Ländlicher Schmerz
S. Corinna Bille

Ländlicher Schmerz

Erzählungen

Übersetzt von Elisabeth Dütsch / Mit einem Nachwort von Anne Cuneo

208 Seiten, gebunden mit Schutzumschlag
Februar 2016
SFr. 28.–, 24.– € / eBook sFr. 28.–
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978-3-85791-777-6

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In diesem Buch vereinigt die Westschweizer Erzählerin fünfzehn Novellen und Kurzgeschichten, die unabhängig voneinander in ihrer ersten Schaffensperiode entstanden und l953 erstmals von der «Guilde du Livre» in Lausanne veröffentlich worden sind. Die meisten Erzählungen sind im älteren Wallis angesiedelt, das der Autorin noch vertraut ist aus ihrer eigenen Kindheit in Sierre. Eine natur- und traditionsgebundene Welt mit einfachen Lebensformen, denen die katholische Kirche verbindliche Massstäbe setzt, ein Dorf, eine in sich geschlossene, aber keine heile Welt, sind das Umfeld. Corinna Bille macht die Härten dieses Daseins bewusst. Von nostalgischer Verklärung ist nichts zu spüren.

Ausgangspunkt jeder einzelnen Geschichte ist eine Begebenheit, die der Autorin zugetragen wurde, die sie miterlebt oder in einer Zeitungsnotiz gelesen hat. S. Corinna Billes Aufmerksamkeit und Liebe gilt den Einzelgängern, den Missverstandenen, den Verzweifelten, die mit ihrem Leid alleine sind oder es so lange verschweigen, bis ihr Unglück unvermeidbar geworden ist.

S. Corinna Bille
© Limmat Verlag

S. Corinna Bille

Corinna Bille (1912–1979), schrieb zahlreiche Novellen und Romane (auf deutsch erschienen der Roman «Theoda» und der Erzählungsband «Schwarze Erdbeeren»). Sie war verheiratet mit dem Schriftsteller Maurice Chappaz.

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Elisabeth Dütsch

Elisabeth Dütsch

Elisabeth Dütsch (1921–2009), promovierte Germanistin und Romanistin, übersetzte welsche Autorinnen und Autoren. Von Corinna S. Bille übertrug sie Théoda, Ländlicher Schmerz und Hundert kleine Liebesgeschichten ins Deutsche, von Georges Haldas Boulevard des Philosophes und Das Haus in Kalabrien, von Robert de Traz den Roman Genfer Liebe 1913.

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Anne Cuneo
© Olivia Heussler

Anne Cuneo

Anne Cuneo (1936–2015), geboren in Paris kurz vor Ausbruch des Zweiten Weltkriegs als Kind italienischer Eltern. Ihre Familie verlässt Frankreich 1940. Kindheit in Norditalien. Nach dem Tod ihres Vaters in den letzten Kriegstagen, lebt sie mehrere Jahre in katholischen Waisenheimen und Internaten in Italien und später in Lausanne in der Schweiz, wo sie die französische Sprache lernen und sich in die neue Umgebung einleben muss. Nach dieser schwierigen Zeit verbringt sie ein Jahr in England, in Plymouth und London, und entdeckt die angelsächsische Kultur. Sehr viel später schöpft sie aus der Erinnerung an diesen wichtigen Lebensabschnitt für ihren Roman «Station Victoria» (1989). Zurück in Lausanne arbeitet sie zunächst als Telefonistin und Sekretärin, studiert anschliessend an der Universität Lausanne Geschichte, Englisch und Italienisch, arbeitet in der Werbung, unterrichtet Sprachen und reist quer durch Europa.

Sie beschäftigte sich mit nahezu allen Möglichkeiten der Literatur, mit Journalismus und Übersetzungen. Ihr Werk, sehr oft autobiographisch, ist geprägt von der Auseinandersetzung mit aktuellen Strömungen. Sie bewunderte Breton, den Surrealismus, die Tradition der grossen amerikanischen Romane, und hat versucht all ihre Vorlieben in ihr Werk einzubringen. Beispiele für ihre ästhetischen Neigungen werden sichtbar in «Gravé au Diamant», «Mortelle  Maladie», «Passage des Panoramas», «Hotel Venus». In «La Vermine» ist sie Fürsprecherin für Menschen, die am Rande leben, und mit ihrer Autobiographie «Portrait der Autorin als gewöhnlicher Frau» führt sie die Welt der Emigranten in die schweizer Literatur ein. Sie schildert den Einbruch einer Krankheit in «Eine Messerspitze Blau», nachdem sie eine schwere Krebserkrankung überwunden hatte. Als Essayistin zeichnete sie die Welt des Theaters und des Films, der sie sich verbunden fühlte: «Le Piano du Pauvre», «La Machine fantaisie», «Le Monde des Forains», «Benno Besson et Hamlet».

Nachdem sie während mehrerer Jahre vor allem für Theaterproduktionen gearbeitet und eigene und fremde Theaterstücke inszeniert und produziert hatte, beschäftigte sie sich später wiederum mit Literatur. Dabei stand ihre Biographie nicht mehr im Mittelpunkt des Schreibens. Sie fügte allerdings hinzu: «Ich empfinde, das, was ich erzähle immer noch als autobiographisch, allerdings vertieft und stärker verarbeitet, möglicherweise auch weniger anekdotisch geschildert.»

Ihre Hauptfiguren, mit denen sie sich zutiefst verbunden fühlte, drücken sich immer in der Ich-Form aus, zum Beispiel Francis Tregian in ihrem letzten Roman «Der Lauf des Flusses». Durch Francis Tregian erleben wir das Europa zu Beginn des 17. Jahrhunderts, die gekrönten Häupter, die Wirren und Kriege, die Künstler und die einfachen Menschen, aber auch die Ursprünge unserer Kultur.

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«Corinna Bille hat kein Interesse an Harmlosigkeiten. Es geht ihr wie jenem, der ‹merkte, dass das Glück ein wenig nach Langeweile schmeckte›. Im Aufspüren des ‹Grauens, das die Einsamkeit erzeugt›, gleicht sie ihrem Landsmann Ramuz. Noch im unscheinbarsten Detail – einer in der Hand aufblitzenden Konservenbüchse, einem unnützen Knopfloch – lauert die grosse Angst, sprungbereit wie ein böses Tier.» Neue Zürcher Zeitung

«In den Texten gibt es überall offene Stellen, vieles, was sich dem Wissen der Autorin entzieht und auch uns, den Leserinnen und Lesern, undurchschaubar bleibt. Eine abgrundtiefe Kluft tut sich auf, und sie verunmöglicht es, dass wir wie Touristen in den Geschichten herumtrampeln, gierig nach einer Schnellbleiche über «Land und Leute» und ein paar herzerfrischenden Brocken Walliser Dialekt. Nein, diesen Gefallen will S. Corinna Bille uns nicht erweisen, vertraute Bilder bekommen unversehens eine furchterregende Dimension wie das Leichengeleit in «Das Begräbnis».» Tages-Anzeiger
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