Finale
Roman
gebunden, 1. Auflage, 240 Seiten
August 2010Diesmal erwischt es die Bergführerin Andrea Stamm selbst. Am Ende der Kletterwoche in Finale Ligure stürzt sie ab und verletzt sich schwer. Während der chaotischen Rettungsaktion kommt sie wieder zu Bewusstsein. Wurde ihr die eigene Routine zum Verhängnis? Oder machte der schweigsame Alte der Gruppe einen Fehler beim Sichern? Die einzige Augenzeugin verschwindet ohne jede Spur. Eine rätselhafte sms lässt Andreas Freund Daniel an einem Unfall zweifeln. Er fügt Erinnerungsfetzen zusammen, und ein erschreckendes Bild entsteht. Während er vor Ort recherchiert, läuft die Zeit für seine Bewerbung zum Chefarzt ab. Eine Entscheidung ist gefragt – Beziehung oder Karriere? Mit «Finale» gelingt Emil Zopfi nach «Steinschlag» und «Spurlos» ein weiterer fesselnder Kriminalroman mit der Bergführerin Andrea Stamm.

Bildrechte: Marco Volken
Emil Zopfi, geboren 1943, studierte nach einer Berufslehre Elektrotechnik und arbeitete als Computerfachmann und Erwachsenenbildner für Informatik und Sprache. Autor von Romanen, Hörspielen, Kinder- und Jugendbüchern. Er lebt heute als Schriftsteller in Zürich. Sein Werk wurde vielfach ausgezeichnet, u. a. mit dem Schweizer Jugendbuchpreis, dem Kulturpreis des Kantons Glarus und dem Albert Mountain Award.
Pressestimmen
Die Alpen, Nr. 2 2011
SRF Kultur Talk, 17. Juli 2025
«Zopfi kennt die Menschen am Berg und überzeugt mit treffenden Charakterisierungen.» Brigitte
«Stück für Stück, umgeben von gleichzeitig präziser und poetischer Sprache, nähert man sich dem Ende. Auf den handelsüblichen Showdown mit Schiesseisen und Geschrei verzichtet Zopfi. Aber auf ein überraschendes Finale und eine echte Krimileiche darf man sich dennoch freuen.» Die Alpen, Robert Steiner, Memmingen
«Glücklicherweise hat Emil Zopfi mehr zu bieten als die banale Jagd nach dem Täter. Jene Charaktere, denen er seine besondere Aufmerksamkeit zuteil werden lässt, überzeugen durch eine für das Genre nicht alltägliche Komplexität. In den behutsamen Psychogrammen, die Zopfi ihnen widmet, liegt der Reiz dieses Romans.» Schweizer Monatshefte
«In seiner schnörkellosen, geduldigen Sprache meisselt Zopfi die Handlung in eine alpine Szenerie, in der die Luft so dünn und der Alltag weit weg genug ist, dass in den Figuren bald ungeahntes auf funkelt wie klarer Bergkristall.» Züritipp
«Wer sprachliche Raffinesse schätzt, ist bei Emil Zopfi richtig. Dem begeisterten Sportkletterer, der sich schon oft im ligurischen Klettergebirge bewegte, gelang mit ‹Finale› ein weiterer, spannender Bergkrimi.» Tages-Anzeiger outdoor-Blog
«Diese Mischung aus Aufgeben und Aufbruch verpackt in einer unglaublich schöne Sprache kennt man sonst nur von den grossen isländischen Schriftstellern. Es kommt nicht von ungefähr, dass Zopfi für den wichtigsten deutschsprachigen Krimipreis nominiert worden ist und dieses Jahr für seine alpinliteratischen Texte den King Albert Mountain Award verliehen bekommen hat.» Klettern
«Zopfis Fabulierlust bestätigt sich nicht nur am Berg.» Neue Zürcher Zeitung
«In drei Perspektiven macht sich der Leser auf die Reise nach dem Schuldigen. Ein Indiz ergibt das andere, eine Überraschung die nächste: echter Krimispass eben.» Panorama
«Emil Zopfis neuer Kletter-Thriller ist auch etwas für Leser, die lieber flaches Land mögen: vielschichtige Charaktere und Schicksale, straffe Handlung, eingebettet in eine pittoreske Landschaft.» 20 Minuten
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Jetzt balzte er um Sabine, sie schien es zu geniessen, wetteiferte und flirtete mit ihm. Volker hockte abseits, stopfte Wurstbrote in sich hinein. Er war der Geniesser, ein gemütlicher Schwabe, Sozialarbeiter in Karlsruhe. Sabine dagegen ehrgeizig, eine angehende Juristin. Andrea versuchte, die Gruppenspiele zu ignorieren. Ich bin Bergführerin, nicht Psychologin, sagte sie sich. Vielleicht war der Brechreiz am Morgen ein Zeichen, dass sich etwas ändern muss. Wie lange führe ich nun schon? Wie viele Male bin ich schon in Finale gewesen mit einer Gruppe wie dieser, in der es oft ein zerstrittenes Paar, einen eingebildeten Schwätzer, eine frustrierte Single und einen melancholischen Alten gibt? Der Tag ging zu Ende, sie war froh darüber.
