Blätterteig und Völkerball

Blätterteig und Völkerball

Eine Jugend im Schatten des Stanserhorns

Mit einem Vorwort von Peter von Matt

gebunden, // bitte wenden Sie sich für Bestellungen an den Verlag., 256 Seiten, 26 Abb.

September 2007
SFr. 34.–, 36.– €
ISBN 978-3-85791-532-1

Wenige Schritte vom Dorfplatz Stans beginnt die Schmiedgasse, eine Gasse mit einem besonderen Zusammengehörigkeitsgefühl. In dieser Gasse übernahmen 1956 Tony Ettlins Eltern eine Bäckerei.
Mit sorgfältig gezeichneten Erinnerungen erzählt Tony Ettlin zuerst von seinen ersten sechs Jahren auf einem Bauernhof ausserhalb des Dorfs. Dort lebt die Familie mit vier Kindern in einer Dreizimmerwohnung zur Miete. Trotz der Enge ist es eine intakte Kindheit in ländlicher Umgebung.
Aus der Schmiedgasse erfahren wir von Arbeit und Alltag in der Bäckerei. Auch von einfachen, alten Spielen wie 'Lechlä', 'Chreislä', 'Strässlä' berichtet Tony Ettlin, und von der Schule, wo ein paar deftige Schläge 'noch keinem geschadet' haben. Von Erbstreitereien, von den 'Ferien' auf der Alp bei Onkel Walti, der oft tagelang kein Wort sprach, oder von der Entdeckung des weiblichen Körpers in der Badeanstalt. Vom ganzen Kosmos eines Dorfs in den Fünfzigerjahren, nie beschönigend, aber auch nie denunzierend.

Tony Ettlin
Tony Ettlin, 1950 in Stans NW geboren, Jugend in der «Freien Republik Schmiedgasse», Stans, Verkehrsschule in Luzern, berufliche Tätigkeit bei der Swissair, Studium in Organisationspsychologie in Zürich, seit 1987 selbständiger Berater für Organisationsentwicklung. Tony Ettlin lebt in Uitikon ZH.
Siesta, Schweizer Radio DRS 1, 9. Oktober 2007
Nidwaldner Zeitung, 9. Oktober 2007
Glarean Magazin, 18. Oktober 2007
onlinequer.ch, 5. November 2007
Neue Zürcher Zeitung, 24. November 2007
Kulturmagazin, 1. Dezember 2007
Basler Zeitung vom 4. Januar 2008
Der Sonntag, 24. Januar 2008
Anzeiger Luzern, 5. März 2008
Schule und Leben, 1/2008
Limmattaler Zeitung, 28.September 2017

«Die frühen Jahre, in denen der kleine Tony rasch Arbeitspflichten übernehmen musste, stehen unter den Zeichen materieller Einschränkung, der Sehnsucht nach Selbstbehauptung und Zugehörigkeit. Ettlin erzählt von Schattenseiten ohne Larmoyanz. In leuchtender Intensität und mit grosser Genauigkeit beschreibt er Spiele und sportliche Veranstaltungen, aber auch das Schulleben mit seinen drakonischen Körperstrafen. So entsteht die Dokumentation einer ländlichen Jugend vor fünfzig Jahren in vielen sprechenden Einzelheiten.» Neue Zürcher Zeitung

«Blätterteig und Völkerball - ein Buch führt zurück in das Stans der 50er und 60er Jahre. Kein Nostalgiekitsch, sondern unbeschönigt berichtet Tony Ettlin in seinem Buch über seine Kindheit im Schatten des Stanserhorns.» onlinequer

«Der Mann kann schreiben! Einfach, verständlich, stilsicher, faktenreich. 400 Franken für eine sechsköpfige Familie, die Möbel waren Lebensanschaffungen, die Mutter eine «Chrampferin», aber die ländliche Idylle war unversehrt, der Wirtschaftsaufschwung verlässlich. Sozialkritik? Es genügt ja Unbestechlichkeit: festzuhalten, was in vier Jahrzehnten verloren ging, die Spiele, Wildheuen, Mosten, Melken mit der Hand... und wo das Geburtshaus stand, ist heute die Migros. Lesenswert.» Basler Zeitung

«Tony Ettlin gelingt es, nochmals in die Haut des kleinen Jungen zu schlüpfen, der mit all seinen Sinnen das Leben in seiner unmittelbaren Umgebung erfasst und auf eigene kindliche Weise interpretiert.» Schule und Leben
Der Unterhaltungsabend im Theater an der Mürg war ein weiterer Höhepunkt im Turnerjahr. Im Herbst, wenn die Turnfeste vorbei waren und nur noch Wettkämpfe der spezialisierten Kunstturner stattfanden, kam der Oberturner mit einer Programmidee in die Turnhalle. Er nahm uns das Versprechen ab, das Motto des Turnerabends nicht zu verraten. Dann wurden Ideen gesammelt, wie das Motto in turnerischen, kabarettistischen, tänzerischen und theatralischen Nummern umgesetzt werden könnte.

Der «Schulhaus-Bärti» und der Christen Walti übernahmen die Aufgabe, aus den Ideen ein Programm zusammenzustellen. Sie selbst waren schon als Clownduo mit akrobatischen Einlagen gesetzt. In einer der nächsten Turnstunden stellten sie uns das Programm vor. Wir meldeten uns, wo wir mitwirken wollten, dann wurden Aufträge verteilt, und die einzelnen Gruppen begannen ihre Nummern auszubauen und zu proben. Das gleiche Prozedere wurde im Damenturnverein, in der Männerriege und in der Jugendriege durchgespielt. Es wurde intensiv geprobt, Musik ausgewählt, Kulissen wurden entworfen und gebaut, Kostüme geschneidert, neue Ideen geprüft und verworfen.

Alle Fäden liefen bei Bärti und Walti zusammen. Sie entschieden, ob eine Idee realisierbar war oder überarbeitet werden musste. Sie hatten auch immer eine Verbesserungsidee, da sie beide geborene Komiker waren. Aber auch sonst war das Reservoir von komischen Naturtalenten fast unerschöpflich. Wahrscheinlich lag es daran, dass die meisten keine Hemmungen hatten, ihre eigene Art auf der Bühne zu zeigen. Im November gab es eine erste Hauptprobe. Alle Beteiligten versammelten sich in der Turnhalle, und das ganze Programm wurde im Rohzustand durchgespielt. Es lag eine knisternde Theateratmosphäre in der Luft. Die erotische Spannung kam von den Damenturnerinnen in ihren enganliegenden Turnanzügen. Es kam sonst nie vor, dass Frauen und Männer gleichzeitig in der Turnhalle trainierten. Ich merkte, dass es nicht nur für mich als scheuer Jüngling eine aufregende Situation war, so nah und so leicht bekleidet mit Frauen zusammen zu sein. Alle, auch die älteren Turner und Turnerinnen, benahmen sich ungewohnt. Es wurde geschäkert und über zweideutige Sprüche gelacht, manch einer errötete, wenn seine Darbietung etwas ungelenk ausfiel, und vor allem die gemischten Nummern mussten mehrmals wiederholt werden, weil Mann und Weib nicht bei der Sache war. Nach der Turnstunde war es Brauch, in der «Melacherä» oder im «Hirschen» noch etwas zu trinken. Auch das war an diesem Abend speziell, denn Frauen und Männer gingen gemeinsam, alle ungeduscht, da es nur eine Dusche gab, und gemeinsam zu duschen wäre dann doch weit jenseits der Anstandsgrenze gewesen.