Unterwegs / In viadi
Gedichte Rätoromanisch und Deutsch
Übersetzt und mit einem Nachwort von Luzius Keller
2. Auflage, gebunden, 144 Seiten, romansh
September 2021Luisa Famos ist eine Legende. Keine neunzig Gedichte sind von ihr erhalten, aber genug, um ihre poetische Handschrift zu erkennen. 1960 erscheint der erste Gedichtband «Mumaints» (Augenblicke), kurz nach ihrem Tod 1974 der Band «Inscunters» (Begegnungen). Und vielleicht ist der helle Nachruhm nicht zu trennen vom tragischen frühen Tod der Dichterin.
Luisa Famos entwirft stille, klare Bilder: das wogende Ährenfeld, die schwirrenden Schwalben, der ferne Sternenhimmel. In ihnen bleibt für einen kurzen Moment die Zeit stehen, offenbart sich ein Augen blick der liebenden Vereinigung mit einem Du, sei es Geliebter oder Gott. Umgehend aber löst sich diese Begegnung auf, mit dem Schnitt der Ernte bei den Ähren, dem Vergehen. Von den Schwalben zeugen nur die Schatten, die über die weisse Mauer huschen. Es sind diese minimalen Verschiebungen, die Luisa Famos’ Gedichte auszeichnen – sprachliche wie bildhafte. Die Sterne leuchten vom Himmel herab, die Dichterin fängt sie ein und erkennt sie von unten als Fluors da la terra – Blumen der Erde.
«Unterwegs / In viadi» versammelt die Gedichte der beiden Bände «Mumaints» und «Inscunters» in den neuen Übersetzungen von Luzius Keller.

Bildrechte: Archiv Luisa Famos

Bildrechte: Yvonne Böhler
Pressestimmen
NZZ am Sonntag, 7. Juli 2019
Das Gedicht – Blog, 20. Juni 2019
buchland.ch, 12. August 2019
Tagblatt, 7. September 2019
Kokoro, Nr. 83/2020
büCHerstimmen.ch, 11. Juni 2025
«Die zweisprachige Ausgabe lädt auch des Rätoromanischen Unkundige ein, sich durch die Sprachmusik von Famos zu tasten.» NZZ am Sonntag
«Eine tiefe Melancholie wohnt den Gedichten inne.» Tagblatt
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Cun bratscha nüda
Sainza pais
Il di
Brancla
La not
Cullanas d’stailas
Stüdan
Sfuondran
Aint ils vouts
Albs
Dal tschêl
Sün l’orizont
Nascha il sulai.
Mit blossen Armen
Leicht und leise
Umfängt
Der Tag
Die Nacht
Sternketten
Erlöschen
Versinken
In den weissen
Gewölben
Des Himmels
Über den Horizont
Kommt die Sonne zur Welt.
