Was wir nicht sehen wollen, sehen wir nicht
Laure Wyss

Was wir nicht sehen wollen, sehen wir nicht

Journalistische Texte

Herausgegeben von Elisabeth Froehlich

280 Seiten, 16 x 24 cm, Broschur
Januar 1987
SFr. 34.–, 36.– €
sofort lieferbar
978-3-85791-131-6

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Schlagworte

Literatur
     
Als wir noch im Laufgitter waren und als von Klugen und Einsichtigen die Stäbe des Laufgitters beim Namen genannt wurden, handelte es sich um einen Kampf der Unterdrückten gegen ihre Unterdrücker. Nun sind die Eckpfeiler des Gitters gefallen, viele, noch nicht alle, sind ausgebrochen, tun erste Schritte im «Freien». Es ist aber eine Männerwelt, in der wir uns bewegen, von Männern bestimmt, von ihnen geprägt, nach ihrem Gesetz, ihrem Dafürhalten, ihrem Wohlwollen, ihrer Preisverteilung eingerichtet. Das Spiel der Unterdrückung geht weiter, schreien die Feministinnen, entlarven und verweigern Kinder. Zu Recht. Wer den Feminismus nicht als Hauptberuf wählte –, wer sich dieser Welt ausserhalb des Laufgitters anpasste, wer seine berufliche Karriere selbstverständlich absolvierte, der sieht nach einiger Zeit, dass er sich in einer Welt befindet, in der ein Frauenleben sich nicht verwirklichen lässt. Vorläufig muss Störung sein.
Laure Wyss
© Ruth Vögtlin

Laure Wyss

Laure Wyss ist am 20. Juni 1913 in Biel/Bienne geboren und dort in die Schule gegangen. Nach der Matura (1932) Sprachstudium in Paris, Zürich, Berlin. Abschluss in Zürich, Lehrerinnenpatent für Deutsch und Französisch, Heirat. Die Kriegsjahre erlebt sie in Schweden und Davos. Sie übersetzt für den «Evangelischen Verlag», auf Anregung des Leiters Arthur Frey aus dem Schwedischen, Norwegischen und Dänischen Widerstandsschriften der skandinavischen Kirchen gegen die deutsche Besatzungsmacht.

1945 Scheidung und fortan in Zürich wohnhaft. 1946 –1948 Redaktorin beim «Schweizerischen Evangelischen Pressedienst». 1949 Geburt eines ausserehelichen Kindes und freie Journalistin. 1950—1962 als Redaktorin beim «Luzerner Tagblatt»; 1958—1967 Redaktorin beim Schweizer Fernsehen. Sie gestaltet das erste Programm für Frauen, später die Diskussionssendung «Unter uns». 1962 tritt Laure Wyss in die Redaktion des «Tages-Anzeigers» ein. 1970 Mitbegründerin des «Tages-Anzeiger Magazins». Seit ihrer Pensionierung 1976 als Schriftstellerin und freie Journalistin für Zeitungen und Radio tätig. Für ihre literarische Arbeit wird sie vielfach ausgezeichnet, u.a. mit dem Werkjahr der Max-Frisch-Stiftung, dem Grossen Literaturpreis des Kantons Bern und der Goldenen Ehrenmedaille des Kantons Zürich. Laure Wyss starb am 21. August 2002 in Zürich.

 

Zur Biografie von Laure Wyss siehe auch:

Barbara Kopp: Laure Wyss. Leidenschaften einer Unangepassten

Ernst Buchmüller: Laure Wyss. Ein Schreibleben, DVD

Corina Caduff (Hg.): Laure Wyss: Schriftstellerin und Journalistin

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«Wer das Buch einmal in den Händen hält und sich vornimmt, hier nun wenigstens genau hinzuschauen, könnte etwas entdecken: journalistische Kultur. Dass sie heute selten ist, bedeutet ja nicht, dass es sie nicht gibt.» Die Weltwoche

«Die Sprache von Laure Wyss ist knapp und einfach, ist prägnant, pointiert, angriffig, ist sachlich und betont beiläufig - und schliesst Leserinnen und Leser in eine gemeinsame Verbindlichkeit ein. Ich wünsche diesem Buch auch viele männliche Leser.» Neue Zürcher Zeitung

«Laure Wyss ist in all den Jahren ihren eigenen Weg gegangen, unbeeinflusst von journalistischen Trends und Modethemen. Diese starke und mutige Haltung gibt den Texten, auch aus zeitlicher Distanz gelesen Aktualität.» Der Bund
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