Emil Schulthess
Alexis Schwarzenbach, Emil Schulthess

Emil Schulthess

Fotografien 1950-1990

Mit einem Vorwort von Martin Gasser / Herausgeber Fotostiftung Schweiz

296 Seiten, 23 x 30 cm, gebunden, 83 vierfarbige und 90 Duplexfotografien und Abbildungen
September 2013
SFr. 68.–, 68.– €
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978-3-85791-709-7

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Fotografie USA Biografie
     

Emil Schulthess, 1913 in Zürich geboren, zählt zu den grossen Schweizer Fotografen des 20. Jahrhunderts. Während seiner Grafikerlehre besuchte er die von Hans Finsler geleitete Fotoklasse an der Kunstgewerbeschule Zürich. Nach Studienaufenthalten in Paris arbeitete er als Grafiker in Zürich. Von 1941 bis 1957 prägte er als Art Director das Gesicht der Kulturzeitschrift «Du». Im Auftrag der Zeitschrift reiste er 1953 quer durch die Vereinigten Staaten. Aus der Fülle seiner Aufnahmen entstand 1955 sein erster grosser Bildband «USA» mit spektakulären Fotografien in Farbe und Schwarz-Weiss. Seine Bücher über die Antarktis, Afrika, die Sowjetunion oder China gehörten zu den populärsten Bildbänden ihrer Zeit, in der Schweiz ebenso wie im Ausland. Zum 100. Geburtstag von Emil Schulthess würdigt die Fotostiftung Schweiz dessen Beitrag zur schweizerischen wie zur internationalen Fotografie in Form einer retrospektiven Ausstellung und einer Publikation mit ausführlicher Biografie von Alexis Schwarzenbach und bisher unpublizierten Fotografien.

Alexis Schwarzenbach
© Ayse Yavas

Alexis Schwarzenbach

Alexis Schwarzenbach, geboren 1971 in Zürich, Studium der Geschichte am Balliol College in Oxford und am Europäischen Hochschulinstitut in Florenz. Autor und Ausstellungsmacher, Dozent an der Hochschule Luzern, Design & Kunst.

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Emil Schulthess
© Limmat Verlag

Emil Schulthess

Emil Schulthess (!913―1996) gehört zu den Klassikern der Schweizer Fotografie der Nachkriegszeit. Seine monumentalen Bildbände über Destinationen wie Afrika, China oder die Sowjetunion waren internationale Bestseller. Ab den 1970er Jahren wurde er als Erfinder der Flugpanoramen bekannt. Die Sonne zieht sich wie ein roter Faden durch das Werk von Emil Schulthess ― überall auf der Welt versetzte ihn ihr Anblick in ungläubiges Staunen. Sein berühmtestes Werk ist ein 24-Stunden-Panorama der Mitternachtssonne in Farbe, das 1950 in Norwegen entstand und weltweit Aufsehen erregte. Der gebürtige Zürcher war ursprünglich Grafiker und erwarb fotografische Grundkenntnisse als Hospitant in Hans Finslers Fotoklasse. Ab 1936 arbeitete er beim Zürcher Druck- und Verlagshaus Conzett & Huber, von 1941 bis 1957 als Gestalter und Mitglied der Gründungsredaktion der Monatszeitschrift «Du» . Erste Reisen führten Emil Schulthess in den 1950er-Jahren nach Afrika und in die USA, später folgten Ziele in Asien und Südamerika sowie die Teilnahme an einer Expedition der US Navy in die Antarktis.

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Fotostiftung Schweiz

Fotostiftung Schweiz

Die 1971 gegründete Fotostiftung Schweiz ist ein Ort für die Erhaltung, Erforschung und Vermittlung des fotografischen Kulturguts (www.fotostiftung.ch). Neben einer Sammlung von über 50000 Originalabzügen betreut sie die Archive und Nachlässe oder Teilnachlässe von mehr als fünfzig Fotografinnen und Fotografen. Die Fotostiftung Schweiz nimmt, zusammen mit ProLitteris, häufig auch die Urheberrechte wahr. Die aufgenommenen Archive umfassen hunderte bis hunderttausende von Bildeinheiten; sie bestehen aus Negativarchiven, Originalabzügen, Kontaktkopien, Diapositiven, elektronischen Bilddateien, Publikationsbelegen und schriftlichen Dokumenten.

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Mit sechzig Jahren ...

