Seifengold
Peter Höner

Seifengold

Roman

Mit Texten von Peter Bosshard

280 Seiten, gebunden mit Schutzumschlag
Januar 1995
SFr. 29.–, 29.– € / eBook sFr. 12.90
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978-3-85791-235-1

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Schlagworte

Literatur
     
Es geht um Millionen. Gold wird unterschlagen, aus dem Land geschmuggelt, gewaschen, eine Schweizer Bank bietet ihre Dienste an. Ein paar wenige scheffeln ein Vermögen. Die Hände schmutzig macht sich kein Reicher, den Dreck erledigen andere.

Der kenyanische Kriminalbeamte Tetu, in die Wüste strafversetzt, untersucht die Ermordung eines Geheimagenten. Die Spur führt in die Hauptstadt, im Dickicht der Stadt ermittelt er gegen eine Bande korrupter Politiker und deren weiße Beraterclique. Trotz Erfolgen scheitert er am Ende doch.

Der ehemalige Privatdetektiv Mettler, der seit ein paar Jahren in Lamu ein Hotel besitzt, steckt in privaten Schwierigkeiten. Sein Sohn Ali heiratet in der Schweiz, ein Kind ist auch schon da. Mettlers Freundin Alice reist in die Schweiz, sie will ihren Enkel sehen. Daß Ali und Alice sich vor einen Karren spannen lassen, der ihnen zum Verhängnis wird, kann Mettler nicht verhindern.

Eine Geschichte von zwei Enden angepackt, die wohl einen glücklicheren Ausgang nähme, fänden ihre Helden zusammen.
Peter Höner
© Anne Buergisser

Peter Höner

Peter Höner, geboren 1947 in Eupen, ­aufgewachsen in Belgien und der Schweiz, Schauspielstudium in Hamburg und Schauspieler u. a. in Basel, Bremen und ­Berlin. Seit 1981 freischaffender Schriftsteller, Schauspieler und Regisseur, 1986–1990 ­Afrikaaufenthalt. Autor von Theaterstücken, Hörspielen und Büchern.

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Kurz vor Mitternacht ...

Kurz vor Mitternacht entlädt sich das Gewitter. Der Regen trommelt auf die Blechdächer und schlägt den Staub zu Boden, den Windböen soeben noch um die Baracken fegten. Schon nach wenigen Minuten wird der Wüstensand in den Gassen und auf dem Markt zu Schlamm. Ein schmutziger Brei aus Abfällen und Dreck rutscht auf der Straße ins ausgetrocknete Flußbett.

Seit Tagen flackerten die schäbigen Häuserzeilen Lodwars Nacht für Nacht im Widerschein der Blitze, zuckte das dürre Schattengeäst der Baumriesen über den leeren Marktplatz. Doch die Wolken jagten über die Oase und stauten sich jenseits der Wüste vor einem Gebirge, dessen Flüsse im salzigen Sand versiegten.

Der Polizeichef von Lodwar, Robinson Njoroge Tetu, steht nackt am Fenster seiner Kammer und träumt in die Nacht hinaus. Der Regen hat ihn aus dem Bett gelockt.

Ein Blitz schlägt in einen der Eukalyptusriesen unterhalb des Busbahnhofs. Das grelle Licht gespenstert mit den Fassaden der Hütten. Im Turm der Presbyterianer auf der gegenüberliegenden Straßenseite schlägt die Glocke an.

Im kaltblauen Geflacker entdeckt Tetu eine Gestalt, die rasch näherkommt. Ihr Mantel flattert im Wind. Eine Hand über dem Kopf, den Oberkörper seltsam schief und nach vorne geduckt, hetzt ein Mann die Straße hoch. Er stolpert, strauchelt. Seine Hand fährt zum Rücken, greift in die Luft, verkrampft sich zur Faust. Er fällt, stürzt auf die Knie und kippt in den weichen Schlamm.

«Saufkopf, blöder!» brummt Tetu.

Der Mann rappelt sich wieder auf, stützt sich auf seine Ellenbogen und kriecht durch den Schlamm auf die nächsten Häuser zu.

«Gut, so ist es gut. Und nun mach, daß du weiterkommst.»

