Fünf Jahreszeiten

Fünf Jahreszeiten

Roman

gebunden, 1. Auflage, 200 Seiten

Oktober 2020
SFr. 28.–, 24.– € / E-Book SFr. 24.–
ISBN 978-3-85791-857-5
Preise und Auszeichnungen
Literaturpreis «Das zweite Buch» der Marianne und Curt Dienemann-Stiftung
*Leseprobe

Sie hat ihren Master in Filmwissenschaften abgebrochen und arbeitet im Kunstmuseum als Aufseherin. Während ihr Arbeitskollege Nikola unter der Treppe schläft, beobachtet sie den Staub im Sonnenlicht, lauscht den Stimmen der Kunstvermittlerinnen, wartet, dass die Zeit vergeht. In der Stille werden ihre Gedanken laut, die weissen Wände füllen sich mit Erinnerungen, an Adam, ihren Geliebten, den sie aufgegeben hat für Manuel, ihren Freund. Unentschlossen streift durch die Stadt, trifft den alten Paul, lässt sich treiben zwischen Resignation und Hoffnung, trauert um den verlassenen Geliebten, den verstorbenen Vater, vermisst die Mutter, die nicht anwesend ist.

«Fünf Jahreszeiten» erzählt eine Episode aus dem Leben einer jungen Frau, in der nichts und alles möglich scheint und sich doch Entscheidungen aufdrängen – musikalisch, poetisch, mit leisen Tönen und von grosser Dringlichkeit.

Schlagworte
Literatur
Meral Kureyshi
Bildrechte: Matthias Günter

Meral Kureyshi, geboren 1983 in Prizren, kam 1992 mit ihrer Familie in die Schweiz und lebt in Bern. Sie studierte Literatur und Germanistik und arbeitet als freie Autorin. Ihr erster Roman «Elefanten im Garten» war nominiert für den Schweizer Buchpreis, wurde mehrfach ausgezeichnet und in viele Sprachen übersetzt. Ihr zweiter Roman «Fünf Jahreszeiten» wurde im Manuskript ausgezeichnet mit dem Literaturpreis «Das zweite Buch» der Marianne und Curt Dienemann-Stiftung. 2020 wurde sie zu den Tagen der Deutschsprachigen Literatur nach Klagenfurt eingeladen (Bachmannpreis). Für «Im Meer waren wir nie» erhielt sie 2025 einen Literaturpreis des Kantons Bern.

Porträt der Autorin von Alexander Sury im «Bund»: «Gedichte hat sie wie Luft eingeatmet»

«Mitte Oktober ist das heißersehnte Buch endlich da und so vielversprechend wie das vorige Werk der Autorin. Es erzählt von einer jungen Frau, die nach ihrem abgebrochenen Filmwissenschaftsstudium als Aufseherin in einem Kunstmuseum arbeitet – und darauf wartet, dass die Zeit vergeht. Ein wunderbar poetisches Werk, das mit seiner unaufdringlichen, aber bedeutungsvollen Handlung perfekt in melancholische Herbsttage und zu einer Tasse Tee unter der wärmenden Decke passt.» Harper’s Bazaar

«Meral Kureyshis Stil ist lakonisch und zugleich poetisch. Sie spielt raffiniert mit Zeitebenen, mit Gegenwart und Vergangenheit, und manchmal muss man in der Lektüre innehalten, um einen Textteil korrekt auf einem Zeitstrahl zu situieren. Die Leserin fühlt sich so orientierungslos und schwebend wie die Erzählerin, wenn der Text unvermittelt in die Vergangenheit schweift - und darin liegt eines der grossen Stärken des Romans.» Johanna Nowotny, Der Bund

«Poetisch und bildhaft nimmt einen ihr neuer Roman mit allen Sinnen mit. Man darf da ruhig ein bisschen ins Schwärmen kommen.» Hansruedi Kugler, Tagblatt

