Vertraute Gespenster

Vertraute Gespenster

Roman

Übersetzt von Barbara Sauser

1. Auflage, gebunden mit Schutzumschlag, 208 Seiten

Mai 2026
SFr. 30.–, 26.– € / E-Book SFr. 25.–
ISBN 978-3-03926-105-5
*Leseprobe

Teresa, eine junge Frau aus bescheidenen Verhältnissen, kommt aus dem Veltlin nach Zürich, um bei einer wohlhabenden Familie als Kindermädchen zu arbeiten. Sie soll sich um Giovanni und Pietro kümmern, die Kinder des Psychiaters Bruno und der Archäologin Maria.

Aus erster Ehe hat Maria eine Tochter, Esther, die ein paar Jahre älter ist als Teresa und nicht mehr zu Hause wohnt. Über dem Familienleben und der angespannten Beziehung zu Esther schwebt der Schatten von Marias verstorbenem ersten Ehemann. Und ein kaum greifbarer Verdacht, der dem Kindermädchen zu schaffen macht. Jahrzehnte später, nach dem Tod der Eltern, bringt eine geheimnisvolle Einladung die Familie und Teresa wieder zusammen.

Aus verschiedenen Perspektiven erzählt, enthüllt Anna Ruchat nach und nach ein toxisches Familiengefüge, das von seiner Vergangenheit heimgesucht wird.

Ein gespenstisch schöner, atmosphärischer Roman, der in glasklarer Sprache das Unaussprechliche beschwört.

Anna Ruchat
Bildrechte: Ayşe Yavaş
Anna Ruchat, 1959 in Zürich geboren, im Tessin und in Rom aufgewachsen, studierte Philosophie und deutsche Literatur in Pavia und Zürich. Langjährige Tätigkeit als Übersetzerin u. a. von Thomas Bernhard, Paul Celan, Nelly Sachs, Friedrich Dürrenmatt, Viktor Klemperer, Mariella Mehr, Kathrin Schmidt und Norbert Gstrein. Für ihr Erzähldebut «Die beiden Türen der Welt» erhielt sie in Italien den Publikumspreis Premio Chiara und in der Schweiz den Schillerpreis. 2019 wurde sie mit dem Schweizer Literaturpreis ausgezeichnet. Sie unterrichtet an der Europäischen Übersetzerschule in Mailand. Anna Ruchat lebt in Riva San Vitale.
Barbara Sauser
Bildrechte: AdS, Solothurner Literaturtage, Michal Florence Schorro

Geboren 1974 in Bern, lebt in Bellinzona. Studium der Slawistik und Musikwissenschaft in Fribourg. Nach mehreren Jahren im Zürcher Rotpunktverlag arbeitet sie seit 2009 als freiberufliche Übersetzerin aus dem Italienischen, Franzö­sischen, Russischen und Polnischen.

«Eindringlich und schnörkellos.» Sara Lonati, Viceversa

«Anna Ruchat ist ein feinsinniger, einfühlsamer Roman gelungen, vielstimmig und mutig.» Gallus Frei-Tomic, literaturblatt.ch

«Das Geschick der Autorin zeigt sich sofort in ihrer knappen Art, Alltagsszenen zu skizzieren, die von Ungesagtem, Hassliebe und unterdrückter Wut vergiftet sind. Anna Ruchat lässt das Unsagbare in der Hartnäckigkeit der Figuren erahnen, die Augen zu verschliessen und sich ihrer Verantwortung zu entziehen. Doch sie hält das Geheimnis aufrecht – in einer sehr nüchternen Sprache und mit seltener Feinheit.» P.H. und I.J., Les Notes, Choisir & Lire

«Das Faszinierende an Ruchats atmosphärisch dichtem, doch leichtgängigem Roman ist nicht der Plot. Was dieses Buch zu einer bleibenden Leseerfahrung macht, ist die Präzision, mit der es zeigt, was Familie ist – und wie Menschen an ihren Zwängen und Erwartungen zerbrechen können. Ein beeindruckendes Buch.» Leander Berger, SRF Kultur

«Indem Anna Ruchat nacheinander und in unterschiedlichen Formen allen Familienmitgliedern das Wort gibt, die Auslassungen rückwirkend erhellt und bestimmte Türen und Deutungsschlüssel bewusst verschlossen hält, erforscht und enthüllt sie die verschlungenen Wege langfristiger familiärer Verletzungen: zwischen unauslöschlichen Schäden, natürlicher Heilung, schuldhaften Resignationen und wundersamen Ablegern. Trotz kranker Wurzeln wächst auf dem Boden der Zeit immer etwas – wenn auch krumm.» Salomé Kiner, Le Temps

