Unwucht

Unwucht

Roman

1. Auflage, gebunden mit Schutzumschlag, 336 Seiten

August 2026
SFr. 34.–, 28.– € / E-Book SFr. 25.–
ISBN 978-3-03926-109-3
*Leseprobe

Alice wartet. Sie wartet auf Rio, einen Anruf, eine Erklärung, wo er ist, mal geht sie ihn suchen, mal setzt sie sich in ihr rostiges Auto, um selbst zu verschwinden. Das Kunststudium, in dem sie sich kennengelernt haben, ist lange her, der Erfolg ausgeblieben. Rio verliert sich in kleinkriminellen Machenschaften rund um seine Drogensucht, Deal um Deal hält ihn der Stoff auf Trab. Alice jobbt als Kellnerin, klammert sich an unfertige Liebeslieder und verteidigt mit ihrem schwächelnden Fiat den letzten Rest Fassade zwischen Bruchbuden und Raves, Gefängnis und Sozialamt. Die Wende wird erst möglich, als Freundinnen einschreiten.

Sieben Jahre später steht Alice vor Rios Tür, um mit ihm über damals zu reden. Sie arbeitet an einem Roman, will ihre Geschichte verstehen. Aber die Erinnerung bleibt unzuverlässig, und Rio hadert mit der Deutungsmacht der Erzählerin. Alice weicht in die Erfindung aus, doch auch dort lauern die alten Untiefen ihrer Beziehung.

Erstaunlich leicht und mit hintersinnigem Humor erzählt Sarah Elena Müller von dieser heillosen Liebe und der Macht und Ohnmacht des Erzählens.

Sarah Elena Müller
Bildrechte: David Fürst

Sarah Elena Müller, geboren 1990, bewegt sich fliessend zwischen Literatur, Musik, Forschung und Performance. Mit der Spoken-Pop-Combo Cruise Ship Misery hat sie zwei Alben herausgebracht, zuletzt das Songbook «Brutto Inland Netto Super Clean» im Verlag der gesunde Menschenversand. Seit 2024 arbeitet sie im Team des SNF-Projekts «Autofiktion & Bewusstsein». Im Limmat Verlag ist ihr Debütroman «Bild ohne Mädchen» lieferbar, der vielfach ausgezeichnet wurde und für den Schweizer Buchpreis nominiert war. Sarah Elena Müller lebt in Bümpliz.

«Sarah Elena Müller erforscht wirklich emotional hochintelligent die Zerrissenheit und die Ambivalenzen der Protagonistin und wir können mitdenken und mitfühlen.» Nina Kunz, SRF Literaturclub

«Der Roman macht sichtbar, dass Erinnerungen brüchig sein können und es nicht immer so einfach ist, eine eindeutige Version einer Geschichte festzuhalten.» Lea Schlenker, cültür

«Unwucht ist eine Wucht. Eine wahnsinnige Sprache, eine verzwickte Geschichte, Protagonist*innen die einem sehr nahe kommen. Sarah Elena Müller macht es einem nicht einfach, ob man nach der Lektüre nun lachen oder weinen soll.» Simon Lüthi, buchhaus.ch

«Sie gehört zu den interessantesten Stimmen ihrer Generation. Mit ihrem neuen Roman ‹Unwucht› dringt Sarah Elena Müller erneut mit einer verdichteten, poetischen Sprache in widersprüchliche Erfahrungsräume vor.» arttv.ch

«Ich sprühe vor Sympathie für Buch und Autorin!» Julie Lüscher, Buchhandlung Volkshaus

«Unwucht spielt auf mehreren Ebenen, deren Kräfte aufeinander wirken, anziehend und abstossend zugleich. Ein eindringliches Stück Beziehungsliteratur, subtil und nicht ohne Humor.» Martin Walker, Festivalleiter von Zürich liest

«‹Unwucht› beschenkt einen mit liebevoll gezeichneten Charakteren, einem erhellenden Esprit und einer Sprache, die das Kino im Kopf regelrecht ankurbelt. Kurz, ich sprühe vor Sympathie für Buch und Autorin!» Julie Lüscher, Buchhandlung Volkshaus

«Der Roman spielt auf mehreren Ebenen, deren Kräfte aufeinander wirken: anziehend und abstossend zugleich.» Martin Walker, Zürich liest

«Ein hervorragendes Buch. Es ist wirklich wichtig, dass es dieses Buch gibt.» Thomas Strässle, SRF Literaturclub

«‹Unwucht› ist ein sehr genauer, sprachlich beweglicher Roman über eine Beziehung, deren Ende länger dauert als die Beziehung selbst. Seine besondere Qualität liegt darin, Sucht und Co-Abhängigkeit nicht als abgeschlossene psychologische Kategorien zu behandeln. Müller beobachtet stattdessen ihre Sprache, ihre Gegenstände und ihre alltäglichen Rituale.» Ute Pappelbaum, Lesering

