Heisse Fäuste im Kalten Krieg
Antikommunistischer Krawall beim Bahnhof Zürich Enge 1957
Mit Texten von Mario Gmür, Ueli Mäder
1. Auflage, gebunden, 132 Seiten, Fotografien s/w
Mai 2019Am 11. August 1957 stand an der Leuchtwand am Bahnhofplatz in Zürich zu lesen: «Die Schweizer Moskauwallfahrer kommen heute Abend um 22.25 in Zürich-Enge an. Wie wird sie die Zürcher Bevölkerung empfangen?» Gemeint war eine Gruppe von Schweizerinnen und Schweizern, die von den Weltfestspielen der Jugend und Studenten aus Moskau zurückkehrten. Gegen sie wurde schon im Vorfeld gehetzt, auch in den Medien. Und so erwarteten sie am Bahnhof Enge Hunderte von Demonstranten, um den «Landesverrätern» eine Lektion zu erteilen. Die Situation eskalierte, die Rückkehrer wurden angegriffen, verprügelt und mit Waffen bedroht.
Rafael Lutz hat dieses Ereignis – das in der Schweizer Geschichtsschreibung bisher höchstens eine Fussnote wert war – systematisch aufgearbeitet. Es steht sinnbildlich für den damals in der Schweiz herrschenden Antikommunismus, der Ausbruch der Gewalt zeugt von der stetig wachsenden Angst vor der totalitären Sowjetunion hinter dem Eisernen Vorhang und deren fünften Kolonnen im eigenen Land. Der Vorfall illustriert aber auch, wie der Kampf gegen dieses vermeintlich Böse immer mehr auf Kosten der Freiheit der eigenen Bevölkerung geführt wurde.
Pressestimmen
«Rafael Lutz beschreibt das Ereignis in einem Buch detailgetreu – aus einer linken Perspektive. Und geht der Frage nach: Wie konnte es so weit kommen?» Blick
«Rafael Lutz’ detaillierte und fesselnd geschriebene Recherche beleuchtet die Hintergründe der antikommunistischen Krawalle 1957 und verarbeitet eine vergessene Episode Schweizer Geschichte.» Der Funke
«Rafael Lutz hat ein Stück neuere Schweizer Geschichte dokumentiert, das kaum bekannt ist. Er tut es auf spannende Weise, bringt Zeitzeugen zu Wort und zeigt auf, wie einseitig die Deutschschweizer Presse berichtet hatte.» Infosperber
«Eine vergessene Episode, die zu denken gibt: Hetze, Gewalt und Hassreden gegen Linke waren einst an der Tagesordnung, wie auch heute wieder, wenn die SVP ihre Gegner als Würmer darstellt.» workzeitung.ch
«Ein Musterbeispiel einer Massenhysterie. Es zeigt auf, zu welchem Grad der Enthemmung sonst friedliche Bürger jederzeit und überall fähig sind, wenn man ihnen nur genügend einheizt, ihre Ängste schürt und ihnen geeignete Feindbilder zur Verfügung stellt. Das Buch zeigt ein erschreckendes Bild einer Schweiz, die in ihrem antikommunistischen Furor mehr als nur eine moralische Leitlinie zu überschreiten bereit war.» NZZ am Sonntag
«Dieses Buch ist ein Beginn der Aufarbeitungsarbeit der progromartigen Auswüchse der 1960er-Jahre. Wertvoll und unbedingt lesenswert.» vorwärts
