Träume & Traktanden
Moritz Leuenberger

Träume & Traktanden

Reden und Texte

Mit Fotografien von Damaris Betancourt

192 Seiten, gebunden, Fotos
6. Aufl., November 2000
SFr. 28.50, 32.– €
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978-3-85791-348-8

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Sachbuch
     
Ein Amt in unserer Landesregierung bringt allerlei Auftritte mit sich. Moritz Leuenberger nimmt sie gerne als Anlass, über Dinge laut nachzudenken und über sie zu schreiben. Seine vielfältigen Interessen kommen ihm dabei ebenso entgegen, wie ihm seine Belesenheit hilft. Kreativ und geistreich, manchmal auch unorthodox geht er an seine Themen und formuliert eigene Sichtweisen, denen man persönliches Nachdenken und persönliche Erfahrung jenseits des politischen Kalküls anmerkt. Ob er Hugo Loetscher zum Geburtstag gratuliert, beschreibt, wie er Zeitung lesen möchte, oder über Gastwirtschaftskultur nachdenkt, am 1. Mai oder am Beginn des neuen Jahrtausends, beim Zirkus Knie oder bei Adolf Muschgs Pensionierung: Moritz Leuenberger denkt originell und über den politischen Alltag hinaus.

Auf die Reden und Texte von Moritz Leuenberger treffen in diesem Buch die Fotografien von Damaris Betancourt: ein urban geprägter Magistrat und eine junge Fotografin, die in Kuba aufgewachsen ist, werfen ihren Blick auf die Schweiz.

Die Reden wurden gelegentlich gekürzt, wo sie zu sehr der tagespolitischen Aktualität verhaftet und im Detail nicht mehr leicht zugänglich waren. Die ganzen Texte sowie weitere, in diesem Buch nicht publizierte Reden können nachgelesen werden unter www.moritzleuenberger.ch
Moritz Leuenberger
© Urs Bucher (EQ Images)

Moritz Leuenberger

Moritz Leuenberger, geboren 1946. Bundesrat, Vorsteher des Eidgenössischen Departements für Umwelt, Verkehr, Energie und Kommunikation (uvek). 2001 und 2006 Bundespräsident. Rücktritt aus dem Bundesrat am 31. Oktober 2010

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Eine Rede ist ein Gespräch

«… eine geistreiche, persönliche und witzige Rede. Jedermann rätselt, wer sie ihm wohl geschrieben hat …», lautet ein nicht ganz untypischer Zeitungskommentar zu einer der in diesem Buch abgedruckten Reden.

So wie niemand einem Bundesrat zutraut, allein in ein Flugzeug zu steigen, weswegen die Fluggesellschaften weltweit VIP-Services unterhalten, die sich rührend um Kleinkinder und Regierungsmitglieder kümmern, so wenig traut man offenbar einem Bundesrat zu, eine Rede selber zu schreiben. So sei denn die häufige Frage nach dem Ghostwriter beantwortet: Es gibt keinen.

Und dennoch, ich erarbeite meine Reden nicht allein. Ich entwerfe ein Gedankengerüst mit teilweise ausformulierten, teilweise unausgegorenen Passagen, unterbreite diese je nach Thema meinen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern, interessierten Freundinnen und Freunden, welche mir ihre Ideen zurückmelden, mich vor Fettnäpfen bewahren und Neues vorschlagen, was ich dann alles wieder verarbeite, ein Prozess, der sich mehrmals wiederholen kann, bis der Gongschlag für den Auftritt weitere Veränderungen verunmöglicht. Ohne das Fallbeil des Redetermins wären die hier abgedruckten Gedanken alle logischer, vollständiger, missverständnisfreier, aber sie wären wahrscheinlich alle gar nie geäussert worden.

Die Reden sind also entstanden, indem andere mit mir redeten, jedoch nicht nur vor, sondern durchaus auch während des Auftrittes: Manch eingeflochtene Anekdote, beschwichtigende Ergänzung oder zurückweisende Klarstellung ist die Reaktion auf eine lächelnde Aufmunterung, auf ein stirnrunzelndes Kopfschütteln oder einen Zwischenruf aus dem Publikum. Der Vortrag einer Rede lebt von der aktiven Präsenz des Publikums, und er bleibt leblos, wenn dieses apathisch verharrt.

Das Zwiegespräch mit den Zuhörerinnen und Zuhörern stellt sich aber bereits bei der Erarbeitung einer Rede ein: Ich bemühe mich, auf die Grundhaltung des jeweiligen Zuhörerkreises einzugehen, mir mögliche Fragen oder Gegenfragen vorzustellen, sie aufzunehmen, zu diskutieren, zu beantworten, aber auch, sie offen zu lassen, wenn ich selber keine Antwort finde. So ist es mir ein Anliegen, mit dem Publikum zu reden, es nicht zu überreden, denn die Sprache haben wir ja, um miteinander im Gespräch zu sein. Eine Rede ist nicht ein Monolog, sondern ein Dialog. Ich lernte in meiner politischen Arbeit, dass es nie einfache und eindeutige Antworten gibt, dass diese immer nur gefunden werden, wenn zu jeder Behauptung die Gegenfrage gestellt wird, wenn jede These in Zweifel gezogen wird. In einer Rede möchte ich das Publikum an diesem Gedankenprozess beteiligen. Ich versuche damit einer Aufgabe unserer Demokratie nachzukommen, die politische Diskussion zu pflegen. Ich freue mich, dass der Limmat Verlag mir diese Diskussion mit einem grösseren Leserkreis ermöglichen will.

