«Dieser Krieg ist uns zum Heil»
1914 – Wortgefechte in Texten der Zeit
Übersetzt von Maria Hoffmann-Dartevelle, Thomas Schlachter
Klappenbroschur, 14 Abbildungen , 184 Seiten
Mai 2014'Dieser Krieg ist uns zum Heil' will keine weitere nachträgliche Erzählung und Deutung des Kriegsausbruchs liefern, sondern Zeugnisse aus der Zeit selbst sprechen lassen. Sie sind zeitgenössichen Schriften entnommen, überliefert in der Bibliothek der Museumsgesellschaft Zürich. Wie stellte sich einem breit interessierten Leser in der neutralen Schweiz der Ausbruch des Ersten Weltkriegs dar? Mehr als je zuvor war dieser Krieg von Anfang an auch ein 'Krieg der Worte', also der Propaganda. In rund fünfzehn Auszügen aus deutschen, französischen und englischen Publikationen der Jahre 1914/15 werden die Wortgefechte zwischen den Parteien, die sich gegenseitig Barbarei vorwarfen, sichtbar. Und dazwischen ertönen die mahnenden Worte der wenigen von der allgemeinen Kriegshysterie nicht Angesteckten und der Pazifisten. Und schliesslich die ersten, schonungslos nüchternen Berichte der Soldaten von der Front: bittere Erfahrungen gegen euphorische Propaganda.

Bildrechte: Limmat Verlag
Pressestimmen
Besprechungsdienst Bibliotheksservice, 7. Juli 2014
Friedenszeitung, Juni 2014
tageswoche.ch, Blogs listomania, 30. August 14
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Der Ausbruch des Ersten Weltkriegs setzte nicht nur eine gewaltige, neuartige Militärmaschinerie in Gang, auch eine wahre Flut von Propagandaschriften, Frontberichten, Romanen und Gedichten brach über kriegführende und neutrale Staaten herein, wie die obige Beobachtung, die der belgische Schriftsteller Louis Dumont-Wilden 1915 festhielt, eindrücklich zeigt. Die Verlage in den kriegsbeteiligten Ländern erlebten eine beispiellose Hochkonjunktur; die Verkaufszahlen schlugen Rekorde. Auch in der Schweiz kam es zu intensiven schriftstellerischen und verlegerischen Aktivitäten. Die milderen Zensurbestimmungen und die engen Beziehungen der Schweiz zu beiden Kriegsparteien boten propagandistischen und pazifistischen Autoren die Möglichkeit, ihre Texte mehr oder weniger unzensiert zu breiter Wahrnehmung zu bringen.
Angesichts der Menge und Vielfalt des über den Krieg veröffentlichten Materials, der breiten gesellschaftlichen Teilnahme an Produktion und Rezeption der Kriegsmedien, der Schärfe der Wortgefechte und der Professionalität der staatlichen Agitation gilt der Erste Weltkrieg auch als erster moderner Medien- und Propagandakrieg. Mit dem militärischen Kampf ginge «ein zweiter, stiller, aber nicht minder erbitterter Kampf einher: der Krieg der Geister»2, schrieb 1915 der deutsche Verleger Hermann Kellermann. Hatte der Wissenschafts- und Kulturbetrieb vor dem Krieg eine Internationalisierung erfahren, so brach nun die Einheit der europäischen intellektuellen Elite erschreckend schnell zusammen.

Zahlreiche Zeugnisse dieser geistigen Kriegsführung fanden ihren Weg auch in die Bibliothek der Museumsgesellschaft Zürich. Mehrere Hundert Bücher waren es allein in den Jahren 1914 und 1915, dazu kam eine grosse Auswahl an Periodika. Die Bücher stehen (anders als die aus Platzgründen nur noch punktuell erhaltenen Zeitschriften) alle noch im Bibliotheksmagazin. Dieser umfangreiche Bestand ist damit geeignet, der Frage nachzugehen, wie sich das erste Kriegsjahr einem interessierten Leser in der neutralen Schweiz im gedruckten Wort präsentiert hat. Die vorliegende Anthologie präsentiert sechzehn Texte und Textauszüge aus diesem Fundus und versucht dadurch, ein zeitgenössisches Bild des Kriegs und insbesondere des Kriegs der Worte zu vermitteln. Die strikte Beschränkung auf Texte der Zeit erfolgt in der Absicht, einen Schritt zurück zu machen hinter alle nachträglichen Erinnerungen, Berichte und Deutungen. Weder die Schreibenden noch die Leserinnen und Leser wussten 1914, was auf sie zukommen sollte. Auch wenn der heutige Leser sein Wissen darüber, was später geschah, nicht einfach ausschalten kann, so kann er doch versuchen, für einen Moment mit den Augen der Zeit zu sehen. Und was er von diesem Krieg der Worte zu sehen bekommt, ist nicht weniger erschreckend und deprimierend als der Krieg selbst.
«Dieser Krieg ist uns zum Heil» will den Krieg der Worte in möglichst vielen Schattierungen und Positionen und damit in seiner ganzen scharfen Widersprüchlichkeit zeigen. Die Texte – sie gehören mit einer Ausnahme zur Sachliteratur – stammen von Autoren und Autorinnen aus Deutschland, Frankreich, Grossbritannien, Österreich-Ungarn und der Schweiz. Zeugnisse der Kriegsbegeisterung stehen neben pazifistischen Manifesten, Frontberichte überzeugter Offiziere neben Schriften einfacher Soldaten, deren Erfahrungen die Kriegsverherrlichung schon bald Lügen strafte. Zeitgenössische Karikaturen aus den Satirezeitschriften «Kladderadatsch» (Berlin), «Le Rire» (Paris) und aus dem Schweizer «Nebelspalter» illustrieren die Texte. Die Karikaturisten unterstützten die nationalen Propagandamaschinerien durch die Konstruktion von Feindbildern. Ihre Werke stellen damit das bildliche Gegenstück der schriftlichen Propaganda dar. Pazifistische Texte finden ihre Entsprechung in den kriegskritischen Darstellungen des «Nebelspalter».
Im Folgenden werden die wichtigsten Wortgefechte anhand von Zitaten aus Publikationen der Jahre 1914/15 – die wie die genannten Satirezeitschriften alle in der Bibliothek der Museumsgesellschaft zu finden sind – kurz nachgezeichnet.
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