gut geschrieben, unheimlich nahe an der Realität und spannend, dass einem das Blut zu gerinnen droht – wie beim Wunderdoping Epo. Bestimmt nicht nur für Velofreaks.» Luzerner Woche

«Cuneo erzählt diese Story anschaulich und zügig. Sie lässt die Topografie Lausannes von Ouchy über das Flon-Quartier bis Vidy ebenso klar hervortreten wie die Figur einer zwielichtigen Genueser Apothekerin, die mit den verbotenen Substanzen einen schwunghaften Handel treibt. Fachlich ist Cuneo auf der Höhe: Sie hat für diesen Roman fünf Jahre recherchiert und ist mehrfach im Begleitwagen an der Tour de Suisse mitgefahren.» Blick

«So ist das Buch nicht nur ein Krimi, sondern auch eine Dokumentation über Doping, Medikamenten- und Sportlermissbrauch. wie nahe Anne Cuneo an der Wirklichkeit dranbleibt, beweisen die laufend neuen Doping-Enthüllungen. Ein spannendes Buch für Fahrrad- und Sportfreunde, das uns auch lehrt, dass wir sportliche Sieges- oder Verlierermeldungen differenzierter wahrnehmen müssen.» Velojournal

«Wie und ob Frau Machiavelli den Fall klärt, sei hier nicht verraten. Nur so viel: Die Geschichte ist spannend erzählt und hat, obwohl Fiktion, sehr starken Realitätsbezug.» work

«Ein Roman, in dem sich Realität und Fiktion zum Thema Doping im Profi-Radsport mischen, ist das neue Buch ‹Hotel Herzschlag› der französischen Autorin Anne Cuneo. Dass Cuneo dafür lange in der Profi-Szene recherchiert hat, merkt man dem spannenden Krimi in jeder Zeile an. Er überzeugt durch Fachwissen und Insider-Informationen.» Roadbike

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