Weggehen ehe das Meer zufriert
Laure Wyss

Weggehen ehe das Meer zufriert

Fragmente zu Königin Christina von Schweden

220 Seiten, Broschur
Februar 2001
SFr. 19.80, 19.80 €
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978-3-85791-363-1

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Schlagworte

Geschichte
     
Laure Wyss lebte während des Zweiten Weltkriegs in Schweden. Eigenes und Fremdes, Fernes und Nahes spiegeln sich in ihrer Recherche zu Christina von Schweden. Voltaire nannte sie ein Genie, Descartes gestand: «Ihr Geist ist höchst ausserordentlich, sie hat alles gesehen, alles gelesen, sie weiss alles.» – Was ist das für eine Frau, die mitten in den Wirren des dreissigjährigen Krieges Königin wird, nach zehnjähriger Herrschaft abdankt, ihre Heimat verlässt, zum Katholizismus konvertiert und mit Pomp und päpstlichem Segen in Rom einzieht?

Laure Wyss begibt sich in ihren eindringlichen, sensiblen «Fragmenten» auf die Suche nach dem «tiefen Urgrund», aus dem die rebellische Barockkönigin ihre Entscheide traf. Sie begleitet Christina auf ihrer verwegenen Reise nach dem Traumland Italien, klopft an die Tür ihres Palazzos in Rom, lauscht den Gesprächen mit ihrem Geliebten, Kardinal Azzolino, verfolgt ihren Einfluss auf Kunst, Kirche und Politik, ihren Kampf für den Weltfrieden.

Was immer Laure Wyss aus dem fernen 17. ins Licht des 20. Jahrhunderts hebt, erscheint uns geheimnisvoll vertraut – wie am Ende das Leben dieser stolzen, eigenwilligen Frau, Königin Christina von Schweden, die von sich selbst sagte: «Ich bin frei geboren, ich lebe frei, ich werde befreit sterben.»
Laure Wyss
© Ruth Vögtlin

Laure Wyss

Laure Wyss ist am 20. Juni 1913 in Biel/Bienne geboren und dort in die Schule gegangen. Nach der Matura (1932) Sprachstudium in Paris, Zürich, Berlin. Abschluss in Zürich, Lehrerinnenpatent für Deutsch und Französisch, Heirat. Die Kriegsjahre erlebt sie in Schweden und Davos. Sie übersetzt für den «Evangelischen Verlag», auf Anregung des Leiters Arthur Frey aus dem Schwedischen, Norwegischen und Dänischen Widerstandsschriften der skandinavischen Kirchen gegen die deutsche Besatzungsmacht.

1945 Scheidung und fortan in Zürich wohnhaft. 1946 –1948 Redaktorin beim «Schweizerischen Evangelischen Pressedienst». 1949 Geburt eines ausserehelichen Kindes und freie Journalistin. 1950—1962 als Redaktorin beim «Luzerner Tagblatt»; 1958—1967 Redaktorin beim Schweizer Fernsehen. Sie gestaltet das erste Programm für Frauen, später die Diskussionssendung «Unter uns». 1962 tritt Laure Wyss in die Redaktion des «Tages-Anzeigers» ein. 1970 Mitbegründerin des «Tages-Anzeiger Magazins». Seit ihrer Pensionierung 1976 als Schriftstellerin und freie Journalistin für Zeitungen und Radio tätig. Für ihre literarische Arbeit wird sie vielfach ausgezeichnet, u.a. mit dem Werkjahr der Max-Frisch-Stiftung, dem Grossen Literaturpreis des Kantons Bern und der Goldenen Ehrenmedaille des Kantons Zürich. Laure Wyss starb am 21. August 2002 in Zürich.