«Der latente Verdacht und Vermutungen prägen das Buch. Texte, die der Wahrheit ausweichen, lösen Beklemmung aus.» Stef Stauffer, Tessiner Zeitung Magazin

«Anna Ruchat ist ein feinsinniger, einfühlsamer Roman gelungen, vielstimmig und mutig.» Gallus Frei-Tomic, literaturblatt.ch

«Anna Ruchat schreibt mit einer solchen psychologischen Präzision, dass man ihre Beschreibungen des täglichen Lebens mit Kinderbetreuung, Gesprächen am Küchentisch und Beziehungskonfusionen nicht mehr aus der Hand legen mag.» Thomas Linden, choices

«Ein Roman von bemerkenswerter Intensität und Subtilität.» Isabelle Carceles, Le Courrier

«Anna Ruchat ist eine Meisterin der leisen Andeutungen. Spannend ist dieser Roman auf jeder Seite. Hinter der absichtlich einfachen, vermeintlich naiven Sprache steckt aber vor allem psychologische Tiefe. Auf jeder Seite ahnt man unangenehme Abgründe. Ihre Kunst besteht darin, allmählich die feinen Risse in einem Familien-Patchwork zu öffnen.» Hansruedi Kugler, CH Media

«Der Roman bietet ein erstaunliches Spiel der Blicke, die sich scheinbar mit den Spiegeln vervielfachen, mit den Aussagen, die jede Figur in einem lautlosen Walzer zurückwirft. Ein gespenstischer, geisterhafter Walzer.» Dominique Aussenac, Le Matricule des Anges

«Die Autorin nimmt uns mit einer von Mehrdeutigkeit geprägten Schlichtheit und grosser Kraft in die Geschichte dieser Figuren über zwei Generationen hinein. Sie erzählt von ihren glücklichen Momenten und schildert mit grosser Feinfühligkeit das Lebensende der Eltern. Unter ihrer Feder werden die so treffend beschriebenen Figuren zu Wesen, die zugleich vertraut und ungreifbar sind.» Mare Nostrum

«Ruchat hält ihre Gespenster sorgsam in der Schwebe des Unausgesprochenen.» Beat Mazenauer, Keystone-SDA

«Die Autorin verfügt über die seltene Fähigkeit, in wenigen Seiten ganze Lebensschicksale einzufangen. Die raffinierte Genauigkeit ist eine grosse Gabe von Ruchat.» Jury Schweizer Literaturpreis

 

Anna Ruchat, wer Ihre Erzählung «Die neue Stelle» in «Neptunjahre» kennt, dem kommen die Figuren in «Vertraute Gespenster» vielleicht bekannt vor. Was hat Sie dazu bewogen, die Erzählung zu einem Roman weiterzuentwickeln?

In der Erzählung habe ich ein empfindliches Thema, das mir am Herzen lag, auf wenig befriedigende Weise behandelt. Ich wollte ihm Raum geben, damit es sich jenseits einer wertenden, moralisierenden Logik entfalten konnte.

Teresa, eine junge Frau aus bescheidenen Verhältnissen, kommt aus dem Veltlin nach Zürich, um bei einer wohlhabenden Familie als Kindermädchen zu arbeiten. Giovanni und Pietro, die beiden Kinder, wachsen ihr schnell ans Herz, doch irgendetwas scheint seltsam in dieser Familie. In was für eine Welt gerät Teresa hier?

Zunächst einmal kommt Teresa in eine Familie, die wohlhabender und gebildeter ist als ihre eigene, vor allem aber handelt es sich um eine, in der die sozialen und familiären Rollen aufgebrochen sind. Das verwirrt sie zunächst, doch dann erkennt sie, dass sie über eine einfache Gabe verfügt, die allen anderen zu fehlen scheint: den gesunden Menschenverstand.

Sie erzählen nicht aus einer einzigen Perspektive, sondern aus der Sicht unterschiedlicher Figuren, so entsteht ein Gefüge aus vielen Stimmen, wobei die Handlung in den Hintergrund tritt. Warum diese Form?

Mich interessierte weniger die Handlung als vielmehr die unterschiedlichen Arten, wie die einzelnen Figuren die Situation wahrnehmen. Durch das Spiel mit den verschiedenen Blickwinkeln löst sich die Handlung auf, und jeder Leser, jede Leserin kann sich leichter auf seine oder ihre eigene Weise darin wiederfinden und Mutmaßungen anstellen.

 

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