Die Italienerin
Geschichte eines Lebens
Übersetzt von Peter Sidler
gebunden mit Schutzumschlag, 240 Seiten
vergriffen
August 2000ISBN 978-3-85791-349-5Die Verkäuferin Marie-Rose De Donno spricht die Schriftstellerin Sylviane Roche in einem Modegeschäft an: «Ich habe etwas zu erzählen, was eine Autorin interessieren könnte.» Sie verabreden sich. Marie-Rose beginnt, ihr Leben zu erzählen, aus den Erzählungen entstehen ein Buch und eine Freundschaft.
Das Leben der Marie-Rose De Donno ist mehr als «romanhaft»: Ihr Herkommen in Süditalien ist geprägt von Hunger, einem Alkoholiker-Vater und gesellschaftlicher Ächtung. Unter harten Bedingungen wächst sie an wechselnden Orten in Italien und der Schweiz auf. Ihre Ehe in Süditalien scheitert, und schliesslich verliert sie ihren 20-jährigen Sohn auf mysteriöse Weise.
Die Geschichte ihres Lebens ist ein aufwühlender Bericht einer Reihe von Schicksalsschlägen und gleichzeitig der Bericht einer Befreiung und Integration mit enormer Kraft und bewundernswertem Mut.

Bildrechte: Limmat Verlag

Bildrechte: Limmat Verlag
Pressestimmen
Neue Zürcher Zeitung, 19. September 2000
Neue Luzerner Zeitung, 26. September 2000
«Ein feinfühliger Bericht, der einem das Herz zerreisst.» France Loisir
«Es ist eine Geschichte wie viele andere Geschichten von Frauen möglicherweise. Doch sie wirft ein Licht auf das, was Frauen aus dem Süden zu uns treibt. Auch wenn sie keine Heiligen sind, ist es gewiss eine Bereicherung, solche Menschen unter uns zu haben. Das Buch ist damit auch ein Beitrag zur Diskussion um die Beschränkung der Immigration aus der Feder zweier Frauen.» Neue Luzerner Zeitung
«Marie-Rose De Donnos Geschichte haftet keine Larmoyanz an - eher hinterlässt sie Schrecken und ein ehrliches Staunen zugleich.» Neue Zürcher Zeitung
Entdecken
Nun, das ist also die Geschichte meiner Geburt. Du siehst, es fängt schon gut an.
Mein Vater war Bauer und Aufseher im Weinberg. Er hatte kein eigenes Land, wohlverstanden. Zur Zeit der Weinlese stellten die Besitzer bewaffnete Männer an, um die Erntearbeiter davon abzuhalten, sich zu bedienen. Mein Vater war einer dieser Aufseher. Er war ein grosser, hagerer, stark behaarter Mann. Oft trug er einen schwarzen Anzug mit einer Schirmmütze und ein Gewehr an der Schulter. Für mich ist er eine sehr wichtige Figur. Er bleibt mir in Erinnerung als einer, der Eindruck macht. Aber er küsste mich nie, er streichelte mich nie, und das fehlte mir.
Im Sommer also wohnten wir auf dem Land. Das war eine gute Zeit. Mein Vater pflanzte auch Tabak an, den meine Mutter und meine Geschwister zum Trocknen auffädelten. Im Sommer war das Leben einfach und glücklich. Es gab Gemüse, Früchte. Siehst du, das ist eine meiner besten Kindheitserinnerungen: nicht zu hungern.
Im September oder Oktober dagegen musste man in die Stadt zurückkehren, und dann verschlechterte sich die alles. Mein Vater hatte im Winter keinen Verdienst. Er fand keine Arbeit, und dazu vertrank er noch das wenige Geld, das wir hatten. Ich erinnere mich an die abendlichen Szenen zwischen meinen Eltern. Wir hatten keine Elektrizität, also legte man sich schlafen, sobald es dunkel wurde, um Petrol zu sparen. Meine Mutter strickte im Bett im Licht einer kleinen Lampe.
Und dann kam mein Vater nach Hause …