 

Zur Biografie von Laure Wyss siehe auch:

Barbara Kopp: Laure Wyss. Leidenschaften einer Unangepassten

Ernst Buchmüller: Laure Wyss. Ein Schreibleben, DVD

Corina Caduff (Hg.): Laure Wyss: Schriftstellerin und Journalistin

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Einleitung

Christina, die Tochter der Maria Eleonora von Brandenburg und des Gustav II. Adolf war sechsjährig, als sie in der Nachfolge ihres Vaters, der bei Lützen gefallen war, König von Schweden wurde. Das war 1632. Regierende Herrscherin wurde sie im Alter von 18 Jahren. Christina war eine aussergewöhnlich gebildete Frau. Sie berief an ihren Hof in Stockholm hervorragende Gelehrte, unter anderen den Philosophen Descartes. Als Mädchen erhielt Christina ihre politische Erziehung von Reichskanzler Axel Oxenstierna. 1654, nach zehnjähriger Regierungszeit, dankte sie ab, verliess Schweden, konvertierte zum Katholizismus. Im folgenden Jahr zog sie in Rom ein. Hier befreundete sie sich mit Kardinal Azzolino, hier lebte sie ein wechselhaft buntes, ein weit ausfächerndes Leben bis zu ihrem Tod im Jahre 1689. Königin Christina war 63 Jahre alt geworden. Ihre Grabstätte: in der Gruft von St. Peter.

Ihre Zeit bewunderte und verachtete Königin Christina gleichermassen; und ihre vielen späteren Interpreten sehen sie als umstrittene Persönlichkeit: ein Leben zwischen Stolz und Tragik. Diese hervorragende Frau, privilegiert durch Geburt und Erziehung, ausgestattet mit strahlenden Geistesgaben, ist für uns zunächst einmal zugedeckt von den vielen Daten des Dreissigjährigen Krieges und dessen Folgen für das Europa des 17. Jahrhunderts und ist nicht loszulösen von den Händeln und heftigen Auseinandersetzungen der barocken Epoche. Ist die Frage beantwortet, aus welch tiefem Grund die schwedische Königin ihre schwerwiegenden Entscheide traf? Wir notieren ihre Unternehmungen, wir sehen ihre Gestalt, ihr Gesicht, doch kennen wir ihre Seele?
«In ihrem sehr genauen Bericht über Christina gelangt Wyss immer wieder an die Abgründe, die deren Zeit von unserer trennen. Und sie gibt unserer Zeit entlang diesen Abgründen ihre Kontur. So wirkt die literarische Form der Montage, das Springen zwischen den Zeiten weder spielerisch noch einfach souverän, und es ergibt sich daraus auch keine runde, keine abgeschlossene Geschichte. Es sind, wie die Autorin selber sagt, Fragmente, Bruchstücke. Dass sie das Ungeschliffene dieser Bruchstücke auf sich genommen hat, verleiht dem Text seine Glaubwürdigkeit und seine Grösse.» WochenZeitung

«Was die Autorin nach sorgfältigen Recherchen vorlegt, sind höchst anregende Bruchstücke einer Individual- und Zeitbiographie ... Es ist ein kostbares Fragment entstanden, das dem Leser eine ungemein inspirierende Lektüre schenkt.» Luzerner Zeitung

«Es ist ein Vorzug des Buches, dass es Schritt für Schritt Türen öffnet für immer wieder neue Fragen, Themen und Probleme, die im Umfeld dieser königlichen Gestalt in einer schwierigen Zeit aufgefächert und angeschnitten werden: Ebenen menschlichen Daseins, die es zu ergründen gilt.» Der Landbote

«Die Fragmente sprechen für sich und sind lesbarer als eine minutiöse Seelenzugliederung. Die Form dieser literarischen Annäherung ist eigenwillig und gewöhnungsbedürftig, ganz wie die Königin.» Deutsche Tagespost

«Selbst eine Frau, die zeitlebens Unabhängigkeit liebte und suchte, nähert sich Laure Wyss mit Sensibilität und Behutsamkeit dem Kind Christina im düsteren Stockholmer Schloss, der hoch gebildeten, in Staatsgeschäften geschickte Herrscherin und der in Würde abgedankten, im katholischen Rom Wissen, Schönheit und Weisheit Suchenden.» Gustav-Adolf-Blatt, Leipzig

«Die ehrlich, offene Art der Erzählung erleichtert mancher Frau sich darin wiederzufinden. Sie wird bestärkt, ihren Weg gemeinsam mit anderen zu gehen.» Bibliotheks- und Medienberatungsstelle, Luzern

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