Gesammelte Werke in Einzelausgaben / Notizen des Jägers. Chlaus Lymbacher
Meinrad Inglin

Gesammelte Werke in Einzelausgaben / Notizen des Jägers. Chlaus Lymbacher

336 Seiten, Leinen
Januar 1991
SFr. 24.–, 26.– €
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978-3-85791-664-9

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Schlagworte

Jagd Literatur
     
Meinrad Inglin
© Keystone / Photopress Archiv

Meinrad Inglin

Meinrad Inglin (1893–1971) aus Schwyz zählt zu den bedeutendsten Schweizer Schriftstellern. Nach Abbruch einer Uhrmacher- und Kellnerausbildung sowie des Gymnasiums studiert er Literaturgeschichte und Psychologie in Genf und Neuenburg. Arbeit als Zeitungsredaktor und ab 1923 als freier Schriftsteller. Für sein Werk (vor allem Romane und Erzählungen, einzelne Aufsätze, Notizen und eine Komödie) wurde Inglin vielfach ausgezeichnet, unter anderem mit dem Grossen Schillerpreis und dem Gottfried-Keller-Preis.

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Lob der Heimat

1.

Im Spätherbst, wenn die genießende Fremdenwelt von den Ufersäumen der inneren Länder zurückgeflutet ist, scheint eine Stimmung der Auskehr und Verlassenheit über dem See zu liegen. Die tausend neugierigen Augen der Kurpaläste sind geschlossen. Die Landschaft aber hat nur die Maske abgelegt, die sie einen Sommer lang tragen mußte, und zeigt jetzt ihr wahres Gesicht.

Eine Vielfalt ohnegleichen verlockt hier nicht nur ins Einzelne, sondern führt immer wieder zum Ganzen, zum Geheimnis dieser einmaligen Gestalt. Wie mit Vorbedacht scheint alles aufeinander abgestimmt: der überraschend gewundene und dennoch im schönsten Gleichmaß ruhig und voll durchlaufende Grundzug der Seefläche, die jähen Anstiege von Wald und Fels mit den Unterbrüchen heiterster Ufergelände, die sanft beginnenden, dann kräftig steigenden Täler zwischen den Wandungen immer wieder neu ansetzender Aufschwünge, die gipfelnden Abschlüsse, die weiter gebreiteten Talkessel, die wuchtig gegliederte höchste Gebirgsmasse, schäumende und ruhende Wasser, Alptriften und Wälder, Fels, Wiesen, Schnee, und über allem die Nähe des blau gewölbten, dunkel durchstürmten oder sternenbesäten Himmels.

Im Zusammenklang der Einzelheiten, von denen jede ihren hohen eigenen Reiz besitzt, offenbart sich jenes Zauberhafte, das man als Stimmung, Geist oder Gestalt der Landschaft nur unzulänglich benennt. Es ist ein Ähnliches auf anderer Stufe wie die vom Verstand allein nicht zu begreifende Erscheinung, die als Melodie aus einer Kette von Tönen, als Rhythmus aus einer Reihe von Takten hervorgeht.
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