Abgefahren! Im Zug mit Katja Walder
Katja Walder

Abgefahren! Im Zug mit Katja Walder

Pendlergeschichten

Mit Fotografien von @kusito

192 Seiten, 11 x 17 cm, gebunden, 32 vierfarbige Fotos
November 2012
SFr. 24.80, 28.– € / eBook sFr. 19.90
sofort lieferbar
978-3-85791-692-2

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Schlagworte

Eisenbahn Literatur
     

Keine schaut und hört so genau hin wie sie: Die Pendlerin Katja Walder belauscht im Zug ihre Mitreisenden und berichtet der pendelnden Schweiz brühwarm von ihren Beobachtungen: In ihrer kultigen Kolumne «Abgefahren!» der Pendlerzeitung «Blick am Abend». Seit über vier Jahren erzählt sie von telefonierenden Angebern, feixenden Tussis, penetranten Essensgerüchen, altklugen Kindern, frechen Rentnern und vom rettenden Selectaautomaten ― scharf beobachtet, immer liebevoll, immer warmherzig. Dieses Buch bringt 133 ihrer besten Geschichten, illustriert mit 30 Fotos des Berner Pendlers @kusito, der seine Visavis heimlich knipst und die Ausbeute auf Twitter präsentiert.

Katja Walder

Katja Walder

Katja Walder. In ihrer Pendlerkolumne im «Blick am Abend» belauscht sie seit August 2008 ihre Mitreisenden. Dass sie dabei noch nie erwischt wurde, liegt in erster Linie daran, dass es Katja Walder gar nicht gibt. Hinter der Kunstfigur Katja Walder steckt Franziska von Grünigen, Moderatorin beim Schweizer Radio und Fernsehen. @kusito. Das ist der Berner Twitterer Markus Maurer. Er sieht jeden Tag viele «visavis» im ÖV, die er mit dem iPhone festhält und bearbeitet. Aus einem ersten Schnappschuss wurde eine Serie. Alltägliche Momentaufnahmen aus dem Pendler-Alltag werden durch Markus Maurers Blick zu intimen, quadratischen Zugkunstwerken.

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@kusito

@kusito

Das ist der Berner Twitterer Markus Maurer. Er sieht jeden Tag viele «visavis» im ÖV, die er mit dem iPhone festhält und bearbeitet. Aus einem ersten Schnappschuss wurde eine Serie. Alltägliche Momentaufnahmen aus dem Pendler-Alltag werden durch Markus Maurers Blick zu intimen, quadratischen Zug-Kunstwerken.

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Buchvernissage im Hauptbahnhof Zürich

 

Das Bratwurst-Massaker

Er bestellte St. Galler Kalbsbratwurst mit Zwiebelsauce und Spätzli. Dazu einen Rotwein mit Drehverschluss. Ja, an so einem Vierertischchen im SBB-Bistrowagen kommt man sich unweigerlich näher. Er hätte ein Dichter sein können, mit seinem Sakko und dem halblangen grauen Haar. Vielleicht auch ein Uni-Professor für Germanistik. Und tatsächlich kramte er ein Script hervor und korrigierte es mit Rotstift, während er auf das Essen wartete. Inklusive Ausrutschern, wenn e s in die Kurve ging. Selbst als er den dampfenden Teller vor sich hatte, vertiefte er sich noch ins Script. Das Essen schien ihm Nebensache zu sein. Er schaufelte das Zeug in sich hinein, als gäbe es kein Morgen. In sieben Zentimeter grossen Stücken stopfte er sich die Wurst in den Mund, kaute zweimal, schluckte, machte eine Notiz, klimperte mit dem Besteck und schob das nächste Riesenwurststück in seinen Schlund. Und dann entdeckte ich den Namen auf seinem Dossier-Mäppchen: Dr. med. Wurstmann*. Natürlich gab ich den Namen daheim unverzüglich bei Google ein. Das Ergebnis war erschreckend: Herr Dr. med. Wurstmann ist Chefarzt für plastische Chirurgie. «Alle Eingriffe werden von Chefarzt Dr. Wurstmann persönlich durchgeführt», konnte ich auf seiner Seite lesen. Möge er die Lippen und Brüste seiner Klientinnen sanfter behandeln als die Kalbsbratwurst auf seinem Teller.

*Name geändert

Das grosse Lästern danach

Gerötet, aufgeschwollen und schwer l iegen unsere Füsse auf dem Zugsitz. Wir waren wandern. Und natürlich halten wir uns an die Anstandsregel Nummer eins im Zug: Keine Füsse auf dem Polster ohne Unterlage (ein liegengebliebener «Blick am Abend» muss herhalten, Seite 31 … da schreibt eine etwas über eine Sbrinz-Sauce. Das passt).

Von nebenan: Tadelnde Blicke eines älteren Wandervogel-Ehepaars. «Typische Anfänger», denken die bestimmt.

«Einmal den Creux du Van bewandern und schon meinen, sie seien naturverbunden …»

Im Partner-Look sitzen die beiden da; nennen wir sie Ruth und Kurt.

«So, hütt gitts nüüt meh z’ässe!», beiehlt Kurt.

«Nei, ich mögt au gar nüüt meh», verteidigt Ruth sich.