«Als Folgeroman stellt ‹Fünf Jahreszeiten› den durchaus gelungenen Versuch dar, sich vom engen Label ‹Migrationsliteratur› zu emanzipieren, ohne darüber die Fragilität von Herkunft und Identität als existentielles Thema fallen zu lassen: Denn auch in diesem Roman ist es zuletzt die Steinbrücke, jener symbolische Ort des Dazwischen, von dem aus die Erzählerin das Neujahrsfeuerwerk beobachtet, während sich tief unter ihr - unaufhaltsam - der Fluss seinen Weg durch die nächtliche Winterlandschaft bahnt.» Salomé Meier, Schweizer Buchjahr

«Kureyshis Lesung aus ‘Fünf Jahreszeiten’ in Klagenfurt beim renommierten Ingeborg-Bachmann-Preis hat ihr den Vorwurf ‘Befindlichkeitsprosa’ eingebracht, der allzu schnell an Autorinnen vergeben wird. Auch wurde der Text als ‘schlaffer Händedruck’ bezeichnet. Das trifft nur insofern zu, als Kureyshi sich wagt, einen auf den ersten Blick sehr roman­tischen Ton anzuschlagen und über feine und leise Themen wie Orientierungslosigkeit, Überforderung, Stillstand und Liebe zu schreiben. Genau dieses Verharren im Unentschlossenen, dieses An-Ort-Treten der Protagonistin ist schwer zu ertragen – aber psychologisch betrachtet umso spannender und herausfordernder. Es macht nämlich deutlich, wie schwer es uns in unserer Gegenwart fällt, unscharfe Bilder, Zögern, Zaudern und Stille auch nur vorübergehend auszuhalten.» Katja Zellweger, Berner Kulturagenda

«Was ‘Fünf Jahreszeiten’ zu einer aufregenden Lektüre macht, ist die Art, in der Meral Kureyshi ihre Geschichte erzählt. Statt einen dramatischen, chronologisch geführten Plot um Liebe, Leidenschaft, Begehren und Eifersucht zu entwickeln, lässt die Autorin ihre Geschichte im Fluss des Alltäglichen dahingleiten. Unvermittelt gehen Vergangenheit und Gegenwart, Geschehen und Gedanken dabei ineinander über. Die Zeit dehnt sich und zieht sich zusammen. Es geht in diesem Roman auch oder vor allem um Zeit, um Vergänglichkeit und die Flüchtigkeit des Moments.» Nadine Kreuzahler, rbbKultur

«Unbestimmtheit als Lebensgefühl, und auch die Sprache fließt: Meral Kureyshi beschreibt in ‘Fünf Jahreszeiten’ die Situation eines anhaltenden Übergangs.» Cornelia Geißler, Frankfurter Rundschau

«‹Fünf Jahreszeiten› betont die Kontinuität zum Erstling; doch während der Roman im Wort ‹Erstarren› endet, tritt die Autorin mit dem zweiten Buch aus der autofiktionalen Migrationsthematik des Debüts heraus. Man kann dies als Einspruch gegen längst zum Klischee gewordene Labels und Erwartungshaltungen im Literaturbetrieb verstehen. Schon deshalb wird man auch Kureyshis nächstes Buch lesen wollen.» Daniel Graf, Republik

«Die Autorin, die in Bern ein Lyrikatelier führt, ist eine genaue Beobachterin und zeigt die Dinge oft in neuem Licht. Eine Schule des Sehens, wo Nebensächlichkeiten ins Zentrum gehoben werden. So sucht der Roman nicht das Spektakuläre, Vordergründige, sondern lenkt den Blick hinter die Dinge, gibt Peripherem Gewicht und dehnt die Zeit.» Edith Fritschi, Schaffhauser Nachrichten

«Die Stimmungen eines jungen Menschen, die besondere Sensibilität in einem Schwebezustand wird von der Autorin gut erfasst.» p.s. Zeitung

«Leise und melancholisch, ein wenig wie ein verschneiter Wintertag.» Annik Hosmann, Züritipp

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