Mit sechzig Jahren befand sich Emil Schulthess auf dem Höhepunkt seines beruflichen Erfolgs. Sieben monumentale Bildbände zu allen Kontinenten ausser Australien waren internationale Bestseller geworden, und mit der Entwicklung der Flugpanoramen bahnten sich neue fotografische Triumphe an. Im Zusammenhang mit der Neuausgabe seines berühmtesten Werks, der auf der norwegischen Insel Hekkingen aufgenommenen Mitternachtssonne, hielt der Fotograf 1973 Rückschau auf sein bisheriges Schaffen. Er kam zum Schluss, «dass mein Interesse am Phänomen der Sonne wie ein roter Faden durch meine ganze Arbeit geht».1Tatsächlich gab es kein Thema, das Emil Schulthess stärker in Bann gezogen hätte als die Sonne, deren Lauf ihn immer wieder in ungläubiges Staunen versetzte. Vor jeder Reise berechnete er genau, wann und wo sich ein bestimmtes Sonnenereignis am besten fotografieren liess, und setzte vor Ort alles daran, die Aufnahmen wie geplant umzusetzen – ohne Rücksicht auf müde Begleiter, extremes Wetter oder die eigenen körperlichen Bedürfnisse. Aus der Antarktis, wo Sonnenporträts wie überall auf der Welt zu seinen wichtigsten Bildwünschen zählten, berichtete Emil Schulthess seiner Familie an Weihnachten 1958: «Ich scheute weder Kälte noch Schneesturm und war ‹draussen› bei jedem Sauwetter und preise meine Leicas, die zeitweise fürchterlich vereist und verschneit wurden, und ich die grösste Mühe hatte, das kleine Stückchen Glas der Linse wenigstens für Sekunden sauberzuhalten.»2

schulthess.mitternachtssonne Das 360°-Panorama der Mitternachtssonne ist acht Jahre vor der Antarktis-Expedition entstanden. Es setzt sich aus 24 zu Streifen beschnittenen Einzelbildern zusammen, die Emil Schulthess im Juni 1950 in Nordnorwegen aufgenommen hat. Zusammen bilden sie den Sonnenverlauf als Sinuskurve ab, wie sie der Tagesstern zu jener Jahreszeit nördlich des Polarkreises an den Himmel zeichnet. Auf die Idee zur fotografischen Dokumentation dieses Himmelsphänomens war Emil Schulthess bei einer Redaktionssitzung der Zürcher Kulturzeitschrift Du gekommen, für deren grafische Gestaltung er seit ihrer Gründung 1941 zuständig war. Bei den montäglichen Treffen verstand es der Redaktor Walter Robert Corti, «seine Kenntnisse über naturwissenschaftliche Themen, insbesondere auch über astronomische Aspekte, auf faszinierende Weise darzustellen».3 Unmittelbar nach der Konzeption der Bildidee begann Emil Schulthess mit ihrer Umsetzung: «Damals hatte ich bereits genügend Laienkenntnisse, um die Höhen des Sonnenstandes während der Zeit der Mitternachtssonne zu berechnen und die Sinuskurve bereits in der genauen Abwicklung wie das später erstellte Original aufzuzeichnen.»4 Da von Anfang an eine Publikation in dem auf Farbfotografie spezialisierten Du vorgesehen war, malte Schulthess seine Skizze mit Farbstift aus.

Mit dem Buchbinder erarbeitete er ein Falzschema, das die Einbindung des breiten Panoramas in die hochformatige Zeitschrift erlaubte, und klärte mit der Druckerei alle Fragen bezüglich der Herstellung. Vom Resultat war die Redaktion sehr angetan. «Doch um ganz sicher zu sein, legte ich die Skizze Herrn Professor Waldmeier vor – Direktor der Eidgenössischen Sternwarte in Zürich – der mir die Richtigkeit meiner Überlegungen bestätigte. Er bemerkte, vermutlich im Spass, dass ich nun ja die Zeichnung hätte und es doch nicht nötig sei nach dem Norden zu reisen …»5