Und er doppelt nach: «Nix und nüüt!»

Beide schauen während des Gesprächs angestrengt aus dem Fenster. Ich lausche weiter. Die beiden waren mit einer Wandergruppe unterwegs. Und tun nun das, was man tut, wenn man nach einer Gruppenveranstaltung wieder allein ist: Sie lästern und hecheln alle durch.

«Aso de Architäkt, de Ernscht, weiss ächt sini Frau, das er elei id Schtadt gaht?», fragt sie und schaut dabei immer noch aus dem Fenster.

«Die weiss doch alles!»

Schweigen.

«Weisch, sie seit scho, es isch ere gliich.»

«Das isch doch dere nöd gliich.»

Und so geht es weiter. Von der Frage, ob nur die Schulden die beiden zusammen halten bis zur theoretischen Abhandlung, was nun wäre, wenn sie ihn endlich verlassen würde, diesen Ernst. Und was macht Ernst? Sitzt unterdessen bestimmt mit seiner Frau im Zug nach Basel: «De Kurt und d’Ruth, wie lang gisch dene beidne no? Die händ sich au nüme vill z’säge.»

visavis13

Theorien über die Schatzchäschtli-Liebe

«Also du, wir lesen uns», sagt sie kurz vor Dietlikon zum kleinen Mann im schwarzen Jacket. Er lacht verlegen. Drei steife Küsschen folgen, l inks-rechts-links. Und nun sagt sie den entlarvenden Satz: «Bis irgendwann wieder mal, oder so...» Spannend! Was hat sich da zuvor abgespielt?

Theorie 1: Die beiden haben sich via Schatzchäschtli kennengelernt. Möglicher Text: «Hey du, langi schwarzi Haar, ha di geschter xeh i dä S 8, dis Lächlä hätt mär d'Heifahrt versüesst! Morn widär um di gliich Ziit, gliichä Wagä?» Sie hat angebissen. Ein verlegenes «Hallo, wie gahts, wer bisch, was machsch»-Smalltalk und beschnuppern, bis Dietlikon.

Theorie 2: Die beiden arbeiten in einer Grossbank, er im Controlling, sie im Kundenkontakt. Per Mail sind sie ins Flirten gekommen. Ohne zu wissen, wer hinter den Buchstaben steckt. Bis heute. Da haben sie den Schritt gewagt. «Wie wärs mit einem Feierabend-Drink?» hat sie geschrieben. Und er hat nervös und aufgekratzt zugesagt. Dass beide mit der S 8 nach Hause müssen, war Zufall.

Vielleicht trifft aber auch Theorie 3 zu: Die beiden haben sich beim Chatten kennengelernt. Er als Gigolo81, sie als SweetGirl. Mit dem verbalen Schlagabtausch kam das Kribbeln, entwickelten sich Gefühle und die Sehnsucht, sich endlich zu treffen. Vorsichtig wie man ist, erstmal nur zu einem Drink, das hat die beste Freundin dem SweetGirl so geraten: «Dann bist du ihn schnell wieder los!» Dass er auch in die S 8 musste, war Pech. Welche Theorie stimmt, werden wir nie erfahren. Denn «bis irgendwann wieder mal, oder so» klingt gar nicht gut.
Blick am Abend, 23. November 2012
Ron Orp Zürich, 26. November 2012
Tages-Anzeiger, 27. November 2012
Blick am Abend, 27. November 2012
Voyage voyage, 28. November 2012
@lesezirkel
SBB Blog, http://blog.sbb.ch/blog/abgefahren-mit-katja-walder/2012/11/30/
Landbote, 1. Dezember 2012
lesefieber.ch, 9. Dezember 2012
St. Galler Tagblatt, 4. Januar 2013
Doppelpunkt, 20. Juni 2013
Sonntag, 20. Juni 2013
«Die einzige Kolumnistin der Schweiz, die basisdemokratisch gewählt wurde.» Tages-Anzeiger

«Kurze Geschichten über den alltäglichen Wahnsinn des Pendelns, kleine Anekdoten aus dem Innenleben des öffentlichen Verkehrs.» Blick am Abend

«Die Schweizer Pendlerszene hat einen sichtbaren Star mehr.» Blick am Abend

«Die einzelnen Episoden sind kurz, bündig und haben einen ähnlich hohen Suchtfaktor wie eine Schachtel Pralinen.» Voyage voyage

«Eine absolut gelungene Publikation, die jedes Pendlerherz höher schlagen lässt.» @lesezirkel

«Dieses Büchlein ist abgefahren gut und beschert Lachsalven ohne Ende. Ein Kleinod, schön gemacht, schön anzuschauen und anzufühlen.» lesefieber.ch

«Bestechend klar und pointiert.» St. Galler Tagblatt

«192 Seiten pralles Schweizer Pendlerleben und fast so viele umwerfende Storys. Diese Kolumnen sind ein goldiges Zeitdokument. Wenn Oscar Wild für die Bildzeitung schreiben würde, ‹Abgefahren› wäre das Resultat. Man will mit jeder Seite mehr. Die Ferien-, Nachttisch- oder warum auch nicht ― Pendlerlektüre schlechthin!» Sonntag
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