Frühzeitiger Herbst /Automne précoce
Gedichte Französisch und Deutsch
Herausgegeben und übersetzt von Christoph Ferber / Mit einem Nachwort von Barbara Traber
gebunden, 1. Auflage, 160 Seiten
Mai 2012Werner Renfer (1898–1936), der erste ‹moderne› Dichter des Berner Juras, ist bis heute ein Geheimtipp geblieben. Seit seiner Jugend als Bauernsohn in Corgémont bis wenige Tage vor seinem frühen Tod hat er Gedichte geschrieben; selbst sein Roman «Hannebarde» oder seine Erzählungen sind nichts anderes als lyrische Prosa. Die hier von Christoph Ferber erstmals übersetzte Auswahl von rund sechzig Gedichten berücksichtigt neben den Bänden «Profils» (1927) und «La Beauté du Monde» (1934) auch die verstreut erschienene und nachgelassene Lyrik. Es handelt sich um erstaunlich moderne Gedichte (mit Anleihen an Apollinaire), meist in freien Versen, mit überraschenden Bildern und Brüchen. Renfer ist es gelungen, in wenigen Jahren ein eigenständiges poetisches Werk zu schaffen: Gedichte, die wahre Kleinode sind, voll Raffinement, mit einem eigenen, bald burlesken, bald melancholischen, oft naiv-ironischen Ton. Erst jetzt kann Renfers Lyrik, die lange vergessen war und im Original nicht mehr greifbar ist, wiederentdeckt werden.

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Übersetzungen, fast ausschliesslich lyrischer Texte, aus dem Italienischen (Gaspara Stampa, Vincenzo Cardarelli, Eugenio Montale, Salvatore Quasimodo, Attilio Lolini, Giorgio Orelli, Giovanni Orelli, Pietro de Marchi, Remo Fasani, Aurelio Buletti, Francesco Chiesa, aus dem Russischen (Michail Lermontow, Fjodor Tjutschew, Sinaida Hippius, Fjodor Sologub, Wjatscheslaw Iwanow, David Samojlow), dem Französischen (Stéphane Mallarmé, Werner Renfer), dem Polnischen (Juliusz Slowacki) und Bulgarischen (Dimtscho Debeljanow).

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Pressestimmen
«Diese erstaunlich moderne Lyrik braucht man eigentlich kaum zu analysieren oder zu erklären. Man muss die Gedichte in ihrem Charme, ihrem Zauber, ihrer Unmittelbarkeit und jugendlichen Frische einfach auf sich einwirken lassen. Dann spürt man die Absicht und das Bedürfnis Renfers, seine Gefühle, Gedanken und Impressionen in einer lyrischen, wie Kristall glänzenden Sprache in Form eines lebendigen Gedichts zu giessen.» dialog
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Quand s’éveille la rose du jardin La pianiste d'en face Recommence à se faire la main En rejouant sur place Ses gammes du matin; D'entre notes et portées, Le jour se lève péniblement, Et peint indistinctement De rose le piano comme la femme.
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Wenn die Rose im Garten Frühmorgens erwacht, Kann's die Pianistin von drüben Nicht erwarten, Ihre Finger zu üben; Mit Tonleitern Will sie den Tag uns erheitern: Verdrießlich erhebt er sich, Verliert bald sein Grau, Um mit Rosa zu färben Piano und Frau. |
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Le vent de pluie n’a pas cessé de souffler Mais rient ne vient Tiède la terre attend Les oiseaux se sont tus Ma gorge se dessèche de tant crier Ce que plus personne ne se rappelle plus Au-delà de ma main Une feuille s’est émue N’en peut plus et tombe La pluie est lente à venir L’amour fait crier nos pas sur le sable Une lampe brûle |
Der Regenwind weht unaufhörlich Doch nichts kommt Lauwarm wartet die Erde Die Vögel schweigen Vor lauter Schreien wird trocken mein Hals Woran sich nun niemand erinnert Jenseits der Hand Erzittert ein Blatt Hat keine Kraft mehr und fällt Der Regen kommt langsam Wir gehen über Sand – unsere Schritte Schreien vor Liebe Eine Lampe brennt |