«Njoroge? - Was ist denn? Was brummst du? Warum stehst du am Fenster?» fragt leise und beunruhigt eine Frauenstimme.

«Nichts, es ist nichts. Ich schau' dem Regen zu.»

Die Frau schlüpft aus dem Bett und tastet sich durch die Dunkelheit. Der Polizist streckt die Hand nach seiner Wirtin aus und zieht sie an sich.

Der Regen rauscht auf die Oase nieder, eine Wassermusik, die alle übrigen Laute übertönt. Selbst im Zimmer riecht es angenehm nach feuchter Erde, nach nassem Holz, Rost und Staub.

Plötzlich und mit einem Schlag springt die Hüttentüre auf. Tetu und seine Freundin fahren auseinander.

«Was war das?»

«Der Saufkopf», murmelt Tetu. «Ich sah ihn vorhin durch die Straße torkeln.»

«Soll ich Licht machen?»

«Warte. Erst zieh' ich mich an.»

Tetu schlüpft in seine Hosen, angelt nach seinem Uniformhemd. Die Frau verknotet ein Tuch über der Brust. Dann sucht sie nach Streichhölzern und macht Licht. Tetu öffnet die Kammertüre.

Auf der Schwelle zwischen Veranda und Küche kauert eine Gestalt. Aus ihrem Rücken ragt der Griff eines Messers, eines Dolches, wie ihn die Nomaden der Wüste unter ihren Gewändern tragen. Das Gesicht liegt flach auf dem nackten Boden, Ziegendreck hängt in seinen Haaren, der durchnäßte Mantel, vom Schaft des Messers festgehalten, ist bis zum Kragen mit Fasern, Strohstückchen und winzigen Schmutzsplittern übersät, die sich im Gewebe des Stoffes verhaken.

Die Frau schreit und flüchtet ins Zimmer zurück. Tetu fährt dem Mann mit beiden Händen unter die Arme, reißt ihn hoch und zieht ihn ins Haus. Mit dem Fuß schlägt er die Türe zu und schleppt den Verletzten durch die dunkle Küche in die Kammer, wo er ihn, so wie er ihn unter der Türe gefunden hat, vorsichtig auf sein Bett legt.

Der Fremde stößt einen gurgelnden Laut aus. Blut stürzt ihm aus Nase und Mund. Von einem Hustenanfall geschüttelt, würgt er einen Klumpen hervor, endlos, ein zähflüssiges Band aus dunklem Schleim.

«Er braucht einen Arzt! Fatuma, schnell! Nein. Er erstickt. Wir müssen ihn umdrehen. - Los, so hilf mir doch.»

Tetu kippt den Verletzten zur Seite und stopft ein Kissen unter seinen Kopf. Blut und Schleim besudeln das Laken. Dann, jäh und ungestüm, bäumt sich der Mann auf. Ein Blutschwall schießt über Kissen und Bett. Er schreit:

«Lomazzi! Salvatore Lomazzi.»

Einen Augenblick später ist er tot.

Tages-Anzeiger, 24. März 1995
Der Bund, 1. Juli 1995
Luzerner Zeitung, 7. April 1995
DAZ, 31. März 1995

«Seifengold ist ein leicht zu lesender Krimi, der dem Leser fast beiläufig auf wunderbar lockere Weise afrikanische Lebensart nahebringt.» Südkurier, Konstanz

«Er hat eine atmosphärische Dichte und Spannung und vermittelt so nebenbei viel Information über die «Dritte Welt» und die Fluchtgeldproblematik» Wendekreis, Betlehem Mission, Immensee

«Spannend auch vom entwicklungspolitischen Standpunkt aus.» EvB, Zürich

«Höner erzählt farbig, geht spielerisch mit der Sprache um; die Beschreibungen von Natur, Menschen, Ereignissen sind voller Erzählfreude.» Zürichsee-Zeitung/Allgemeiner Anzeiger/Grenzpost

«Der Roman wird zum Film im Kopf, auch für den, der bis anhin nie in Kenya war.» DAZ

«Für alle, die sich gerne einmal auf eine ungewohnte Art mit dem Thema Fluchtgeld auseinandersetzen möchten.» Aktion Finanzplatz Schweiz–Dritte

«Fact Fiction mit hohem Sachverstand.» Blick
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