Nicht Anfang und nicht Ende
Plinio Martini

Nicht Anfang und nicht Ende

Roman einer Rückkehr

Übersetzt von Trude Fein

240 Seiten, gebunden mit Schutzumschlag
Februar 2016
SFr. 36.–, 36.– € / eBook sFr. 34.–
sofort lieferbar
978-3-85791-495-9

per Post bestellen

als ePub herunterladen

Hunger, Armut und Allgegenwärtigkeit des Todes treiben Gori um 1927 aus dem kargen Alltag im Maggiatal ins ferne Kalifornien. Zurück lässt er seine erste Liebe, Maddalena, seine Familie und Freunde. Zwanzig Jahre später kehrt Gori, geplagt von nicht endendem Heimweh, in seine Heimat zurück und findet nichts mehr, wie es war. Maddalena ist tot, die Mutter behindert und der Vater alt und gebrechlich geworden. Die in der Ferne ersehnte Heimat ist selbst fremd geworden.
Plinio Martini, der 1979 verstorbene Tessiner Autor, schildert wirklichkeitsnah und mit von unterdrücktem Zorn vibrierender Sprache das Leben der armen Bauern aus dem Maggiatal.

«Einer der erstaunlichsten Romane, die in der Schweiz je geschrieben wurden. Schliesslich gibt es in der neueren Literatur nur wenige Liebesgeschichten von der Behutsamkeit und Verhaltenheit der Geschichte von Gori und Maddalena.» Neue Zürcher Zeitung

Plinio Martini
© Limmat Verlag

Plinio Martini

Plinio Martini, geboren 1923 in Cavergno, wuchs als Sohn eines Bäckers mit sieben Brüdern in ärmlichen Verhältnissen auf. Nach seiner obligatorischen Schulzeit besuchte Martini das Lehrerseminar in Locarno und unterrichtete anschliessend in Cavergno und später in Cevio. Martini heiratete und wurde Vater von drei Kindern. In den 60er Jahren erkrankte er erstmals an einem Hirntumor, an welchem er nach jahrelangem Leiden 1979 im Alter von 56 Jahren erlag. Erste Erzählungen konnte Martini Anfang der 1950er Jahre im «Giornale del popolo» veröffentlichen. 1951 und 1953 erschienen die Gedichtbände «Paese così» und «Diario forse d'amore». 1970 folgte sein erster Roman «Il fondo del sacco», der vier Jahre später in der deutschen Übersetzung unter dem Titel «Nicht Anfang und nicht Ende» erschien. Sein zweiter Roman «Requiem für Tante Domenica» erschien 1975 in deutscher Sprache. In seinem Werk hat Martini die klischierten Tessinbilder revidiert. Er gehört längst zu den Klassikern der Tessiner Literatur.

mehr...

«Maddalena, mir ist, ...

«Maddalena, mir ist, als träumte ich.»

«Oh, wenn ich schlafe, weckt mich nicht, lasst mich nicht schlafen, wenn ich wache!», rezitierte sie, und als ich sie verständnislos ansah, erklärte sie mir, das wäre aus einem Theaterstück, das sie in der Schule gelesen hätten. Ich machte ein finsteres Gesicht, und sie fragte:

«Was hast du, Gori?»

«Dass ich so dumm bin – das habe ich.»

«Du bist nicht dumm, Gori. In der Schule warst du immer der Erste.»

Sie sah zur Hütte hinüber, streckte die Hand aus und strich mir leicht übers Haar. Ich wurde rot bis zum Nabel.

«Und wir haben das ganze Leben vor uns», sagte sie.

«Ein schönes Leben, du hier und ich in Kalifornien! Ich schlafe keine Nacht, weil ich immer daran denke.»

«Was für ein Dummkopf du doch bist!», sagte sie.

«Das weiß ich. Aber sogar wenn dein Vater uns helfen wollte – würde dir ein Mann gefallen, der erst das eine sagt und dann etwas anderes tut?»

«Nein, bestimmt nicht. Aber ein Dummkopf bist du trotzdem.» Sie streichelte der Kuh das Maul. «Die ist nicht böse, nicht wahr?»

«Nein, nur blöd – wie der Melker.»

Sie lachte fröhlich. «Natürlich bist du blöd. Es ist dir nie eingefallen, dass eine Frau auch nach Kalifornien auswandern kann.»

«Maddalena!», schrie ich.

«Du musst weitermelken, Gori, sonst merken die anderen etwas.»

«Was mir schon an den anderen liegt ...» Aber ich gehorchte und melkte langsam weiter, um die Zeit hinauszuziehen.

«Es gibt auf der ganzen Welt kein Mädchen wie dich, Maddalena», sagte ich. «Keine einzige. Aber dein Vater?»

