Dark Lady
Anne Cuneo

Dark Lady

Ein Roman um Shakespeares grosse Liebe

Übersetzt von Peter Sidler

412 Seiten, gebunden mit Schutzumschlag
August 1998
SFr. 39.80, 24.– €
vergriffen
Titel der Originalausgabe: «Objets de Splendeur»
978-3-85791-319-8
     

Wer ist die «Dark Lady» der Sonette Shakespeares? Sie heißt Emilia Bassano, ist eine selbstbewußte Frau, Musikerin und erste veröffentlichte Buchautorin Englands. Als solche ist die faszinierende Frau in den neuen Roman von Anne Cuneo eingegangen, einen historischen Roman um eine große Liebe eines großen Theatermannes. Der farbige Alltag der elisabethanischen Epoche ersteht ebenso wieder wie das Globe Theatre in seiner ganzen Lebendigkeit. Und mittendrin Shakespeare beim Schreiben, Spielen, Inszenieren, Reisen, Lieben …

Anne Cuneo
© Olivia Heussler

Anne Cuneo

Anne Cuneo (1936–2015), geboren in Paris kurz vor Ausbruch des Zweiten Weltkriegs als Kind italienischer Eltern. Ihre Familie verlässt Frankreich 1940. Kindheit in Norditalien. Nach dem Tod ihres Vaters in den letzten Kriegstagen, lebt sie mehrere Jahre in katholischen Waisenheimen und Internaten in Italien und später in Lausanne in der Schweiz, wo sie die französische Sprache lernen und sich in die neue Umgebung einleben muss. Nach dieser schwierigen Zeit verbringt sie ein Jahr in England, in Plymouth und London, und entdeckt die angelsächsische Kultur. Sehr viel später schöpft sie aus der Erinnerung an diesen wichtigen Lebensabschnitt für ihren Roman «Station Victoria» (1989). Zurück in Lausanne arbeitet sie zunächst als Telefonistin und Sekretärin, studiert anschliessend an der Universität Lausanne Geschichte, Englisch und Italienisch, arbeitet in der Werbung, unterrichtet Sprachen und reist quer durch Europa.

Sie beschäftigte sich mit nahezu allen Möglichkeiten der Literatur, mit Journalismus und Übersetzungen. Ihr Werk, sehr oft autobiographisch, ist geprägt von der Auseinandersetzung mit aktuellen Strömungen. Sie bewunderte Breton, den Surrealismus, die Tradition der grossen amerikanischen Romane, und hat versucht all ihre Vorlieben in ihr Werk einzubringen. Beispiele für ihre ästhetischen Neigungen werden sichtbar in «Gravé au Diamant», «Mortelle  Maladie», «Passage des Panoramas», «Hotel Venus». In «La Vermine» ist sie Fürsprecherin für Menschen, die am Rande leben, und mit ihrer Autobiographie «Portrait der Autorin als gewöhnlicher Frau» führt sie die Welt der Emigranten in die schweizer Literatur ein. Sie schildert den Einbruch einer Krankheit in «Eine Messerspitze Blau», nachdem sie eine schwere Krebserkrankung überwunden hatte. Als Essayistin zeichnete sie die Welt des Theaters und des Films, der sie sich verbunden fühlte: «Le Piano du Pauvre», «La Machine fantaisie», «Le Monde des Forains», «Benno Besson et Hamlet».

Nachdem sie während mehrerer Jahre vor allem für Theaterproduktionen gearbeitet und eigene und fremde Theaterstücke inszeniert und produziert hatte, beschäftigte sie sich später wiederum mit Literatur. Dabei stand ihre Biographie nicht mehr im Mittelpunkt des Schreibens. Sie fügte allerdings hinzu: «Ich empfinde, das, was ich erzähle immer noch als autobiographisch, allerdings vertieft und stärker verarbeitet, möglicherweise auch weniger anekdotisch geschildert.»

Ihre Hauptfiguren, mit denen sie sich zutiefst verbunden fühlte, drücken sich immer in der Ich-Form aus, zum Beispiel Francis Tregian in ihrem letzten Roman «Der Lauf des Flusses». Durch Francis Tregian erleben wir das Europa zu Beginn des 17. Jahrhunderts, die gekrönten Häupter, die Wirren und Kriege, die Künstler und die einfachen Menschen, aber auch die Ursprünge unserer Kultur.