«Müller betrachtet die Geschichte zweier Menschen, die durch die Maschen des Systems fallen, ungeschönt und roh. Sprachlich mäandriert sie zwischen schnörkellosem Erzählen, poetischen Beobachtungen und humorvollen Brüchen.Die Verhandlung autofiktionalen Schreibens ist spannend und aktuell, wirkt aber teilweise mehr wie ein konstruierter Kniff und weniger wie eine ausgearbeitete Erzählebene. Trotzdem gelingt Müller ein starkes Werk über Abhängigkeiten aller Art, das sich ganz nah an seine Charaktere heranwagt.» Sina Aebischer, PROZ

«Lesenswert.» Felix Münger, SRF

«Müller schildert diese Beziehung und Trennung von Rio und Alice in der Ich-Perspektive, in Momentaufnahmen und ohne zu psychologisieren. Sie weiss mit all dem Ungleichgewicht umzugehen, sowie Sprache und erzählerische Mittel zu nutzen, um ihre Figuren und die Erzählung immer wieder aufzufangen und auszutarieren. Mit Fabulierlust und Humor.» Philine Erni, Keystone-SDA

«Mit einer eigensinnigen Schöpfungskraft webt die Autorin ihre Geschichte zusammen – jedoch so fein und verworren, dass schnelles Lesen unmöglich wird, obwohl man doch unbedingt wissen will, wie diese Tragödie zu Ende geht.» Nuria Piller, kulturtipp

«Und dann ist da die „Unwucht“ an sich. Im Roman auf den Fiat bezogen, der irgendwie zur Beziehung von Alice und Rio dazugehört, bei dem das Gewicht sich gleichmäßig auf alle vier Räder verteilen sollte. Doch ist der ganze Roman einer über Gleichgewicht und Ungleichgewicht. In der Beziehung selbst, und im Schreiben darüber. Und all das erzählt Sarah Elena Müller mit feiner Beobachtungsgabe, mit Lust am Erzählen an sich, in präziser Sprache, die einen ganz eigenen Sound hat.» Ines Daniels, Blog Letteratura

Donnerstag, 17. September 2026
20:00 Uhr

Literaturhaus Zürich
Limmatquai 62, 8001 Zürich, Schweiz

Vernissage Unwucht

mit Sarah Elena Müller

Sarah Elena Müller liest aus und spricht über «Unwucht»
Moderation Julia Toggenburger
Eintritt Fr. 22.–
ermässigt Fr. 15.–
Mitglieder Museumsgesellschaft Fr. 12.–
Kulturlegi Fr. 10.–
Mehr Informationen und Tickets

T: +41 44 254 5 0 08
info@literaturhaus.ch
www.literaturhaus.ch

Sonntag, 20. September 2026
12:30 Uhr

Tenda Babel
Piazza Governo 11, 6500 Bellinzona, Schweiz

Babel Festival

mit Sarah Elena Müller

Workshop mit Sarah Elena Müller
Moderation Margherita Carbonaro
Eintritt frei
mehr informationen

www.babelfestival.com/evento/parole-per-riscattare-il-passato-storia-di-uno-squilibrio/

Dienstag, 29. September 2026
20:00 Uhr

Buchhandlung Stauffacher
Neuengasse 25-37, 3011 Bern, Schweiz

Berner Buchpremiere Unwucht

mit Sarah Elena Müller

Sarah Elena Müller liest aus und spricht über «Unwucht»
mehr Informationen

T: 058 100 72 00
kundenservice@orellfuessli.ch
www.orellfuessli.ch/unternehmen/filialen/stauffacher

Lettere dalla Svizzera alla Valposchiavo

mit Sarah Elena Müller

Sarah Elena Müller liest aus und spricht über «Unwucht»

T: +41 (0)77 417 93 72
info@lettereallavalposchiavo.ch
lettereallavalposchiavo.ch/de/2026-de/

Samstag, 24. Oktober 2026
20:00 Uhr

Karl der Grosse
Kirchgasse 14, 8001 Zürich, Schweiz

Ein Abend voller Schwindel

mit Sarah Elena Müller, Lilli Tollkien und Özge Inan

Sarah Elena Müller liest aus und spricht über «Unwucht»

T: +41 44 415 68 67
karl.debattieren@zuerich.ch
www.karldergrosse.ch/

Mittwoch, 11. November 2026
19:30 Uhr

TapTap
Baumgartenstrasse 19, 8200 Schaffhausen, Schweiz

Unwucht

Lesung und Gespräch mit Sarah Elena Müller

Sarah Elena Müller liest aus und spricht über «Unwucht»
Moderation Andrina Gerner
Eintritt CHF 20.- (für Mitglieder SH Buchwoche und mit Legi gratis)
mehr Informationen

T: +41 52 624 52 33
info@buecherfass.ch
www.schaffhauserbuchwoche.ch/veranstaltung/sarah-elena-mueller-unwucht/

Sarah Elena Müller: Die Heldin und Erzählerin Alice in Ihrem neuen Roman ist süchtig, zu lieben. Ist «Unwucht» ein Liebesroman?