Hina rief nach ihr. Sie kletterte mit Felix an einer Wand nebenan und winkte ihr. «Holst du uns die Express runter?»
Auch das noch. Andrea beherrschte sich. «Willst du es nicht versuchen? Ich geb dir Tipps.»
«Ich mag nicht mehr, ich friere.» Hina hielt Andrea das Seilende hin. Zwischen ihren Lippen klebte eine selbstgedrehte Zigarette.
«Na dann.» Andrea seilte sich an, es war ihr Job. Die Kundin war Königin, auch am Berg.
«Ich steig dann toprope nach. Bitte fädle ein an der Umlenkung, die Schlinge hängt schon.»
Bequemer geht's nicht mehr, dachte Andrea. Hina kletterte nicht schlecht, sie war gelenkig und leicht, im Vorstieg eher ängstlich, launisch und oft unkonzentriert am Fels. Sie rauchte viel und kiffte gelegentlich. Erst kurz vor der Kletterwoche hatte sie sich per Mail angemeldet, ein Entschluss aus dem Bauch heraus. Sie war im Zug angereist, weil ihr auf einer langen Autofahrt schlecht werde.
«Ich muss schnell verschwinden.» Hina warf die Zigarette auf den Boden, trat sie aus, reichte Felix das Seil zum Sichern. «Hast du ein Grigri?»
«Ich mach's mit Halbmastwurf.» Er klinkte den Bremsknoten in den Karabiner an seinem Gurt, schraubte ihn zu.
Andrea setzte den Helm auf, wie sie das von den Teilnehmern verlangte. Sie prüfte Felix' Bremsknoten. «Gut so.»
Dann stieg sie vor, eine mittelschwere Route, mit Bohrhaken gut gesichert. Steil erst, dann plattig, zum Schluss ein kleiner Überhang, etwas abgespeckt die Griffe. Sie kletterte routiniert, dabei wanderten ihre Gedanken. Daniel. Seit ihrem Streit vergangene Woche war Schweigen, kein Anruf, keine sms. Auch sie bockte. Ihre Beziehung brauchte Veränderung. Am Stand hängte sie sich die Bandschlinge in den Karabiner an ihrem Gürtel. Sie sah hinab. Felix stand zum Sichern dicht an der Wand, schaute herauf. Ein zuverlässiger Mann. Hina war verschwunden.
Andrea hob den Daumen. «Stand!»
Sie zog ein Stück Seil nach, klinkte es mit einem Mastwurf in den Schraubkarabiner, band sich los und fädelte das Seilende durch den Ring der Umlenkung, lehnte sich dabei zurück. Unvermittelt glitt ihr das Seil durch die Finger, sie fasste nach, spürte, wie es über ihren Handballen streifte, sich in die Haut brannte. Dann ist es weg, sie schnappt darnach, greift ins Leere. Ihr Herz macht einen Sprung ...