Die Schatten wurden länger. Ich sah ihr Profil in dem goldenen Abendlicht, das sie ganz einhüllte. Ein leichter Wind erhob sich. Sie fröstelte ein wenig und zog die dicke Wolljacke, die sie um die Schultern geworfen hatte, über der Brust zusammen.

«Als Vater nach Holland ging», sagte sie, «ist Mutter ihm gefolgt. Die arme Mamma, die an der holländischen Krankheit sterben musste.»

«Amerika ist viermal so weit», meinte ich.

«Was schadet das? Und dort gibt es keinen Nebel. Wenn du eine gute Stellung hast, wird Vater mich gern zu dir fahren lassen. Und wenn er nicht will, dann schickst du mir das Reisegeld, und ich komme auf eigene Faust.»

Das sagte sie, als ob damit alles erledigt wäre.

«Nicht eine, die dir gleicht, Maddalena, und ich will hungern und darben, um das Reisegeld zusammenzubringen! »

«Ja, aber das wird gar nicht nötig sein», sagte sie. «Jetzt gehe ich. Es gehört sich nicht, dass ich zu lange bei dir bleibe.»

«Bei Antonio bist du länger geblieben!»

«Das verstehst du eben nicht, du Dummkopf!»
altravita.de, 29. März 2006
P.S., 16. März 2006
netzmagazin.ch, 143, Mai 2006
Blick, 17. Juni 2006
Magazin Schweiz, Juli 2006
Tessiner Zeitung, 14. Juli 2006
Die Grüne 15/2006
Bayerisches Landwirtschaftliches Wochenblatt, 28. November 2008
www.bookreporter.de, 27. August 2009

WochenZeitung WOZ, 21. Januar 2010
Evangelisches Sonntagsblatt aus Bayern, 31. Juli 2016
Luzerner Zeitung, 04. September 2017


«‹Nicht Anfang und nicht Ende› ist mit Sicherheit einer der schönsten Romane, die sich jemals dem Tessin widmeten. Plinio Martinis Roman ist eine Pflichtlektüre für den wirklich interessierten Lago-Maggiore-Urlauber mit dem Wunsch, etwas über die tatsächlichen Lebensbedingungen in den ach-so-romantischen Bergdörfchen zu erfahren.» Kai Tippmann, altravita.de

«Der Roman eines Auszugs, ein wichtiges Buch der Schweizer Literatur, wurde zum Glück vom Limmat Verlag wieder neu herausgegeben. Sehr empfehlenswert!» Münstergass Buchhandlung

«Ein Muss für jeden Leser, der vom Tessin mehr als nur die Sonnenseiten kennen lernen möchte.» Magazin Schweiz

«Pflichtlektüre für Tessin-Liebhaber.» Blick

«Ein schöner Roman, den ich allen Beständen wärmstens empfehlen kann.» ekz Informationsdienst

«Der Roman gibt einen authentischen Einblick in die Welt der Bergbauern vor 100 Jahren. Und er vermittelt die innere Kraft, mit der die Menschen ihr Leben gemeistert haben.» Bayerisches Landwirtschaftliches Wochenblatt

«‹Nicht Anfang und nicht Ende› ist ein trauriges und leidenschaftliches Buch. Ein Buch eines Autors, der völlig zu Unrecht über Jahrzehnte unbeachtet geblieben ist und somit ein ähnliches Schicksal erlitt wie die Menschen, über die er schrieb und wie das Land, das er liebte und an dem er litt. ... Ein eindrucksvolles Buch von einem Autor, der viel zu lange unbeachtet geblieben ist. Dem Limmat Verlag ist zu danken, dass er dem mit der Veröffentlichung der Werke Martinis ein Ende bereitet hat.» www.bookreporter.de

«Martinis ‹Nicht Anfang und nicht Ende› ist ein Literatur gewordenes Stück Sozialgeschichte.» WochenZeitung WoZ

«Ohne Sentimentalität und Rührseligkeit erzählt der Autor Plinio Martini. Er schreibt in klarer und schlichter Sprache und dennoch voller Poesie und schafft es, ungeheure Anteilnahme für die Menschen zu wecken. Ein zutiefst beeindruckendes Buch.»  Evangelisches Sonntagsblatt aus Bayern

«Die Texte Martinis sind derart von tiefer Melancholie, von verhaltenem Zorn und Trauer geprägt, dass dieser strahlende Sommertag, an dem ein gutes Dutzend Menschen auf den Spuren des Dichters das Tal erkundet, kaum zu ihnen passen will. Doch wer das Valle Bavona nicht kennt, kann die Tiefe, die Schönheit und die Präzision des Werkes von Martini kaum erkennen.»
Luzerner Zeitung

Captcha

Ihre Meinung ist uns wichtig. Bitte nehmen Sie sich einige Minuten Zeit und teilen Sie uns Ihre Meinung zu diesem Buch mit. Alle Rückmeldungen werden auch an die Autoren und Autorinnen weitergeleitet. Herzlichen Dank.