Süchtig zu lieben? Eine erschreckende Schlussfolgerung, aber ich glaube, nicht unpräzise. Alice ist nicht süchtig nach Rio, sie ist süchtig danach, zu lieben. Sie will spüren, dass sie es kann, es schafft, trotz allem. Alices ringt mit der Droge, die Rio konsumiert. Ihre Liebe läuft durch diese verzweifelte Konkurrenz zu Höchstformen auf und steuert doch zunehmend ins Leere. Rio, vom Beschaffungsstress getrieben, entzieht sich, kommt aber gerade noch oft genug zurück, um sie zu nähren. Und Alice, im Glauben, irgendwann fange die Beziehung richtig an oder höre richtig auf, kann nicht ausnüchtern. «Unwucht» ist ein Liebesroman, aber vom Ende her erzählt. Ein prekäres Kammerspiel, das von romantischem Kitt noch knapp zusammengehalten wird.

Der Roman spielt in einer alles andere als romantisierten ‹Boheme›, in Abbruchhäusern, im Drogen- und Hausbesetzermilieu, während Alices Fiat dem Untergang entgegenrostet. Der Roman ist schneller und härter als der erste, der Humor abgebrühter?

«Bild ohne Mädchen» handelte von einem Kind. Erwachsene Figuren wissen oder ahnen zumindest, was sie tun. Die Zurichtungen lassen sich sprachlich nicht mehr verschleiern oder poetisch darstellen, ohne dass es in Romantisierung oder Zynismus kippt. Ich hatte aber auch sehr Spaß an diesem wilden Trip, dieser Möglichkeit, direkt, ja bisweilen etwas bösartig zu sein, ein Tempo anzuschlagen, das mich beim Schreiben in Atem hält, das die Not, den Stress, aber auch den euphorischen Puls der Geschichte transportiert. Dazu gehört auch das Wagnis der co-abhängigen Autofiktion, die Ebene 2025, die der Erzählerin derart entgleitet, dass sie droht, ihre eigene Vergangenheit zu verbiegen.

Der Religionswissenschaftler Klaus Heinrich hat die Droge mal das «Glücksgefühl ohne den schweißtreibenden Umweg über die Wirklichkeit» genannt. Nimmt Rio die Abkürzung und Alice die mühsame Wirklichkeit?

Ja, vermutlich. Die hauptsächliche Mühsal entsteht aber dadurch, dass die beiden nicht in derselben Wirklichkeit leben. Alice harrt in der mühsamen Wirklichkeit mit Rio aus, kämpft die Sorgen nieder, während er ihnen durch den Konsum kurzzeitig entkommt. Er führt ein Parallelleben, sie aber kann sich nicht wegballern und stülpt ihr Mitgefühl umso vehementer über Rio, je weniger er welches für sie oder sich selbst aufbringt. Das nimmt traurige oder groteske Formen an, die mit Vorsicht zu genießen sind. Aber Alices seltene Glücks- und Erkenntnismomente sind heftig und luzid, sie erinnern durchaus an einen religiösen Rausch.

Im Roman schreibt Alice sieben Jahre nach der Trennung Autofiktion über ihre Beziehung und versucht, sich mit Rio darüber zu einigen. Geht es auch um die Deutungshoheit über die eigene Erzählung, in die aber unweigerlich Erzählungen über andere eingeschlossen sind?

Rio fürchtet, dass seine künftige Selbsterzählung von Alices Literatur überschrieben wird, und Alice will sich von einer vergangenen Geschichte freischreiben, die ihre Selbsterzählung verengt hat. Ich wollte dieses Schlingern in der Dramaturgie abbilden. Die Erzählebene 2025, auf der die Figuren über Alices Schreiben diskutieren, verhandelt Deutungshoheit, aber auch ihre Kehrseiten, Macht und Ohnmacht, Antrieb und Leerlauf, Angriff und Verdrängung. Unwucht eben, es läuft nicht rund.

Es gibt überraschend viele Referenzen aus der Kinderliteratur. Sind die ein Wink auf den Ursprung der Erzählung bzw. des Erzählten?

Der Rat und die Hilfe realer Mitmenschen erreichen Alice nicht mehr, aber sie wird von Reminiszenzen aus der Kinderliteratur umspukt, beispielweise von Pooh und Piglet, die wie sie einer unsichtbaren Gefahr auf der Spur sind. Auch selbst erfundene Märchen, fantastische Kleinstmythen und Humor helfen ihr und Rio immer wieder über verzweifelte Momente hinweg, reißen kleine Fenster von Gelächter und Erleichterung auf. Und doch bleibt Alice allein zurück, wenn die rettenden Geschichten verpufft sind. Die Kindergeschichten lassen sich also auch als Hinweis auf eine althergebrachte Einsamkeit lesen, die sowohl Rio als auch Alice in sich tragen.

Wenden Sie sich für gedruckte Plakate an den Verlag.
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