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Peter Sidler

Peter Sidler

1950–2004, Journalist, Redaktor bei einer Tageszeitung und einer Presseagentur, Redaktor an der Pressestelle von Schweizer Radio DRS. Hörspielübersetzungen. Seit 1995 freiberuflich als Übersetzer und Lektor tätig.

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Nach einer kurzen Pause fährt er fort ...

Nach einer kurzen Pause fährt er fort.

«Sie war eine außergewöhnlich schöne Frau. Schwarze Augen, schwarzes Haar, sehr grazil, groß und schlank, vielleicht etwas mager. Genau das Gegenteil unserer blassen, blonden Schönheiten.

Das Schwarz ward Schönheit, als sie kam zur Welt,
Ihr Anblick läßt die Moden ganz vergessen.


In ihren Augen brannte ein Feuer.»

Ich wollte eine Frage stellen, aber er war ganz in Gedanken an diese Frau versunken. Sie war ihm vielleicht doch nicht so gleichgültig gewesen, wie er vorgab.

«Richard Burbage sagte, außer der Pest und den Puritanern sei sie für unsere Truppe die größte Gefahr gewesen. Ihretwegen hätte uns der Schatzkanzler seine Protektion in einem entscheidenden Augenblick entziehen können, ihretwegen hätten wir einen unserer größten Autoren verlieren können.»

Ein langes Schweigen folgte, während dessen Lowin mich durchdringend ansah, als wollte er mich einer Prüfung unterziehen. Allmählich kannte ich ihn ein wenig.

«Was gibt es denn, mein Herr? Sie zögern, mir etwas zu sagen.»

Er lächelte.

«Ihre Geistesgegenwart verrät mir, daß es Ihnen wieder besser geht. Ja, ich zögerte.»

Er beugte sich über den Bücherstoß zu unseren Füßen und griff nach einem schäbigen, fleckigen Band im Quartformat, aus dem Blätter unterschiedlicher Größe hervorsahen. Er schlug ihn auf und blätterte darin, ohne hinzusehen.

«Merkwürdig, ich habe gar nicht mehr daran gedacht, was Emilia Lanier vor … nun ja, sagen wir vor gut zwanzig Jahren für die Schauspieler des Königs bedeutet hat. Selbst wenn wir uns begegneten, dachte ich nicht mehr daran. Dabei habe ich sie weiß Gott gehaßt für das, was sie Tom angetan hat.»

«Tom? Ich dachte, es gehe um Herrn Shakespeare …»

«Jaja, gewiß, aber Tom war Shakespeare ergeben, er war jung und gutaussehend. Er hat sich die Flügel verbrannt. Er hätte ein großer Schauspieler werden können, statt dessen … Sie hätten Tom als Kate in Der Widerspenstigen Zähmung sehen sollen. So wie er hat nach ihm keiner mehr diese Rolle gespielt. Selbst er nicht, denn eines Tages bekam er den Stimmbruch und trat überhaupt nicht mehr auf.»

WochenZeitung WoZ, 1. Oktober 1998
Der kleine Bund, 3. Oktober 1998
Schaffhauser Nachrichten, 3. Oktober 1998
Tages-Anzeiger, 10. Juli 1999

«Vor unseren Augen fügt sich das Puzzle so vollkommen, dass man der funkelnden Interpretation der Sonette beinahe etwas nachtrauert, die Shakespeare voller unvernünftiger, verzehrender Leidenschaft für seinen Gönner sah.» La Libération

«Jede Seite des Buches von Anne Cuneo ist eine Liebeserklärung an das Theater und an die Literatur.» Le Nouveau Quotidien

«Für Liebhaber der Literatur zählt, dass das Leben dieser einzigartigen Frau und ihres Sängers der Autorin eine leidenschaftliche Geschichte schenken: für einen historischen Roman, ergreifend wie ein Liebesroman.» Le Monde des Livres

«Mit «Dark Lady» hat Anne Cuneo wiederum ein unerhört kenntnisreiches, farbiges Bild jener weit zurückliegenden, aber höchst faszinierenden Epoche gezeichnet.» WoZ

«Anne Cuneo ist den grossen Stoff klug, einleuchtend und souverän angegangen. Sie formt und erzählt ihn nicht selber, sondern lässt ihn formen und erzählen.» Der kleine Bund

«Einmalig die plastischen, Beschreibungen der Londoner Theaterpraxis! Doch besonders beeindruckend an dem Buch ist, dass seine geballte, sorgfältig montierte Historizität ungemein lebendig ist und seine Form und Sprache wie Kristall.» Schaffhauser Nachrichten

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