Doch der Nichtakademiker Emil Schulthess, der nach einer Grafiklehre eigentlich hatte Künstler werden wollen, begnügte sich nicht mit wissenschaftlich erwiesenen Tatsachen – er wollte die Dinge mit eigenen Augen sehen. Als er einige Monate später Zeuge der Mitternachtssonne wurde, schrieb er in sein Tagebuch: «Die Erdkugel ist hier wirklich zu erleben. Hier über dem Gebiet des nördlichen Polarkreises ist durch die tägliche einmalige Drehung der schrägen Achse die Sonne immer sichtbar, dafür haben nun die Bewohner des Südpols immer Nacht. Und da die Sonne immer fix steht + die Erde im Jahr einmal die Sonne umkreist, so ist in einem halben Jahr am Südpol die Sonne immer zu sehen.» Dass es am Südpol gar keine ständigen Bewohner gibt, spielte in diesem Moment keine Rolle. Vier Jahrhunderte nach Kopernikus, Giordano Bruno und Galileo Galilei war Emil Schulthess über die Bestätigung des heliozentrischen Weltbilds ebenso erregt wie die Wissenschaftspioniere der Renaissance: «Hier kann man sich nicht genug sagen, dass die Sonne still steht, dass wir wandern, im Tag einmal um unsere Achse, dass es keinen Lauf der Sonne gibt, sondern nur einen Lauf der Erde oder anderer Sterne. Die Sonne + die Fixsterne nur haben das Recht, in diesem Planetarium als feste Punkte bezeichnet zu werden. – An diesen gültigen Standorten ist die Rechnung auf 1000e von Jahren gültig!»6
Journal 21, 12. September 2013
P.S., 12. September 2013
Tages-Anzeiger, 18. September 2013
NZZ am Sonntag, 6. Oktober 2013
Neue Zürcher Zeitung, 12.Oktober 2013
Durrer Intercultural, 19. März 2014

«Ein Fotograf wird wieder entdeckt, der die Fotogeschichte in einzigartiger Weise bereichert hat. Kongenial hat Alexis Schwarzenbach draus eine packende Lebensbeschreibung gemacht. Und so ist ein Bildband entstanden dessen Text ebenso fesselt wie die Bilder.» Journal 21

«Das wissenschaftliche an Emil Schulthess› Werk, dem die Fotostiftung Schweiz eine Retrospektive mit biographischem Begleitband widmet, war sein mit Ehrgeiz verfolgter Perfektionismus: Als Tüftler im Apparatebau, als regelrechter Kontrollfreak in der akribischen Vorbereitung und der Bereitschaft, alle Strapazen auf sich zu nehmen für das perfekte Bild.» P.S.

«Die Fotostiftung Schweiz würdigt den unfassbaren Emil Schulthess mit einer grossen Retroperspektive.» Tages-Anzeiger

«Emil Schulthess war ein überzeugter Dokumentarist, ein nimmermüder Abenteurer und fototechnischer Tüftler, ein leidenschaftlicher visueller Gestalter. Dass er auf seinen Reisen nicht für Ausstellungen fotografierte, sondern das Format eines Buches im Kopf hatte, ist in der Winterthurer Retroperspektive jedoch spürbar. Während die Bilder an den Wänden etwas verloren wirken, habe sie im nostalgisch schön gestalteten Buch ihre Kraft behalten. Man kann auf dem Wohnzimmerboden auf Weltreise gehen.» NZZ am Sonntag

«Die Ausstellung in Winterthur und die dazu erschienene Monografie korrigieren vorgefasste Meinungen über das Werk eines Fotografen, der möglicherweise allzu lange als kühler Ästhet einer glatten Werbewelt betrachtet wurde. Ein Star wird Emil Schulhess dadurch postum zwar kaum. Ein Stern am Firmament der Schweizer Fotografie bleibt er allemal.» Neue Zürcher Zeitung

«‹Ich glaube daran, dass wir im Grunde genommen die Natur selbst nie übertreffen können – sie wird uns immer überlegen und Vorbild sein›. Diese Haltung von Emil Schulthess glaubt man ganz besonders zu spüren, wenn man die Bilder, die unter dem Titel ‹Sonne, Mond und Sterne› am Schluss dieses eindrücklichen Werkes versammelt sind, auf sich wirken lässt.» Durrer Intercultural

Bilder aus diesem Buch sind auch als Postkarten erschienen.

Emil Schulthess

Die Bilder sind urheberrechtlich geschützt: Keine Verwendung irgendwelcher Art ohne Genehmigung.

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Expedition «Deep Freeze IV», Antarktis, 1959 © Emil Schulthess / Fotostiftung Schweiz / ProLitteris

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Harbin, China, 1964/65 © Emil Schulthess / Fotostiftung Schweiz / ProLitteris

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Potemkinsche Treppe, Odessa, Ukraine, 1968 © Emil Schulthess / Fotostiftung Schweiz / ProLitteris

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