Moritz Leuenberger
Berner Zeitung, 22. November 2000
Neue Zürcher Zeitung, 23. November 2000
Tages-Anzeiger, 24. November 2000
Der Bund, 25. November 2000
20 Minuten, 4. Dezember 2000
Aargauer Zeitung, 3. Januar 2000

«Gewohnt ist man es sich in der Schweiz nicht, dass ein Exekutivmitglied während der Regierungszeit ein eigenhändig geschriebenes Buch veröffentlicht. Solch magistrale (durchaus sympathische) Gesten kennt man eher in den umliegenden Staaten. Der SP-Bundesrat Moritz Leuenberger hat es gewagt, den Schritt in die schriftstellerische Öffentlichkeit zu tun. Wobei: Es ist lediglich ein halber Schritt. Denn was Leuenberger nun in Buchform gebracht hat, erprobte er zuvor bereits am Publikum, nämlich 20 seiner zahlreichen bundesrätlichen Reden. Am Mittwochabend hat er sein Buch ‹Träume und Traktande› im Literaturhaus in Zürich vorgestellt.
Da man Reden, die zu einem bestimmten Zweck und für ein bestimmtes Publikum verfasst wurden, schlecht zweimal halten kann, wie Leuenberger in seiner kurzen Ansprache ausführte, um die er ‹aus Gründen der Tradition› nicht umhin kam, wurde er vom Fernsehmoderator Charles Clerc interviewt. Die Fragen drehten sich rund ums Redenschreiben. Dabei erfuhr man, dass John F. Kennedys berühmte Berliner Rede die erste politische Rede war, die Leuenberger bewusst hörte. Und seine erste Rede hielt Leuenberger als 14-Jähriger vor der Basler Jugendanwaltschaft, als er sich und seine Kollegen wegen eines Lausbubenstreichs verteidigte. Sie wurden ‹freigesprochen›.» Neue Zürcher Zeitung

«Am stärksten geraten ihm jene Interventionen, die Politik und Kultur ironisch miteinander kollidieren lassen. Beziehungsreich vergleicht er im Programmheft des Circus Knie den Zirkus mit dem Bundeshaus und die Elefanten mit den grossen Tieren aus Wirtschaft und Politik. Den Schweizer Förstern gegenüber bekennt er: ‹Vor 15 Jahren engagierte ich mich politisch gegen das Waldsterben und lag damit im Trend. Kaum im Bundesrat, liess ich Hodlers ‹Holzfäller› in meinem Büro an die Wand hängen, und er schockierte nur wenige meiner Besucher.› Die schönste Rede aber ist die erste im Buch: Sie spielt vor Managern der Hochschule St. Gallen virtuos mit den unterschiedlichen Tempi von Wirtschaft und Politik, Musik und Strassenbau, Philosophie und Mayonnaise. Man glaubt ihm, dass er als Ghostwriter seiner selbst fungiert, dass er seine Reden mit dem Team abspricht, sie aber nicht von diesem montieren lässt. Von den sieben im Bundesrat ist er jedenfalls der Einzige, dessen Ansprachen man freiwillig nachlesen würde. Wobei man gelegentlich sogar vergisst, mit welchem Gesicht er sie vorgetragen hat.» Tages-Anzeiger

«Der Magistrat ist ein Künstler.» Der Bund

«Es gibt Bundesräte, deren Wirken sich am besten mit Bildbänden dokumentieren lässt. Es gibt aber auch Magistraten, deren Worte nachträglichen Druck und Lektüre lohnen. Letzteres gilt für jenen Landesvater, der am Mittwoch von der Bundesversammlung zum Bundespräsidenten für 2001 bestellt wird: für Moritz Leuenberger.
Ein smarter Band dokumentiert, dass dem Verkehrs-, Energie- und Umweltminister Ironie erheblich besser liegt als Pathos – egal, ob es sich beim Publikum um die Gesellschaft zu Hugo Loetschers 70., die Eröffnungsgäste der Mustermesse Basel oder die Gemeinde im Berner Münster zu Neujahr handelt.» 20 Minuten

«Einfach ein bundesrätlicher Vielredner, der seine rhetorischen Ergüsse nun schon für verewigungswürdig hält? Ohne Zweifel nicht. Moritz Leuenberger ist ja nicht als besonders eitler und mediensüchtiger Spitzenpolitiker bekannt. Vor allem aber hat der SP-Bundesrat seine Reden sorgfältig (und selber) abgefasst - immer im Hinblick auf das Publikum, dem er etwas mitteilen und das er wohl auch überzeugen wollte. Mit dem grossen Säbel tritt Leuenberger nie an, vielmehr mit feinem Florett. Brandreden sind Leuenbergers Sache nicht; seine ‹Waffen› sind die klare Argumentation (mitsamt Pro und Kontra), der diskrete Appell an Anstand und Vernunft, die Absage an kurzsichtigen Egoismus.
Weiteres Merkmal des durchaus eigenwillig gebliebenen Zürchers: Die wohltuende Ironie, bis hin zum leichten Sarkasmus, der auch die eigene Person nicht verschont. Aber der einst ziemlich bissige ‹Sozi› bleibt immer kultiviert, kann allerdings im Grundsätzlichen – Demokratie, Toleranz, soziale Gerechtigkeit, kurz: ‹eine Schweiz ohne Graben› (Leuenberger nach seiner Bundesratswahl) – beharrlich wirken. Immer sprachlich ausgefeilt, gut zu hören und gut zu lesen. Dies in einem gediegenen Büchlein, dem Ästheten Leuenberger angemessen, festzuhalten, hat sich durchaus gelohnt.» Aargauer Zeitung
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